Play-off-Finale

Albas Schaffartzik im Duell mit dem besten Freund

Es könnte ein entscheidendes Duell werden: Albas Heiko Schaffartzik gegen Bambergs Anton Gavel. Beide sind Aufbauspieler, Jahrgang 1984, seit Jahren gut befreundet – und müssen das vierte Play-off-Finale am Dienstag unbedingt gewinnen.

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Für Heiko Schaffartzik und Anton Gavel wird es sein wie immer. Auch wenn es um alles oder nichts geht. Sie werden sich umarmen, werden miteinander plaudern, werden sich übereinander lustig machen. Vor und nach dem Spiel. Doch zwischendurch heißt es: Aus Freunden werden Konkurrenten. Basketballprofis, die in ihrem Job alles geben, die dem anderen auf dem Feld keinen Zentimeter Raum gönnen.

Da stehen sich am heutigen Dienstaggabend (20 Uhr, live bei Sport1 und im Ticker von Morgenpost Online sowie ab 22.45 Uhr die Highlights beim RBB) im vierten Play-off-Finalspiel die Basketballteams von Alba Berlin und den Brose Baskets Bamberg in der O2 World gegenüber. Ein Sieg der Baskets mit Gavel würde ihnen den Meistertitel bescheren, mit einem Erfolg könnten die Berliner mit Schaffartzik ihrerseits zumindest ein fünftes Spiel am kommenden Sonnabend in Bamberg erzwingen. „Wir sehen uns ja hier bald wieder“, so hatte sich der Berliner in der „Stechert Arena“ am vergangenen Sonnabend entsprechend vom Bamberger verabschiedet. Der mit einem „ha, ha, ha“ antwortete. Alba hatte zuvor 74:90 verloren , Bamberg war mit 2:1 Siegen in der „Best of five“-Serie in Führung gegangen. Doch bevor Albas Mannschaftsbus abfuhr, hatten die beiden noch die Köpfe zusammengesteckt. Sieg, Niederlage, in diesem Moment kein Thema.

Beste Freunde

„Er ist mein bester Kumpel“, sagt Gavel. „Er ist einer meiner allerbesten Freunde“, sagt Schaffartzik. Oberflächlich nach außen herrscht erst einmal Anmache vor. Die beiden beschimpfen sich feixend, da kommt politisch Unkorrektes en masse und nur bedingt Druckbares heraus. Gavel: „Das gehört bei uns halt dazu.“ Aber der Schalter lässt sich schnell umlegen, wenn das Kind im Manne ruhig gestellt ist. „Basketball ist gar nicht so oft unser Thema, wir reden über alles“, erklärt der Bamberger.

In der Saison 2004/2005 haben sich die beiden kennen- und sofort schätzen gelernt, als sie gemeinsam bei den Gießen 46ers unter Vertrag standen. Sie spielten zwar in einem Team, doch irgendwie waren sie dennoch Konkurrenten, weil sie beide Spielmacher sind. Strategen, die das Spiel lenken, beide Jahrgang 1984. Gavel, 1,89 Meter groß, in Kosice (Slowakei) geboren, mit 16 Jahren nach Karlsruhe gekommen, wo er erste Liga spielte und sein Abitur machte, bevor er nach Gießen kam. Schaffartzik (1,83 Meter), in Berlin geboren und aufgewachsen, wechselte nach Gießen, nachdem er bei TuS Lichterfelde und später bei Alba seine Lehrzeit hatte. Erblich vorbelastet sind beide: Schaffartziks Vater spielte Bundesliga beim DTV Charlottenburg, Gavels Mutter war in der ersten tschechoslowakischen Liga aktiv.

Gemeinsames Jahr in Gießen

„Sehr schnell haben wir gemerkt, dass wir einen besonderen Draht zueinander hatten – und daraus ist eine Freundschaft erwachsen“, erzählt Schaffartzik. Etwas Seltenes im Profigeschäft. „Oft sagt man zwar, dass man miteinander in Kontakt bleiben will, wenn sich die Wege mit anderen Spielern trennen, aber letztlich passiert das dann doch fast nie“, spricht Schaffartzik aus Erfahrung über dieses „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Bei den beiden Spielmachern ist es anders. Sie haben das gemeinsame Jahr in Gießen genossen, bis ins Halbfinale stießen sie vor, dort unterlagen sie – gegen Bamberg. Eigentlich hatte Schaffartzik wie Gavel noch ein Jahr länger bei den Hessen bleiben wollen, doch im Juni 2005 wurden beim Berliner bei einer Doping-Kontrolle Rückstände eines in Haschisch und Marihuana enthaltenen Wirkstoffs gefunden. Der Klub entließ den damals 21-Jährigen.

Internationale Stationen

Beide sind viel rumgekommen, in der Bundesliga, in Europa. Gavel spielte in Murcia (Spanien) und Saloniki (Griechenland), Schaffartzik einige Monate für Ankara in der Türkei. Entfernung war nie ein Problem in ihrer Freundschaft. „Wir telefonieren, schicken Mails, wir sind oft in Kontakt“, sagt Gavel. Schaffartzik besuchte ihn beispielsweise in Spanien.

Am Dienstag müssen sie wieder gegeneinander spielen, einig sind sie sich da ausnahmsweise nicht. „Ich finde das eher unangenehm, gegen meinen Kumpel zu spielen, wenn einer verlieren muss und einer gewinnt“, meint Gavel. Schaffartzik empfindet „viel Spaß dabei“, wenn es Freund gegen Freund geht. „Das hat so was Vertrautes, du hast immer Blickkontakt.“

"Gute Freunde kann niemand trennen"

Natürlich registrieren sie das momentane Ballyhoo rund um den Klassiker Berlin gegen Bamberg; den Giftpfeilen, die vor allem wegen Schiedsrichterentscheidungen gerade zwischen den Klubs hin- und herfliegen, weichen sie gekonnt aus. „Emotionen gehören dazu, auch was Schiedsrichter betrifft“, sagt der Bamberger. „Wir sollten uns auf unser Spiel konzentrieren“, rät der Berliner richtigerweise. Während die Franken bei einer Niederlage noch einen weiteren Matchball haben, heißt es für Alba: siegen oder fliegen. Die Berliner stehen mit dem Rücken zur Wand, kein Wunder, dass die Nerven bei vielen sehr angespannt sind.

Doch Anton Gavel spricht für beide, wenn er sagt: „Wenn der eine Erfolg hat, gönnt ihm der andere das.“ Franz Beckenbauer, der Fußball-„Kaiser“, hat schließlich schon vor 45 Jahren gesungen: „Gute Freunde kann niemand trennen...“