Play-off-Halbfinale

Alba will den Heimfluch besiegen

Von wegen Heimvorteil: In allen drei Halbfinal-Begegnungen zwischen Berlin und Frankfurt gewann die Auswärtsmannschaft. Damit es für das Endspiel reicht, muss Alba in der vierten Partie am Sonntag vor heimischem Publikum siegen.

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Zu Hause ist es doch am schönsten. Von wegen. Zumindest im Basketball scheint das nicht immer der Fall zu sein. Zu dieser Erkenntnis muss kommen, wer sich die bisherigen drei Partien in der Play-off-Serie zwischen Alba Berlin und den Skyliners Frankfurt anschaut. Frankfurt in eigener Halle – verliert. Alba in der O2 World – verliert, Frankfurt erneut in der Ballsporthalle – verliert wieder. Entsprechend steht es in der „Best of five“-Halbfinalserie 2:1 für Berlin. Dass der Heimvorteil nicht zu einem Fluch wird, dafür kann Alba am Montag (18 Uhr) in der Arena am Ostbahnhof sorgen: Ein Sieg fehlt noch, dann wäre erstmals seit drei Jahren wieder das Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft erreicht. Gäbe es daheim erneut eine Pleite, käme es am kommenden Donnerstag in Frankfurt zum Showdown im fünften Spiel.

Es ist alles angerichtet für einen großen Basketball-Abend. In der Halle dürfte es ziemlich voll werden (bis Freitag wurden bereits 12.000 Tickets abgesetzt), und Albas Spielmacher Taylor Rochestie verspricht: „Wir müssen den Heimvorteil wieder zu dem machen, was er eigentlich ist, und ihn nicht noch einmal so nachlässig vergeuden.“ Die Fans hätten es in dieser Serie verdient, „auch einmal bei einem Heimspiel etwas zurückzubekommen.“

Zahlen zeigen Interessantes in Sachen Heimvorteil. Von den zehn Niederlagen in der Punkterunde erlitt Alba zwar lediglich drei (gegen Artland, Bonn und Bamberg) in der O* World, bei 14 Siegen. Seit der Saison 2003/2004 stehen im Play-off allerdings 22 Siegen immerhin 14 Niederlagen gegenüber. Auch in dieser Spielzeit gab es in den bisherigen vier Play-off-Heimspielen gegen Oldenburg und Frankfurt sogar nur zwei Alba-Siege.

Insgesamt fällt auf, dass es im Play-off relativ viele Auswärtssiege gibt. In der vergangenen Spielzeit schieden die ersten vier Teams nach der Punkterunde (Oldenburg, Berlin, Göttingen, Bonn) überraschend bereits im Play-off-Viertelfinale aus. Der Heimvorteil nutzte ihnen nichts. Auf die Spitze trieben es in der Saison 2003/2004 Franfurt und Bamberg in der Finalserie. So etwas gab es bis heute nur einmal: Die ersten vier Partien wurden immer von der Gastmannschaft gewonnen. Erst im fünften Spiel setzten sich – daheim – die Skyliners durch und wurden Meister. Sollte Alba heute verlieren, müsste am Donnerstag ein bisher noch nie dagewesenes Kunststück gelingen – ein fünfter Auswärtssieg hintereinander in einer Serie.

Albas Teammanager Mithat Demirel sieht die vielen Auswärtssiege in der „Leistungsdichte der Mannschaften“ begründet, „sie haben genug Qualität, um auch auswärts zu gewinnen.“ Natürlich seien Heimspiele bei den Profis beliebter, nicht nur, weil man im eigenen Bett schlafen kann. Reisestrapazen entfallen, auch die Unterstützung der Fans ist natürlich eine ganz andere. Was kontraproduktiv sein kann. „Zu Hause kann sich auch auswirken, dass man dem eigenen Publikum etwas Besonderes bieten will. Da liegt zunächst mal mehr Druck auf den Gastgebern. Wehe, es läuft nicht richtig an…“

Ein wenig, so sinniert Demirel, könne es sich auch auswirken, „wenn man gerade das Spiel zuvor gewonnen hat. Man fühlt sich ganz wohl, weil man ja etwas Schwieriges geschafft hat.“ Es kann ein Gefühl von trügerischer Sicherheit aufkommen. Läuft dann auch noch alles sehr gut, wie bei der Heimniederlage in Spiel zwei drei Viertel lang, „vergisst man, dass man das Spiel auch noch zu Ende bringen muss.“

Wie oft im Sport wird viel im Kopf entschieden. Das sieht auch Rochestie so. „Auswärts bist du immer Außenseiter“, sagt der US-Amerikaner. „Gerade in der Serie gegen Frankfurt scheinen beide Mannschaften das extrem verinnerlicht zu haben.“ Mit besonders großem Engagement und Einsatz wurde es geschafft, diesen scheinbaren Nachteil aufzuwiegen. „Das hat dazu geführt, dass bisher die Gästeteams jeweils mit mehr Energie als das Heimteam gespielt haben.“ Er fordert: „Uns muss klar sein, dass der Heimvorteil nichts ist, worauf man sich ausruhen kann.“

Ein Paradebeispiel für optimal genutzten Heimvorteil gibt Titelverteidiger Bamberg ab, der gestern bei den Artland Dragons 59:75 verlor und ins fünfte Spiel muss. Zum Glück für die Franken daheim. In 23 Saisonspielen in der Liga und im Pokal gab es in der „Stechert Arena“ bisher 23 Siege.