In der Kabine von Hapoel Jerusalem hängt ein Plakat, das keinen der Profis des israelischen Basketballteams kalt lassen soll. „Wenn du das Trikot von Hapoel anziehst, dann streifst du dir auch die ganze Hapoel-Geschichte über.“ Noch mehr Emotionen sollen geweckt, noch mehr Motivation herausgeholt werden.

Die Spieler von Alba Berlin glauben zu wissen, was auf sie zukommt im ersten Viertelfinalspiel im Eurocup Mittwochabend (Beginn 18.30 Uhr) in der offiziell nur 2300 Zuschauer fassenden Malha-Halle. Mit Sicherheit werden aber Hunderte Fans mehr hineingepresst werden. „Wir müssen ruhig bleiben und die Nerven behalten“, sagt Center Adam Chubb.

Kapitän Julius Jenkins kann beurteilen, was in der Jerusalemer Halle los ist. „Die Atmosphäre ist unbeschreiblich. Es ist sehr, sehr schwer, dort zu spielen.“ Vor vier Jahren, als Jenkins noch für den belgischen Klub Bree spielte, schied er im Uleb-Cup-Achtelfinale gegen Hapoel in Jerusalem aus. „Wir schafften es nicht, unseren Vorsprung aus dem Hinspiel zu verteidigen“, erinnert er sich. Um so besser sei es jetzt, „dass wir erst in Jerusalem spielen und dann daheim alles klar machen können.“ Doch Geschäftsführer Marco Baldi warnt: „Es wäre fatal, schon ans Rückspiel zu denken.“

In den Hin- und Rückspielen des Viertelfinales werden die vier Teilnehmer am Final Four im nach der Europliga zweithöchsten europäischen Wettbewerb gesucht. Diese Endrunde findet am 17./18. April in Vitoria im Baskenland/Spanien statt. „Wir wollen unbedingt dahin“, sagt Baldi. „Oft hat man nicht die Chance, das zu schaffen.“

Jetzt sind die Berliner also nur noch zwei Spiele vom nach dem Gewinn des Korac-Cups 1995 zweitgrößten Erfolg in der Vereinsgeschichte auf europäischem Parkett entfernt. Allein durch den Einzug ins Viertelfinale (so weit kam in diesem Wettbewerb noch nie ein deutsches Team) hat Alba bereits viel fürs Renommee getan. „Doch wir sind noch nicht fertig“, sagt Sportdirektor Henning Harnisch.

Mut und Hoffnung gibt die Rückkehr von Spielmacher Rashad Wright, der sich vor zwei Wochen, beim Sieg in Badalona, eine Augenverletzung zugezogen hatte, gelasert werden musste. „Man hat gesehen, dass er uns fehlt, jetzt erwarten wir, dass er uns etwas Stabilität zurückbringt“, erklärt Harnisch. Stabilität, die zuletzt bei der überraschenden 70:76-Heimniederlage gegen Frankfurt fehlte.

"Die Fehler, die wir gegen Frankfurt gemacht haben, dürfen sich nicht wiederholen“, fordert Albas Cheftrainer Luka Pavicevic. „Wir benötigen in Jerusalem Geduld und Stärke.“ Wozu Hapoel fähig ist, zeigte sich beim 111:98 gegen Galatasaray Istanbul, als Jerusalem allein im letzten Viertel 44 Punkte erzielte. Baldi: „Die dürfen nicht ins Rollen kommen.“

Hapoel macht sich kleiner als das Team ist. „Die Chancen stehen 70:30 für Alba“, erklärt Hapoels Sportdirektor Gidi Dodi. „Die Berliner haben mehr Erfahrung.“ Ob das wirklich den Ausschlag gibt?

Zumindest hat es Hapoel zuletzt an Konstanz gemangelt. Großen Siegen im Eurocup standen Niederlagen gegen eigentlich klar unterlegene Gegner in der israelischen Liga gegenüber. Einer der Topscorer im Team mit im Schnitt 12,8 Punkten pro Spiel ist der US-Amerikaner Dijon Thompson, der einst bei Alba unter Vertrag stand, von dem man sich nach etlichen Undiszipliniertheiten im Frühjahr 2008 trennte.

Für Hapoel wäre ein Erfolg in Europa als Eigenwerbung besonders wichtig. Vor kurzem kündigte Hauptsponsor Guma Aguiar seinen Ausstieg zum Saisonende an. Jetzt werden in Jerusalem neue Geldgeber dringend gesucht.

Mitarbeit: hos