Die Spieler von Alba Berlin völlig bedient, die Zuschauer fassungslos. Gejubelt wurde nur bei den Oldenburger Basketballprofis und ihren etwa 100 Fans unter den 10.733 Zuschauern am Samstagabend in der O2 World. Statt mit einem dritten Sieg das Play-off-Halbfinale (Best of five) zu erreichen, müssen die Berliner nach dem 86:99 (51:46) gegen die Baskets Oldenburg nun in Partie vier am Dienstag im Viertelfinale erneut auswärts ran. Noch steht die Serie 2:1 für die Berliner, die sich nie freispielen konnten und denen in der Schlussphase so gut wie nichts mehr gelang.

Bryce Taylor schüttelte nur mit dem Kopf: „99 Punkte im Play-off in eigener Halle bekommen, das ist eine Katastrophe.“ Er blickte schon voraus auf das nächste Spiel: „Jetzt kommt es auf unseren Siegeswillen an.“

Die Oldenburger „werden mit dem Mute der Verzweiflung gegen das Aus ankämpfen“, hatte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi vorher noch gewarnt. Doch anfangs machte es nicht den Eindruck, als wenn die Baskets wirklich noch daran glaubten, mit einem Sieg ein viertes Spiel erzwingen zu können. Alba begann konzentriert und konsequent. Vor allem Center Miroslav Raduljica benötigte keine Anlaufzeit. Zum 9:4 nach zweieinhalb Minuten hatte er allein sieben Punkte beigetragen, insgesamt waren es elf.

Bei 20:12 nahm Oldenburgs Trainer Predrag Krunic die erste Auszeit – er konnte überhaupt nicht zufrieden sein. Bis auf neun Zähler Differenz vergrößerte sich die Führung (25:16/7.). Doch danach kam ein Bruch ins Spiel der Berliner. Ob man sich zu sicher war? Auf alle Fälle schien die letzte Konsequenz zu fehlen. Als wenn die Spieler glaubten, es ginge ja auch so. Aber das war nicht der Fall. Denn die Baskets wollten sich nicht in ihr Schicksal ergeben. Hart gingen sie zu Werke, nach einer 4:13-Serie aus Alba-Sicht hieß es auf einmal 29:29.

Alba war in der Bredouille. Doch es gab Hilfe ausgerechnet von Oldenburger Seite, in Person von Krunic. Der Coach stand wild gestikulierend auf dem Feld und wurde von den Schiedsrichtern mit einem Technischen Foul belegt. Julius Jenkins nutzte das mit der Optimalausbeute von fünf Punkten. Kurze Zeit später foulte der Oldenburger Eddie Gill (bester Oldenburger Werfer mit 27 Punkten) Jenkins (bester Berliner mit 19 Zählern) – und wurde dafür mit einem Unsportlichen Foul bestraft. Wieder machte Jenkins aus dieser Situation fünf Zähler, kurz darauf war die Neun-Punkte-Führung wieder hergestellt (45:36/16.) Aber souverän war das nicht, was die Berliner zeigten. Die Partie war nicht schön anzusehen, dauernd gab es Unterbrechungen und Freiwürfe. Mit einer Fünf-Punkte-Führung (51:46) ging Berlin in die Kabine.

Alba startete schwach in die zweite Hälfte – 56:56 (22.). Auf dem Spielfeld ging es immer rustikaler zu. Schönes Spiel war nicht mehr angesagt, es zählte nur noch Kampf bis zum Letzten. Als Erster hatte das bei Alba wohl Yassin Idbihi (11) verstanden, der vorbildlich ins Getümmel vorneweg ging. Alba nahm den Kampf an, fand aber keinen Rhythmus: In der Defensive ließ man sich immer wieder von Oldenburg ausspielen, im Angriff fehlten oft die zündenden Ideen. Oldenburg war am Zug – und nach 27 Minuten hieß es 63:65. Katzurin hatte inzwischen auf Manndeckung umgestellt, hoffte so, den Fluss bei den Gästen stoppen zu können.

Die Oldenburger wirkten mit Gill und Rickey Paulding (24) souveräner. Alba lag zurück, kämpfte sich heran (80:80), machte aber in der entscheidenden Phase immer wieder dumme Fehler. Bei Alba ging nichts mehr. Oldenburg schlug zu: 80:94, als noch 55 Sekunden zu spielen waren. Die Baskets hatten völlig verdient die Sensation geschafft.