Play-off-Finale

Alba Berlin muss in der "Frankenhölle" bestehen

Alle 25 Heimpartien hat Bamberg in dieser Saison gewonnen. Die Berliner können am Abend dort nur erfolgreich sein, wenn sie nahezu fehlerlos spielen. Ein Vorteil könnte die Verletzung des gegnerischen Spielmacher John Goldsberry sein.

Foto: picture alliance / Camera4 / picture alliance / Camera4/Camera4

Im Vorprogramm gibt es erst einmal eine Schiedsrichterschelte. „Vier bis fünf krasse Fehlentscheidungen haben das Spiel eindeutig gegen uns entschieden“, sagt Wolfgang Heyder, der Geschäftsführer der Brose Baskets Bamberg, mit Blick auf die zweite Play-off-Finalpartie seiner Mannschaft, die die Franken am Mittwoch bei Alba Berlin mit 71:80 verloren haben. „Die Spieler sollten die Meisterschaft entscheiden – und nicht die Referees“, legt Heyder nach.

Im Kampf um besagte Meisterschaft heißt es in der Serie „Best of five“ nach Siegen 1:1, und auch zwischen den Geschäftsführern steht es inzwischen 1:1. Nach dem ersten Spiel war es nämlich Heyders Berliner Pendant Marco Baldi gewesen, der sich nach der Alba-Niederlage über die Schiedsrichter beklagt hatte. Soweit also alles im Lot vor dem dritten Finale heute Abend (20 Uhr, live bei Sport1, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) in der „Stechert Arena“ in Bamberg. Von „Geplänkel“ spricht Baldi mit Blick auf die Aussagen seines Kollegen beim Titelverteidiger.

Gehört wohl einfach dazu, wenn es um so viel geht. Da fliegen die Giftpfeile im Vorfeld eben hin und her. Und in den entsprechenden Internet-Foren wird unter den Fans heiß diskutiert, zum Beispiel über die Schiedsrichter. Oder es ist auch ein – eher allerdings marginales – Thema, wie der Alba wegen eines Buchprojekts begleitende Berliner Schriftsteller Thomas Pletzinger in einem Interview auf der offiziellen Website der Basketball-Bundesliga (BBL) den Zustand der Gästekabine in Bamberg („unfassbar verlottert“) beschrieb. Entsprechende Passage ist inzwischen im Netz allerdings entschärft worden.

Auf dem Feld, das ist sicher, wird es heute wieder verschärft emotional zugehen. Die Berliner wissen, was in der „Frankenhölle“ auf sie zukommt. Da gehört es auch dazu, „im Kopf stark zu sein“, wie es Albas Trainer Muli Katzurin ausdrückt. Sicher ist es schwer, sich von der hitzigen und hektischen Atmosphäre nicht anstecken zu lassen. Auch für genügend verbale Provokationen untereinander wird gesorgt sein. „Ruhe bewahren, aber bloß nicht in der Aggressivität nachlassen“, fordert Baldi. „20 Prozent des Bamberger Spiels macht die Atmosphäre in ihrer Halle aus.“

Die Berliner werden sich nicht noch einmal einen solchen Blackout leisten können – wie im ersten Viertel in Spiel zwei, als sie mit einem 2:18 starteten. „Wir versuchen jedes Mal, die Mannschaft optimal vorzubereiten“, meint Katzurin, „aber es klappt nicht immer.“ Es gelte, aus den Fehlern zu lernen. Psychologisch sei es für seine Mannschaft sehr wichtig gewesen, „dass wir Bamberg zum ersten Mal in dieser Saison geschlagen haben.“ Zweimal in der Punkterunde und einmal im Play-off hatte Bamberg zuvor gewonnen.

Dass die Baskets wegen der Niederlage verunsichert sein könnten, glaubt Alba-Center Yassin Idbihi nicht. „Die sind sehr stabil.“ Auch im Halbfinale hätten die Franken schließlich beide Auswärtsspiele bei den Artland Dragons verloren, um aber daheim jedes Mal voll da zu sein. Für Idbihi steht fest: „Wer in den 40 Minuten weniger Fehler macht, wird gewinnen.“ Er warnt davor, sich zu gut zu fühlen: „Wir haben noch nichts erreicht. Wir haben nur das getan, was wir tun mussten: daheim gewinnen.“

Alba-Spielmacher Heiko Schaffartzik sieht die Baskets „jetzt wieder im Vorteil“. Weil sie eben ein Heimspiel haben. 25 Begegnungen in der Liga und im Pokal hat Bamberg in eigener Halle in dieser Saison bestritten, alle haben die Franken bisher gewonnen. Als Erster nach der Punkterunde haben sie den Vorteil, im Zweifelsfall ein Heimspiel mehr zu haben. „Um das zu erreichen, kämpft man in der regulären Saison sehr hart“, sagt Bambergs Star-Spieler Casey Jacobsen, der selbst einst eine Saison lang bei Alba unter Vertrag stand. Aber der US-Amerikaner schiebt gleich nach: „Eine Garantie ist auch der Heimvorteil nicht.“

Vor allem, so Jacobsen, sei es „wichtig, Julius Jenkins zu stoppen“. Nach zuletzt sehr schwankenden Leistungen war dieser beim Alba-Sieg mit 23 Punkten der überragende Mann auf dem Parkett gewesen. „Die Kritik an ihm zuletzt war in gewisser Weise berechtigt“, erklärt Assistenztrainer Konstantin Lwowsky. „Umso schöner ist es, dass er allen Kritikern, uns und auch sich selbst gezeigt hat, dass er ein ganz wichtiger Spieler ist.“ Mit einem Jenkins in Topform steigen jedenfalls die Berliner Chancen, heute als erstes deutsches Team Bamberg in dieser Saison in eigener Halle eine Niederlage beizubringen. Dann würde nur noch ein Sieg zum Titelgewinn fehlen.

Und dann ist da noch die große Frage: Spielt er oder spielt er nicht? Gemeint ist Bambergs Playmaker John Goldsberry, der in Berlin wegen einer Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk fehlte. „Ich bin derzeit nicht optimistisch, dass wir ihn noch einmal sehen“, sagt Heyder. Tag und Nacht wird Goldsberry behandelt, „Ohne ihn ist Bamberg ein anderes Team, weil ihnen der Eckpfeiler der Organisation fehlt“, stellt Schaffartzik fest, „das macht sich natürlich bemerkbar.“ Idbihi verweist darauf, dass bei einem Fehlen von Goldsberry dessen Kollege Brian Roberts anfangen muss. „Damit fehlt dann einer, der Energie von der Bank bringt.“

Jacobsen möchte die Personalie Goldsberry gar nicht so hoch hängen. „Natürlich vermissen wir ihn, aber wir als Team haben damit umzugehen.“ Auch bei Alba seien schließlich im ersten Spiel einige „nicht richtig fit“ gewesen. Yassin Idbihi hat seinen ganz speziellen Ansatz: „Ich hoffe, er kann spielen. Ich möchte nämlich nicht Deutscher Meister werden und einer kann sagen: Das habt ihr nur geschafft, weil der Goldsberry nicht spielen konnte.“