Play-off-Finale

Warum Alba sich in der Außenseiterrolle wohlfühlt

Das Traumfinale steht: Alba Berlin und die Brose Baskets Bamberg ermitteln den deutschen Basketballmeister 2011. Zusammen gewannen beide Teams zehn der letzten 14 Titel. Bamberg ist Favorit – was Alba nicht ungelegen kommt.

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Es hatte etwas von Theater. Wenn die Künstler unter nicht enden wollendem Applaus des Publikums noch einmal auf die Bühne zurückkehren und sich feiern lassen. Die Basketballprofis von Alba Berlin mühten sich mit ihren müden Knochen also noch einmal aus dem Mannschaftsbus, um sich von ihren klatschenden Fans hochleben zu lassen. Da wurde zusammen gesungen („Humba Humba Tätärä“) und gehopst vor der Ballsporthalle in Frankfurt. Dann fuhr der Bus hinaus in die Nacht. Um im Theater-Jargon zu bleiben: Der letzte Vorhang im Halbfinale war gefallen nach dem 87:68 von Alba im entscheidenden fünften Spiel bei den Skyliners Frankfurt .

Es folgt nun ein neues Stück: Finale. „Ein Endspiel zwischen Berlin und Bamberg – das ist doch das, was alle sehen wollen“, meinte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Berlin, lange Branchenführer mit sieben Meisterschaften hintereinander bis 2003 und dem achten Titel 2008, gegen die Bamberger, die in den vergangenen sechs Jahren dreimal Meister wurden.

Am Sonntag (15.45 Uhr) geht es in Bamberg los, Spiel zwei findet am kommenden Mittwoch (19 Uhr) in der O2 World statt, danach trifft man sich am Sonnabend (11. Juni, 20 Uhr) wieder in Bamberg of five. Sollte dann noch keine Entscheidung in der Serie „Best e“ gefallen sein, geht es am Dienstag, 14. Juni, um 20 Uhr in Berlin weiter; ein eventueller Showdown würde am Sonnabend, 18. Juni, in Bamberg stattfinden (20.45 Uhr). Alle Spiele werden live bei Sport1 übertragen.

Favoritenrolle bei Bamberg

Bamberg ist Favorit, was Alba ganz gut in den Kram passt. So kann man den Druck einigermaßen weghalten. Dennoch sagte Cheftrainer Muli Katzurin: „Ich kann nicht sagen, dass Bamberg der Favorit ist. Sonst sieht das ja so aus, als wenn ich nicht gewinnen wollte.“ Ihm pflichtete Teammanager Mithat Demirel bei: „Wir haben das Potenzial, um es auch gegen Bamberg zu schaffen.“

Die Berliner müssen und wollen sich nicht verstecken, vor einer Mannschaft, „die diese Saison dominiert hat“, wie es Katzurin ausdrückte. Aber alle sind voller Optimismus nach dem Coup in Frankfurt. Wer in einer Play-off-Serie dreimal in Frankfurt gewinnt, muss sich eben auch nicht vor den heimstarken Bambergern gruseln.

Einen Tag Freude, dann neu Konzentrieren

In Frankfurt zeigte sich, was für ein unbändiger Wille in diesem Team steckt. Anders als noch vor fast genau einem Jahr: Am 19. Mai 2010 unterlag Alba in der Ballsporthalle im vierten Viertelfinalspiel 58:69, es hieß 3:1 nach Siegen für die Skyliners, und Alba war draußen, bevor das Play-off so richtig angefangen hatte. Damals saß die Mannschaft anschließend fassungslos im Hotel „Maritim“ in Bad Homburg beim Essen, am späten Donnerstagabend hieß es: gleiche Stelle, andere Welle. Niemand stocherte missmutig in seinem Essen herum, wie an dem besagten Abend voller Tristesse.

„Jetzt freuen wir uns erst einmal“, meinte Demirel, „und dann beginnt am nächsten Tag die Vorbereitung auf Bamberg.“ Katzurin lächelte da vor sich hin: „Wir Trainer werden schon heute Nacht an der Vorbereitung arbeiten.“

Druckresistenter Katzurin

Dem 56-Jährigen war anzumerken, welcher Druck erst einmal von ihm abgefallen war. „Mit Druck umzugehen, ist Teil meines Jobs“, sagte er zwar, aber: „Jetzt bin ich froh, dass ich einen Sieg erklären muss und nicht eine Niederlage, für die ich dann die Verantwortung übernehmen müsste.“ Er blickte in der Stunde der Freude auch noch ein wenig zurück. „Es war nicht einfach, als ich hier angefangen habe. Aber ich habe die Herausforderung angenommen.“ Er trichterte dem Team unter großen Mühen einen anderen, schnelleren, attraktiveren Spielstil ein, nachdem er Ende Januar dieses Jahres den Trainerposten vom beurlaubten Luka Pavicevic übernommen hatte . Inzwischen, so sagt der Israeli Katzurin, sei er, „glücklich, ein Teil von Alba zu sein“.

Ob er dies länger bleiben wird? Von Klubseite gilt bei ihm wie bei den Spielern, dass während des Play-off nicht über Personalien und Verträge gesprochen wird. Doch Katzurin hat sich mit dem Einzug ins Finale sicherlich keine schlechte Ausgangsposition für eine Weiterbeschäftigung verschafft. „Damit befasse ich mich jetzt nicht“, sagte er. „Man muss sehen, was die Zukunft bringt. Ich mache meinen Job und will gewinnen.“

Zwei Tage weniger Pause

Am besten gegen Bamberg so wie in Frankfurt demonstriert. Als Yassin Idbihi mit 16 Punkten und neun Rebounds überragte, sich Derrick Allen mit 15 Zählern zurückmeldete, Sven Schultze wichtige Dreier traf oder Heiko Schaffartzik als Spielmacher und aggressiver Verteidiger eine sehr starke Leistung ablieferte. „Bamberg ist für mich klarer Favorit“, meinte der deutsche Nationalspieler. „Die haben zehn gleich starke Spieler und sind nicht wie Frankfurt von einem abhängig.“ Er sprach damit auf den Star der Skyliners an, DaShaun Wood, dessen Kreise die Berliner – neben Immanuel McElroy auch Schaffartzik – entscheidend störten.

Nicht hilfreich ist, dass die Berliner zwei Tage weniger Zeit zum Regenerieren haben. Da Bamberg sein fünftes Halbfinalspiel gegen die Artland Dragons bereits am Dienstagabend austragen konnte, sind die Franken sozusagen zwei Tage im Vorteil. „Ein bisschen merkwürdig“ fand Katzurin das Ganze. „Das darf keine Ausrede für uns sein“, erklärte Schaffartzik gleich, dem Bryce Taylor pragmatisch nur zustimmen konnte: „Wir sind Profis, da müssen wir mit so etwas leben, ändern können wir’s eh nicht.“

IWarum Alba nicht zumindest am Mittwoch hat spielen können? „Da muss man die BBL fragen“, meinte Baldi dazu nur. Dirk Kaiser, der Sprecher der Basketball-Bundesliga, erklärte gegenüber Morgenpost Online: „Das hatte einzig und allein Fernseh-Gründe.“ Da es beim Sender Sport1 nur am Dienstag und am Donnerstag Raum für Basketball-Übertragungen gab, habe entsprechend terminiert werden müssen. Baldi sprach das Schlusswort: „Unsere Spieler lamentieren nicht rum, da will ich nicht damit anfangen.“