Play-off-Finale

Alba Berlin verliert gegen Bamberg 74:90

Alba steht mit dem Rücken zur Wand. Denn die Berliner haben das dritte Play-off-Finalspiel mit 74:90 bei den Franken verloren. Jetzt müssen sie am Dienstag unbedingt gewinnen.

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Die Fans der Brose Baskets Bamberg unter den 6800 Zuschauern feierten, als habe ihre Mannschaft die deutsche Basketball-Meisterschaft bereits gewonnen. Sie skandierten „Alba-Killer!“ Die „Stechert Arena“ bebte, während die Profis von Alba Berlin ganz schnell in der Kabine verschwanden. Nach einem 74:90 (35:53) und einer schwachen Berliner Leistung im dritten Play-off-Finalspiel in Bamberg steht es nach Siegen nun 2:1 für die Baskets. Der Titelverteidiger kann in der Serie „Best of five“ am Dienstag mit einem Erfolg in der Berliner O2 World (Beginn 20 Uhr, live bei Sport1) erneut die Meisterschaft holen. Alba steht mit dem Rücken zur Wand – nur ein Sieg kann Berlin noch in ein fünftes Spiel in Bamberg (Sonnabend, 18 Juni) führen.

Eine ganz wichtige Frage schien schon 90 Minuten vor Spielbeginn geklärt. Als die Berliner am Sonnabend die Halle betraten und sich in Richtung Kabine aufmachten, erspähten sie John Goldsberry, der sich als erster Bamberger dehnte. Es deutete alles darauf hin, dass der US-Amerikaner, der wegen einer schweren Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk im zweiten Finalspiel drei Tage zuvor noch gefehlt hatte, wieder zum Kader gehörte. Doch dann warf er sich nicht mit seinen Kollegen ein. Sollte er doch erneut passen müssen? Aber kurz vor der Teamvorstellung kam er dann doch aufs Feld. Ein bisschen Verwirrung musste schon sein…

Alba kann Gavel nicht stoppen

Goldsberry blieb jedoch auf der Bank, erst nach 24 Minuten kam er aufs Feld. Aber er wurde bis dahin auch nicht benötigt, denn Bamberg hatte ja einen Anton Gavel als Playmaker. Er lenkte das Spiel, war von Alba nicht zu kontrollieren. Zwar waren die Berliner gut gestartet, hatten gleich ein 5:0 und 7:2 vorgelegt. Lange hielt das Hoch aber nicht an. Man hatte das Gefühl, dass die Franken fast immer einen Schritt schneller waren als die Berliner Spieler. Hatte es anfangs noch gut über Center Miroslav Raduljica geklappt, hatte auch Julius Jenkins getroffen, lief bei Alba in der Offensive von Minute zu Minute weniger.

Es wurde fahrig agiert, weder Taylor Rochestie noch der etwas stärkere Heiko Schaffartzik hatten das Spiel richtig im Griff. Derrick Allen (kein Punkt) war völlig neben sich, Yassin Idbihi kam kaum zur Geltung. Es zog sich durchs ganze Team. Oft wurde aus schlechten Positionen geworfen, zumeist vorbei. Wenn wenigstens die Defensive konsequent und aggressiv gewesen wäre: aber auch da war Alba klar unterlegen. Die Bamberger nahmen ihre Gelegenheit unter dem ohrenbetäubenden Jubel ihrer Fans konsequent wahr. Wer gegen die Baskets Fehler macht, wird sofort bestraft. Bei 12:22 (8. Minute) war der Rückstand erstmals zweistellig. Alba-Trainer Muli Katzurin wechselte wieder viel, aber diesmal nutzte es nichts, es fand sich keine wirklich starke Formation.

Kein Wunder also, dass es nach 20 Minuten bereits 35:53 stand. 18 Punkte Rückstand zur Halbzeit. In Spiel zwei hatten die Berliner zwar ein 2:18 nach völlig verschlafenem Beginn noch aufgeholt, doch diesmal waren die Vorzeichen andere. Dem Berliner Team schien die Überzeugung zu fehlen, in der hitzigen Atmosphäre der „Frankenhölle“ wirklich gewinnen zu können. Die Bamberger waren bereit, Alba war es nicht.

Und es änderte sich auch nach dem Wechsel nichts. Nach 24 Minuten betrug der Rückstand 21 Zähler – 39:60. Die Frage nach dem Sieger stellte sich eigentlich nicht mehr. Den Baskets, bei denen sich kurz vor Schluss noch Brian Roberts am Knie verletzte, wurde es viel zu leicht gemacht. Zuviel wurde auch mit den Schiedsrichtern gehadert. „Von denen war keine Linie zu erkennen, uns wurde jeder Kontakt abgepfiffen, das hat die Mannschaft verunsichert“, fand auch Geschäftsführer Marco Baldi. Der Berliner Frust dokumentierte sich noch in einem Technischen Foul gegen Trainer Muli Katzurin. Nur Schaffartzik beherzigte noch während des Spiels, was er danach dann auch sagte. „Wir sollten uns nicht so sehr über die Schiedsrichter aufregen“, forderte der Spielmacher vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel am Dienstag, „sondern uns auf unser eigenes Spiel konzentrieren.“

Die Bamberger haben jetzt also in Berlin den ersten Matchball. Sie können sich mit einem Erfolg den vierten Meistertitel seit 2005 holen. Den Berlinern ist es während dieser Zeit nur einmal (2008 unter Trainer Luka Pavicevic) gelungen, Meister zu werden. Im sportlichen Bereich hat sich Bamberg als Branchenführer etabliert. Und eigentlich wäre die Meisterschaft für die Franken folgerichtig. Letztmals war während einer Spielzeit Alba Anfang dieses Jahrzehnts ähnlich dominant wie die Baskets. In der Punkterunde unterlagen sie lediglich zweimal (Alba hingegen verlor zehn Spiele), wie im vergangenen Jahr holte das Team von Trainer Chris Fleming auch den nationalen Pokal. Hier war Alba bereits im Viertelfinale gescheitert.

Vor allem Heimstärke (26 Spiele, 26 Siege) hat Bamberg immer wieder geholfen. Wie jetzt wieder demonstriert gegen Alba, sehr wichtig auch im Play-off-Halbfinale, als eben drei Heimsiege den beiden Niederlagen bei den Artland Dragons gegenüberstanden. Aus der Tatsache, dass Bamberg auch da auswärts patzte, speist sich die Hoffnung der Berliner, zumindest am Dienstag die Serie ausgleichen zu können. „Wir haben noch lange nicht aufgegeben“, versprach Alba-Profi Bryce Taylor. „Wir haben sie daheim schon einmal geschlagen. Warum soll uns das nicht noch mal gelingen?“ Doch dann muss sich Alba gewaltig steigern.