Basketball

Alba ist mit Optimismus zurück im Titelrennen

Mit dem Sieg und dem Ausgleich gegen Bamberg ist der Optimismus zurück in Berlin. Doch es war eine schwere Geburt. Erst nach zwölf Wechseln in den ersten sechseinhalb Minuten stabilisierte sich Katzurins Team. Vor dem Spiel am Samstag gibt es nun gute Vorsätze.

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Sie haben ihre Hände nach den Titel wieder ausgestreckt: Dank des 80 zu 71 Heimsieges gegen den amtierenden deutschen Meister aus Bamberg dürfen die Basketballer von Alba Berlin wieder vom Gewinn der deutschen Meisterschaft träumen. Spielmacher Heiko Schaffartzik lobte nach der Partie explizit die gute Stimmung während des Spiels, vor allem in der Anfangsphase, als die Berliner nur schwer in die Begegnung fanden. Es gäbe Zuschauer und Fans, gegen Bamberg gab es nur zum Glück ausschließlich nur Fans, so hieß es in der Lobrede des Spielmachers an den Anhang.

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Wer das Basketballteam von Alba Berlin eine Wundertüte nennt, untertreibt eigentlich. Denn welche Tüte könnte groß genug sein, dass all' die positiven und negativen Ausschläge hinein passen? Die Mannschaft von Muli Katzurin bleibt sich treu und tänzelt weiter am Abgrund entlang. Aber auch im zweiten Finale gegen die Brose Baskets aus Bamberg gelang es ihr nach einem 2:18-Fehlstart zum wiederholten Male, den drohenden Absturz verhindern. Dem grandiosen Einbruch folgte ein noch beachtlicheres Comeback: Alba siegte 80:71 und glich in der Serie „Best of five“ zum 1:1 aus.

Nicht minder erfreulich ist, dass es in der total desolaten Anfangsphase, in der die 12.432 Zuschauern zuerst bei 0:8 und dann 2:18 ihren Augen nicht trauten, auf der Alba-Bank nicht zu folgenschweren Kollisionen kam. Es war ein Kommen und Gehen im Sekunden-Takt, dennoch ging es weiter bergab. Erst nach zwölf Wechseln in den ersten sechseinhalb Minuten stabilisierte sich Katzurins Team.

„Erst habe ich eine Auszeit genommen, aber das war nicht genug“, sagt Albas Coach. „Meine Mannschaft war wie im Koma.“ Fehler in der Verteidigung seien nun mal nicht akzeptabel und es sei halt sein Job, Antworten zu finden, erklärt Katzurin das schnelle Rein und Raus, und am Ende habe er „ja auch eine Mischung gefunden, die uns zurück ins Spiel gebracht hat.“

Wie das Alba eben so macht: Erst mal mit Volldampf in die Krise und dann mit aller Kraft wieder hinaus. Schon im Halbfinale hatte der Serienmeister vergangener Tage immer wieder neben sich gestanden, beide Heimspiele verloren, es dann mit drei Auswärtssiegen in Frankfurt aber doch noch ins Endspiel geschafft. Jetzt gab es im zweiten Finale wieder ein erstes Viertel auf Bezirksliganiveau. Warum, das weiß im Team und dessen Umfeld keiner. Dafür wird aber eines immer klarer: Dieser Mannschaft ist jetzt alles zuzutrauen – auch der Titel.

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi jedenfalls beantwortet die Frage, ob ein Team auch Meister werde, zu dessen Markenzeichen ein unterirdisches Viertel pro Spiel gehöre, mit einem „Wir schon!“ Sein Team sei „irgendwie irre und etwas Besonderes. Ich kann mich schwer erinnern, jemals solche Amplituden erlebt zu haben und wäre froh, wenn wir endlich durchgängig ein Niveau hinkriegen würden.“ Ein richtig mulmiges Gefühl habe er auch bei -16 nicht gehabt, erzählt Baldi. „Das Team war da, auch wenn es zuerst nicht so aussah“, habe aber erst spät „Nervosität in Konzentration umgesetzt, dann aber in kurzer Zeit Bamberg das Gefühl gegeben: So leicht kommt ihr hier nicht weg.“

So sehr sich alle bei Alba mehr Kontinuität wünschen, so häuslich scheinen sich die Spieler aber auf der Achterbahn eingerichtet schon zu haben. „Wir sind es mittlerweile ja gewohnt, Rückständen hinterherzulaufen“ sagt Heiko Schaffartzik, der den überragenden Julius Jenkins im zweiten Viertel mit zwei wichtigen Drei-Punkte-Würfen bei der Aufholjagd unterstützte. „Ich hatte keine Befürchtungen bei dem schnellen Rückstand und es war klar, dass wir nach dem schlechten Beginn besser werden würden.“

Chris Fleming, Bambergs Trainer, blieb am Ende nur, Albas „großen Kampfgeist nach dem schweren Start“ anzuerkennen. „Die zweite Hälfte war dann sehr ausgeglichen, und am Ende hat Alba die wichtigen Würfe getroffen und wir nicht.“ Fleming, der nach dem Pokalsieg mit Bamberg gern das zweite Double aus Meisterschaft und Cup in Folge feiern würde, war „über die Niederlage zwar nicht froh, aber wir müssen sie akzeptieren“, sagte der Coach.

Sicherlich hat Alba auch davon profitiert, dass John Goldsberry, der Spielgestalter von Titelverteidiger Bamberg, wegen einer Sprunggelenksverletzung in Franken geblieben war, um dort für das dritte Aufeinandertreffen am Sonnabend (20.00 Uhr) fit gemacht zu werden. Der mache nämlich „das Spiel hektisch“, sagt Baldi, „will damit erreichen, dass der Gegner die Ruhe verliert. Im ersten Spiel ist das passiert.“

Coach Fleming ist optimistisch, dass Goldsberry in Spiel drei wieder dabei sein wird. Was Albas Aufgabe sicherlich erschweren würde, vielleicht schon am Sonnabend den Auswärtssieg zu holen, der unbedingt nötig ist, um Meister zu werden. Denn Goldsberry ist nicht nur Bambergs Edel-Hektiker, sondern auch einer der besten Verteidiger des Teams.

Ein zweites Heimspiel am Dienstag in der O2 World hat sich Alba mit dem Comeback vom Mittwoch in Spiel zwei schon mal erkämpft. Wollen Katzurins Spieler dann schon den ersten Matchball haben, müssten sie jetzt in Bamberg besonderes vollbringen, denn die Baskets haben in dieser Saison gegen eine deutsche Mannschaft noch kein Heimspiel verloren.

Schaffartzik sieht's so: „Irgendwann reißt auch mal diese Serie.“ Und hofft darauf wohl schon jetzt am Sonnabend.