Seit Beginn der Saison ist der ehemalige Alba-Profi Mithat Demirel (32) Teammanager beim Berliner Basketballteam. In seinen Verantwortungsbereich fallen unter anderem die Profimannschaft und gemeinsam mit Henning Harnisch die Betreuung von Albas umfangreichem Jugendprogramm. Auch ist er an der Verpflichtung von Spielern mit beteiligt. Demirel, verheiratet und Vater von Sohn Titus (3 Monate), musste im Frühjahr 2010 seine Karriere als Spieler beenden – nachdem er den Finger eines Gegenspielers ins rechte Auge bekommen hatte. Morgenpost Online-Redakteur Sebastian Arlt sprach mit dem ehemaligen Nationalspieler (Dritter bei der WM 2002 in den USA, Zweiter bei der EM 2005 in Serbien und Montenegro), der zwischen 1999 und 2007 exakt 100 Länderspiele bestritt. Im Trikot von Alba Berlin wurde er fünfmal deutscher Meister, holte viermal den Pokal.

Morgenpost Online: Herr Demirel, wie schlafen Sie zurzeit?

Mithat Demirel: Prima, danke der Nachfrage. Unser kleiner Sohn meint es gut mit uns, er ist ein zufriedenes Kind und lässt uns fast normal schlafen.

Morgenpost Online: Wir meinten das eher in Bezug auf Ihren Job als Teammanager bei Alba. Da dürften Sie in dieser Saison so manche schlaflose Nacht gehabt haben.

Mithat Demirel: Schlaflose Nächte? Das wäre übertrieben, natürlich denkt man viel nach. Das war aber als Spieler auch so: Egal, ob Sieg oder Niederlage – nach einem Spiel konnte ich sehr schlecht schlafen.

Morgenpost Online: Kein Wunder, dass Sie gegrübelt haben: Trainerwechsel im Januar, Spieler kamen und gingen, eine Niederlagenserie, immer wieder ein Auf und Ab, jetzt der Umschwung zum Guten – hätten Sie sich in Ihren kühnsten Träumen vorstellen können, dass Sie in Ihrem ersten Amtsjahr gleich mit dieser geballten Ladung konfrontiert sein würden?

Mithat Demirel: Ehrlich gesagt: nein. Ich hatte ja in den letzten Jahren teilweise im Ausland gespielt, da habe ich auch jede Menge Turbulenzen erlebt. Jetzt habe ich eben in einer anderen, umfangreicheren Position damit zu tun.

Morgenpost Online: Haben Sie schon mal bereut, den Job übernommen zu haben?

Mithat Demirel: Überhaupt nicht. Ich bin mit Herzblut dabei. Ich habe ja diese Herausforderung gesucht und musste nicht lange überlegen, als der Klub mit mir Gespräche geführt hat. Wobei auch klar ist: Ohne eine verständnisvolle Frau und ein verständnisvolles Umfeld wäre es schon sehr schwierig.

Morgenpost Online: In Ihren Aufgabenbereich fällt auch das Scouting, Sie sind stark eingebunden in die Rekrutierung neuer Spieler. In den vergangenen Jahren hat Alba nicht immer ein glückliches Händchen gehabt. Spieler wie Kenan Bajramovic, Jurica Golemac und zuletzt Hollis Price wurden sogar vorzeitig weggeschickt.

Mithat Demirel: Über die Vergangenheit möchte ich nicht reden, weil ich da noch nicht dabei war. Aber wichtig ist: Von uns, von der Leitung mit Geschäftsführer Marco Baldi an der Spitze, fließt das Basketball-Wissen mit ein. Aber es wird nie einem Trainer ein Spieler vorgeschrieben. Es werden nur Profis verpflichtet, die der Coach wirklich will. Das ist auch im Fall von Hollis Price so gewesen, den Trainer Luka Pavicevic wollte.

Morgenpost Online: Die Entlassung von Pavicevic war wohl das Spektakulärste in dieser bisher turbulenten Saison. Kam die Entscheidung des Klubs, es mit einem neuen Coach zu versuchen, nicht zu spät?

Mithat Demirel: Der Klub hat damals die Gefahr gesehen, dass die Ziele nicht erreicht werden. Wir haben ja nicht aus Panik reagiert, der Zeitpunkt war gut durchdacht. Aber es wäre unfair, nun Negatives über Luka Pavicevic zu sagen. Er hat drei Jahre mit dem Klub auf hohem Niveau gearbeitet, 2008 wurde Alba mit Luka Meister. Es ist jetzt auch nicht die Zeit, um zurückzuschauen, unser Blick muss nach vorn gehen.

Morgenpost Online: Bleiben wir bei Ihnen. Wie schwer fällt es Ihnen, sozusagen das Trikot mit dem Anzug getauscht zu haben? Keine Wehmut, nicht mehr selbst auf dem Parkett stehen zu können?

Mithat Demirel: Ich hätte sicherlich noch gern ein oder zwei Jahre länger gespielt. Aber nach meiner Augenverletzung war klar, dass ich es als Spieler nicht mehr so würde genießen können, wie ich es die ganzen Jahre genossen hatte. Da ich entsprechend stark eingeschränkt bin und die Ärzte mir obendrein auch noch empfohlen hatten, nicht mehr zu spielen, fiel die Entscheidung dann etwas leichter.

Morgenpost Online: Die Öffentlichkeit erinnert sich an den Spieler, kennt Sie als den stets freundlichen Mithat Demirel. Aber in Ihrer Funktion als Teammanager bei Alba sind Sie auch an harten Entscheidungen beteiligt, Sie können offenbar auch anders. Wie schwer fällt Ihnen das?

Mithat Demirel: Wichtig ist, auch wenn ich jetzt in einer anderen Funktion in der Verantwortung stehe, dass man sich nicht verbiegen lässt. Das würde ich nie machen. Ich werde immer der Mithat sein, aber natürlich im Interesse des Klubs handeln. Sicherlich gibt es immer Entscheidungen, die für den einen oder anderen nicht so einfach sind, auch für mich selbst nicht. Entscheidend ist aber, dass man offen und ehrlich bleibt und entsprechend miteinander umgeht. Das wird sich bei mir nicht ändern.

Morgenpost Online: Vor dem Bundesligaspiel daheim gegen Bamberg haben Sie überraschend scharfe Kritik an der Spielweise des Bambergers John Goldsberry geübt und damit die Stimmung noch weiter angeheizt. War das ein Zeichen für die neue Bissigkeit, die Alba jetzt als Jäger hat?

Mithat Demirel: Zuerst einmal ist es völlig legitim, so etwas zu sagen. Ich habe von sehr vielen Seiten Zuspruch bekommen, viele haben gesagt: Endlich spricht mal einer das aus, was eh jeder denkt. Aber richtig ist auch, dass wir in der Situation, in der der wir sind, attackieren müssen.

Morgenpost Online: Nicht nur auf dem Feld?

Mithat Demirel: Nein, nicht nur dort, auch außerhalb.

Morgenpost Online: Alba geht als Dritter ins Play-off, was kann das Team nach dieser turbulenten Saison erreichen?

Mithat Demirel: Wir haben zuletzt bei einigen Auswärtssiegen und trotz der Niederlage auch gegen Bamberg gesehen, zu was die Mannschaft in der Lage ist. Sie hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verbessert. Und wir wissen, wo wir uns noch weiter verbessern müssen. Doch ich sehe uns auf einem guten Weg. Jetzt ist wieder alles möglich.