Basketball

Bei Alba Berlin stimmt die Chemie

Zusammen sind sie stark: Bei Alba Berlin ist die Stimmung so gut wie seit langem nicht mehr. Vor allem schlechte Zeiten haben das Team zusammengeschweißt. Am Sonnabend können die Profis das Play-off-Halbfinale erreichen.

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Alba steht kurz vor Play-off-Halbfinale

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Heiko Schaffartzik verlässt das Spielfeld, sein Kollege Taylor Rochestie kommt ihm entgegengelaufen. Jeder legt den Arm um die Schulter des anderen, kurz tauschen sich die beiden Basketballprofis von Alba Berlin aus. „Hast 'nen guten Job gemacht“, sagt der eine. „Pass' besonders auf den Zehner auf, der versucht immer, dir ein Offensivfoul anzuhängen.“ So könnte der Dialog gelautet haben, bevor sich die beiden noch einmal abklatschen und Schaffartzik nach seiner Auswechslung auf der Bank Platz nimmt. Wo er von den anderen Berliner Spielern herzlich in Empfang genommen wird.

Erfolg über allem

Natürlich steht der Erfolg über allem, das ist auch beim Basketballteam von Alba so, das Samstagabend (18.30 Uhr, live bei Sport1) in der O2 World mit einem dritten Sieg im Play-off-Viertelfinale gegen die Baskets Oldenburg den Sprung ins Halbfinale schaffen kann. Und wenn der Erfolg da ist, ist alles leichter. Auch das Miteinander. Doch Tatsache ist auch, dass das Berliner Team in dieser Saison von einem Mannschaftsgeist beseelt ist wie schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Als in der Saison 2005/2006 der Kader aus Spielern wie Jovo Stanojevic, Quadre Lollis, Mike Penberthy und Demond Greene bestand.

Sicher, der Umgang der beiden Spielmacher Schaffartzik und Rochestie miteinander oder auch die herzlichen Umarmungen der Profis untereinander in der letzten Minuten vor Spielbeginn zeigen erst einmal nur die polierte Oberfläche. Doch darunter hat sich ein Team gebildet, in dem es stimmt. „Das sind alles korrekte Typen, wir mögen uns alle“, sagt Schaffartzik. Als einer, der schon in vielen Klubs war, weiß er, dass es auch anders sein kann: „Für mich ist das die erste Mannschaft, in der das so gut klappt, sonst gab es eigentlich immer einen, der nicht reingepasst hat.“

Die Spieler sind mittendrin im Profigeschäft, die Zeiten von „Elf Freunde müsst ihr sein“ sind auch hier längst vorbei. Und doch kann ein guter Teamgeist helfen, kann vielleicht sogar zum entscheidenden Punkt werden, der am Ende den Unterschied macht. Gerade wenn's schlecht läuft, steht eine gut funktionierende Mannschaft fest zusammen, kann sich der eine auf den anderen verlassen. Als „gutes Beispiel dafür“ nennt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi die turbulente Schlussphase beim 80:77 in Oldenburg am vergangenen Mittwoch.

Bankspieler sind hoch motiviert

„Jeder Spieler muss die Überzeugung haben, dass er mit der Gruppe erfolgreich sein kann“, sagt Baldi auch. Was bei Alba in diesem Jahr der Fall ist. „Es ist nicht einfach, als Profi die Balance zu finden zwischen deinem eigenen Ding und dem Spiel mit der Mannschaft“, gibt Bryce Taylor ehrlich zu. Doch wenn man das geschafft hat und sieht, dass auch die anderen ihre Ich-AG in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen, „kannst du Großes erreichen“. Rochestie drückt es scheinbar banal aus: „Basketball ist eben kein Individual-, sondern ein Teamsport.“

Es müssen aber auch die entsprechenden Charaktere zusammen kommen, die das verinnerlicht haben. „Das wächst aus sich heraus“, meint Baldi, „jeder muss es wirklich wollen, das kann man nicht oktroyieren.“ Vielleicht hat in dieser Hinsicht Alba mit der Zusammenstellung des Kaders auch nur Glück gehabt in dieser Saison. Zwar verschafft sich der Klub bei Verpflichtungen einen Eindruck, wie derjenige aber wirklich tickt, weiß niemand vorher so genau. „Bei uns gibt es jedenfalls keine Selbstdarsteller“, freut sich Taylor. „Tennisspieler“ nennt Baldi gern solche Leute, die eben die Mannschafts- mit einer Einzelsportart verwechseln. Leute, die vielleicht 40 Punkte machen, aber „nicht wirklich Teil des Ganzen sind, weil sie es gar nicht wollen“.

Große Bandbreite im Kader

Auch Trainer Muli Katzurin trägt sicherlich seinen Teil zur Team-Chemie bei. Auch wenn er sagt: „Das ist einzig und allein das Verdienst der Spieler.“ Indem er aber jedem das Gefühl gibt, ein wichtiger Teil der Gruppe zu sein („Der Bankspieler von gestern kann der Starter von morgen sein“), jedem Vertrauen entgegenbringt, tut er viel fürs Binnenklima. Mit Freude stellt er fest: „Keiner ist auf den anderen eifersüchtig.“ Das war nicht immer so bei Alba.

Es müssen ja auch nicht alle die dicksten Kumpels sein. Groß ist die Bandbreite in jeder Gruppe, so auch im aktuellen Alba-Kader. Da ist zum Beispiel ein Rochestie, der kurz nach seiner Verpflichtung Mitte Februar gleich bei einigen Mitspielern anrief, ob sie nicht Lust hätten, etwas mit ihm zu unternehmen. Oder andererseits ein Julius Jenkins, dem es eher nicht nach gemeinsamen Unternehmungen außerhalb von Spiel und Training dürstet. Beide kommen dennoch gut miteinander klar. Hinderlich ist auch nicht, dass außerhalb des Spielfeldes die Balkan-Fraktion, die US-Amerikaner und die deutschen Spieler zumeist unter sich bleiben.

Gemeinsam durch schlechte Zeiten

Wenn sich Heiko Schaffartzik mit seinem alten Kumpel aus Gießener Zeiten, Anton Gavel, unterhält, spricht man auch schon mal darüber, wie denn der Geist im jeweiligen Team ist. Gavel spielt jetzt die zweite Saison bei Meister Bamberg. Auch dort herrscht bekanntermaßen ein sehr gutes Klima. Chris Fleming, der Bamberger Coach, spricht diesen Punkt auf jeden Fall gleich an, wenn er nach dem Erfolgsgeheimnis seiner Mannschaft gefragt wird: „Die Spieler haben eine gewisse Selbstlosigkeit, sie sind bereit, für den Erfolg des Teams etwas zu opfern.“

Was die Alba-Spieler besonders zusammenschweißt: Sie sind gemeinsam durch schlechte Zeiten gegangen. Niederlagenserien, ein Trainerwechsel, mehrere Spieler-Rochaden. „Auch in dieser schweren Zeit haben sich alle als gute Typen erwiesen“, erinnert sich Yassin Idbihi. „Niemand hat da mit dem Finger auf den anderen gezeigt, jeder hat sich an die eigene Nase gefasst.“ Das hat alle geprägt.