Die Spieler von Le Mans Sarthe scheinen Julius Jenkins nicht zu kennen. Oder jedenfalls nicht richtig. Ausgerechnet den besten Schützen von Alba Berlin foulten sie in der letzten Minute des ersten Zwischenrundenspiels um den Basketball-Eurocup viermal – viermal verwandelte der Amerikaner seelenruhig seine beiden Freiwürfe, was acht Punkte bedeutete. Der Versuch der Franzosen, dem Spiel mit Fouls noch einmal eine Wende zu geben, scheiterte kläglich, das Team von Trainer Luka Pavicevic setzte mit einem 68:63 (33:26)-Erfolg seine imponierende Siegesserie in Europa fort. Mit dabei war vor 3300 Zuschauern in der Antares-Arena der erst am Vortag verpflichtete Türke Cemal Nalga (22), der sogar schon zu den ersten drei Spielminuten für seinen neuen Verein kam.
Marschroute ging auf
Die Fehlerquote niedrig halten, sich von der aggressiven Verteidigung der als sehr heimstark bekannten Gastgeber nicht aus der Ruhe bringen lassen und nur nicht gleich einem Rückstand hinterherlaufen – das war die Marschroute der Berliner gewesen. Diese ging zumindest in zwei Punkten auf. Während der Tabellenführer der ersten französischen Liga hektisch von Ballverlust zu Ballverlust stolperte (neun in der ersten Halbzeit/17 insgesamt), hatte Alba seine Nerven besser im Zaum. Das einzige, was man den Berlinern anfangs noch vorwerfen konnte, war ihre mangelnde Treffsicherheit. Sonst hätten sie bereits zur Pause einen höheren Vorsprung gehabt.
Dass sie dennoch führten, lag vor allem an einem Spieler: Der Montenegriner Blagota Sekulic, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Adam Chubb auf der Centerposition jetzt zu viel längeren Einsatzzeiten kommt, stellte die Franzosen vor große Probleme. Seine 15 Punkte vor der Pause (insgesamt 20) und dazu acht von Julius Jenkins (am Ende 27) waren die halbe Miete für einen halbwegs komfortablen Vorsprung. Und auch der in der 15. Minute erstmals von Pavicevic eingesetzte Nalga sammelte seine ersten beiden Punkte im Alba-Dress.
Die Gäste erlaubten sich keine Schwächephasen, blieben auch im dritten Viertel hochkonzentriert und bauten ihren Vorsprung vor allem durch ihre starke Verteidigung bis zur 30. Minute auf 51:39 aus. Und wenn es einmal knapp zu werden drohte, trat Jenkins auf den Plan. Nicht nur seine Punkte am Ende, auch seine fünf verwandelten Drei-Punkte-Würfe raubten Le Mans den Nerv. Weitere wichtige Punkte im Schlussviertel steuerte Jurica Golemac bei. Souverän brachte Alba den Sieg über die Zeit, ohne die Franzosen noch einmal wirklich herankommen zu lassen.
Nalga: Vertrag bis Saisonende
Alba hatte den Türken Nalga am Tag vor dem Spiel bis zum Ende der Saison verpflichtet. „Nach der Verletzung von Adam mussten wir eine Alternative finden“, sagte Sportdirektor Henning Harnisch, „Cemal war ohnehin in Berlin und auf Vereinssuche, sodass wir schnell reagieren konnten.“ Die schnelle Reaktion hat dem 22-Jährigen gleich zu seinem ersten internationalen Einsatz in dieser Saison verholfen. Am Freitag bei Meister Oldenburg wird vermutlich schon der erste in der Bundesliga folgen. BM
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