Es droht, dass die Basketballer von Alba Berlin das Play-off-Motto ihres Klubs „Das Beste zum Schluss“ allzu wörtlich nehmen. Jedenfalls vergaben sie im Viertelfinale gegen Oldenburg den ersten Matchball. Noch führen sie nach der 86:99-Heimniederlage in der „Best of five“-Serie mit 2:1 und haben am Dienstag (20.45 Uhr) auswärts die nächste Chance, den Einzug ins Halbfinale klar zu machen. Verlieren sie dort erneut, wäre am kommenden Sonntag in einem fünften und entscheidenden Spiel endgültig Schluss, und spätestens dann könnte alles andere als das Beste das Aus bedeuten.
Taylor Rochestie weiß um die Gefahr einer Alles-oder-Nichts-Partie und will ein „fünftes Spiel unbedingt vermeiden. Wir wissen jetzt, wie gut sie sind und werden versuchen, den Fall in Oldenburg zu erledigen“, sagt Albas Spielmacher, der auch schon einen Plan hat, wie das Unternehmen anzugehen ist: „Individuell steigern und einander helfen.“
Die Verteidigung war nicht da
Das könnte ein viel versprechender Vorsatz sein, denn beim vergebenen Matchball, der ersten Saison-Niederlage gegen Oldenburg im bereits fünften Spiel, waren weder er noch Julius Jenkins, Heiko Schaffartzik oder auch Immanuel McElroy in der Lage, Eddie Gill (27 Punkte) und Ricky Paulding (24) auf dem Weg zum Korb zu stoppen, was Geschäftsführer Marco Baldi mit einem knappen „Das geht nicht!“ kommentierte. Coach Muli Katzurin, erzählte Baldi, habe der Mannschaft schon in der Halbzeitpause gesagt, als diese noch 51:46 führte, dass es „sehr schwierig“ würde, wenn es so weiter ginge. Katzurin („Unsere Verteidigung war nicht da.“) bemängelte in der Kabine die 46 Punkte, die seine Mannschaft in den ersten 20 Minuten zugelassen hatte. Vergebens, in der zweiten Halbzeit kassierte Alba sogar 53. Gegen eine Mannschaft wohlgemerkt, die Alba, auch als das Team in der Krise war, bereits viermal in dieser Saison bezwungen hatte. Warum also nicht auch im dritten Viertelfinale, in dem Alba die Serie hätte beenden können?
„Im Play-off musst du jedes Spiel so spielen, als wäre es das letzte“ erklärt Baldi. „Oldenburg hat es gemacht, weil es ja auch tatsächlich das letzte hätte sein können. Wenn du denkst, es läuft schon irgendwie, dann ist es schon passiert.“ Alba hatte schon vor Beginn des Play-off von Oldenburg mit großem Respekt von einem „Qualitätsteam“ gesprochen, „das noch nicht zusammen gekommen ist. Wir haben ihnen erlaubt, dass sie zusammen gefunden haben, und jetzt wird’s sicher schwieriger.“
Im zweiten Spiel, beim 80:77 am vergangenen Mittwoch in Oldenburg, hatte Alba ebenfalls schon durch eine 4:20-Serie eine solide Führung verspielt, sich dann aber noch durchgewurschtelt. Drei Tage später führten die Berliner wieder schnell mit 26:16 (7.). Prompt stellte sich ein kollektives „Wird-schon-irgendwie-laufen-Gefühl“ ein. „Jeder hat wohl gedacht, dass es so läuft wie in Oldenburg“, sagt Sven Schultze, „da haben wir sie im Griff gehabt, dann sind sie trotzdem in Führung gegangen, und wir haben dann die Kurve noch gekriegt. Jetzt wollten es die Oldenburger noch mehr, und es hat nicht geklappt.“
Baldi wil nicht jammern
Der Satz „So ist das im Play-off“ ist von Baldi und Schultze an verschiedenen Orten und zeitversetzt wortgleich zu hören. „Jetzt zu jammern“, brächte gar nichts, gibt Baldi die Richtung vor: „Wir führen in der Serie noch 2:1 und brauchen noch einen Sieg. Wir steigen jetzt in den Bus nach Oldenburg, und die erste Möglichkeit, den zu holen, ist immer die beste.“
Findet auch Schultze: „Wir haben vielleicht ein wenig zu hochnäsig gespielt, und diese Hallo-Wach-Niederlage war bestimmt ganz gut, damit wir mit mehr Verbissenheit in das nächste Spiel geben. Wir jedenfalls wollen kein fünftes Spiel und fahren nach Oldenburg, um den Sack zuzumachen.“
Das Beste ist also schon vor Schluss gefragt, oder anders herum: Gelingt das Beste nicht, wäre der Schluss schmerzlich.





