Für die Anhänger der Klubs gibt es nichts Schöneres. Ein Basketball-Finale zwischen Alba Berlin und dem Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg: „Genau das wollen die Fans – und wir natürlich auch“, sagt Alba-Profi Bryce Taylor vor dem ersten Spiel der Play-off-Finalserie (Best of five) am heutigen Sonntag um 15.45 Uhr (live bei Sport1, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) in Bamberg. Die Rivalität ist groß. Berlin gegen Bamberg – Wolfgang Heyder, der Bamberger Geschäftsführer, spricht vom „Klassiker“. Für die Berliner Fans sind die Baskets so etwas wie der Lieblingsfeind, umgekehrt ist es nicht anders.
So werden die Bamberger Fans wieder stolz ihre T-Shirts mit der martialischen Aufschrift „Alba-Killer“ tragen. Der Berliner Anhang, ganz in Gelb gewandet, steht dem nicht nach, er wird wie üblich das Plakat mit dem Slogan „Gib Brose keine Chance“ dabei haben. Nachempfunden der Anti-Aids-Kampagne. Über Geschmack lässt sich mit eingefleischten Fans nicht streiten.
Einig sind sich jedoch alle, dass es kein besseres Finale geben könnte. „Das wollen alle sehen“, sagt auch Heyders Berliner Pendant Marco Baldi. Die Strahlkraft ist einfach am größten, wenn diese beiden Klubs aufeinandertreffen. In Sachen „Medienwirksamkeit und Außendarstellung“ (Heyder) geht nichts drüber. „Gerade diese beiden Mannschaften haben doch in den vergangenen Jahren die Liga geprägt“, sagt der Bamberger. Wobei im sportlichen Bereich die Franken mit drei Meisterschaften in den vergangenen sechs Jahren Alba klar hinter sich gelassen haben. Berlin hat in diesem Zeitraum nur einmal (2008) den Titel geholt.
Bei einem Blick auf die Abschlusstabelle nach der Hauptrunde zeigt sich ebenfalls eine starke Diskrepanz: Bamberg verlor als Erster gerade mal zwei Spiele, Alba als Dritter unterlag zehnmal. So oft übrigens wie noch nie, seit die Bundesliga (BBL) in der Saison 2006/2007 erstmals mit 18 Klubs spielte. Doch das hat alles nichts zu sagen, weiß Bambergs Trainer Chris Fleming. „Eine gute oder schlechte Saison lässt sich erst ganz am Ende messen.“ Die Hauptrunde sei eigentlich doch nur „ein Punktesammeln fürs Play-off“.
Und in dieser Phase, in der es nun wirklich gilt, haben es beide bis ins Finale geschafft. Was bei Bamberg weniger überraschte. „Dieses Team hat die Liga dominiert“, sagt auch Albas Cheftrainer Muli Katzurin. „Eine exzellente Mannschaft, sehr gut organisiert und gecoacht.“ Ein großes Erfolgserlebnis hatte der Titelverteidiger bereits, wie schon im Vorjahr wurden die Baskets auch Pokalsieger. Fleming gibt das Lob zurück: „Berlin ist sehr tief besetzt, in der Mannschaft stehen viele gute Einzelspieler, sie ist daher schwer auszurechnen.“
Bamberg galt aufgrund seiner Dominanz seit langem als gesetzter Finalist. Nach einer Saison mit vielen Rückschlägen, etlichen Personal-Rochaden und vor allem einem Trainerwechsel (im Januar kam Katzurin für Luka Pavicevic) glich und gleicht das Alba-Team auch jetzt noch einer Wundertüte. Wie stark die Leistungs-Ausschläge nach wie vor sein können, dass eine Konstanz über mehrere Spiele hinweg nicht möglich ist, war sowohl in der Viertel- als auch in der Halbfinalserie gegen Oldenburg (3:2) und Frankfurt (3:2) zu sehen.
Nach der Installierung von Katzurin hatte das begonnen, was Baldi einmal „Wettlauf mit der Zeit“ nannte. Würde die Mannschaft unter dem israelischen Coach die Kurve kriegen bis zur entscheidenden Saisonphase? Das Finale ist – trotz aller Widrigkeiten – erreicht. „Das zu schaffen war gut und wichtig“, sagt Katzurin, „aber jetzt wollen wir natürlich auch den Titel gewinnen.“ Taylor spricht davon, dass die Mannschaft „über neun Monate lang hart gearbeitet hat, um an diesem Punkt zu sein. Jetzt müssen wir zugreifen“. Für den Trainer steht fest: „Niemand wird sich mehr an den Zweiten erinnern.“
Zurückgedacht wird auch nicht mehr allzu sehr an den 18. Dezember 2010, als Alba mit dem 52:103 in Bamberg die höchste Niederlage in der knapp 22-jährigen Klubgeschichte kassierte. „Das Spiel war aus unserer Sicht unwürdig und hat Spuren hinterlassen“, sagt Baldi. Danach war nichts mehr wie vorher. Pavicevic war nicht mehr unantastbar, die Welle mit Personalwechseln rollte los. Heyder erinnert sich noch an die Demontage Albas vor fünfeinhalb Monaten: „Das war keine Riesengenugtuung für uns, wir haben das nie überbewertet.“
„Ich spreche lieber über Dinge, die während meiner Amtszeit passiert sind“, möchte Katzurin nichts dazu sagen. Nur so viel: Bei einer Niederlage mit 51 Punkten Differenz „dürfte einiges nicht gestimmt haben“. Das Video von damals werde er sich allerdings nicht anschauen, hat er angekündigt: „Ich will nicht depressiv werden.“
Dann doch lieber das Video vom Rückspiel in Berlin am 26. März in der O2 World. Damals unterlagen die Berliner zwar auch, aber beim 93:97 trug die Mannschaft schon Katzurins Handschrift. Alba war auf Augenhöhe, führte lange, war aber am Ende nicht clever genug. Auch in dieser Hinsicht wollen sich die Berliner verbessert haben. „Wenn wir mit viel Intensität zusammenspielen, wissen wir, dass wir gut sind“, sagt Spielmacher Taylor Rochestie, dem zuletzt sein Kollege Heiko Schaffartzik etwas den Rang abgelaufen hat. Einige Spieler bei Alba haben, sieht man ihre Leistungen in den vergangenen Partien, noch Luft nach oben.
Vor allem, so fordert Marco Baldi, müsse die Mannschaft 40 Minuten lang hundertprozentig konzentriert sein. Gerade das, was dem Jahrgang 2010/2011 doch so schwer fällt. Vielleicht wäre auch das ein gutes Alba-Motto: „Gib Nachlässigkeiten keine Chance!“





