Es ist ein eindrückliches Bild, mit dem Horst Heldt die derzeitige Lage bei Union Berlin beschreibt. „Wir operieren am offenen Herzen“, sagte der Geschäftsführer am Dienstagnachmittag. Der Fußball-Bundesligist hat sich bewusst für eine grundlegende Veränderung entschieden. Die Mannschaft soll variabler, mutiger und besser mit dem Ball werden – weg vom fast ausschließlich pragmatischen Fußball.

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Dass dieser Umbau Zeit benötigt und mit Rückschlägen verbunden sein würde, war den Verantwortlichen klar. Wie schmerzhaft diese ausfallen können, erlebten die Köpenicker nun erstmals in einem Pflichtspiel mit voller Wucht. Beim 0:4 in Leverkusen war Union über 90 Minuten chancenlos und musste mit ansehen, wie die Werkself die Partie nahezu nach Belieben bestimmte.

Union Berlin ging bewusst ins Risiko

Nach zwei Bundesliga-Spielen und einem Punkt ist die Lage noch lange nicht dramatisch. Das Bild, das die Berliner im Rheinland abgaben, war dennoch alarmierend. Der neue Ansatz mit Vierer- statt Fünferkette griff nicht. Offensiv entwickelte Union kaum Gefahr, defensiv bekam die Mannschaft keinen Zugriff.

Ich will so nicht verlieren, wir wollen so nicht verlieren. Das nervt.

Horst Heldt, Geschäftsführer Männer-Profifußball bei Union Berlin

Das 0:1 nach nicht einmal einer Minute habe den gesamten Spielplan früh zunichtegemacht, erklärte Heldt. Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte fiel das 0:3. Danach sei es nur noch darum gegangen, eine noch höhere Niederlage zu verhindern.

1. BL Bayer Leverkusen - 1. FC Union 2026/27
Ernüchterung nach dem Abpfiff. Unions Mannschaft steht nach der deutlichen Niederlage bei Bayer Leverkusen auf dem Rasen.© imago | Matthias Koch

Als Ausrede wollte der 56-jährige Geschäftsführer das nicht verstanden wissen. „Ich will so nicht verlieren, wir wollen so nicht verlieren. Das nervt“, sagte er. Die Verantwortlichen hätten das Spiel intensiv aufgearbeitet. Am Dienstag sei der Blick dann bereits auf die nächste Aufgabe gegen Schalke 04 am Freitagabend gerichtet worden (20.30 Uhr, Sky).

Horst Heldt hält den Kurswechsel für notwendig

Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass Union mit seiner Neuausrichtung bewusst ins Risiko gegangen ist. Der bisherige Fußball hatte den Verein bis in die Champions League geführt und zuletzt zweimal den Klassenerhalt gesichert. Nun soll die Mannschaft ihren Stil erweitern, obwohl das wichtigste Ziel unverändert besteht: der Verbleib in der Bundesliga.

Heldt hält diesen Schritt für notwendig. Die Gegner hätten sich zunehmend auf Unions Spielweise eingestellt. Die Berliner müssten deshalb lernen, Partien auch auf andere Weise für sich zu entscheiden.

Bewährte Stärken sollen erhalten bleiben

Dabei geht es nicht darum, alles über Bord zu werfen, was Union in den vergangenen Jahren erfolgreich gemacht hat. Defensive Stabilität, Zweikampfstärke und Standardsituationen sollen weiterhin wichtige Bestandteile des Spiels bleiben.

„Wir werden nicht den Sinn des pragmatischen Fußballs verlieren“, sagte Heldt. Union müsse aber zusätzliche Lösungen entwickeln. Die Mannschaft solle flexibler und weniger leicht auszurechnen sein. Das klingt nachvollziehbar, ist in der Praxis aber schwierig. Viele Spieler haben über Jahre einen anderen Ansatz verinnerlicht. Nun sind neue Abläufe und ein verändertes Denken gefragt. Ein solcher Prozess lässt sich nicht innerhalb weniger Wochen abschließen.

1. FC Union, Herren, Training 2026/27
Horst Heldt telefoniert mit gesenktem Blick – der Geschäftsführer trägt die Verantwortung für Unions riskanten Umbruch.© imago | Matthias Koch

Heldt betonte, dass Rückschläge unvermeidlich seien. Leverkusen war allerdings mehr als eine gewöhnliche Niederlage. Die Partie zeigte, wie weit Union noch von der gewünschten Spielweise entfernt ist, wenn ein Gegner das Tempo erhöht und die Berliner früh unter Druck setzt.

Heldt übernimmt Verantwortung für den Kader

Der sportliche Umbau ist eng mit der Transferpolitik verbunden. Auch dort hat Union Risiken in Kauf genommen. Besonders deutlich wird das im Angriff. Nach dem Verkauf von Ilyas Ansah und den Ausfällen von Andrej Ilic und Oliver Burke fehlt vorerst ein körperlich robuster Stürmer, der Bälle auch mit dem Rücken zum Tor festmachen kann.

Heldt bestätigte, dass Union nach einem passenden Angreifer gesucht habe. Eine bezahlbare Lösung, die den Kader sofort qualitativ verbessert hätte, sei jedoch nicht verfügbar gewesen. Nur zu handeln, um nach außen für Ruhe zu sorgen, wäre aus seiner Sicht falsch gewesen. „Ich bin ja nicht bei ‚Wünsch dir was‘“, sagte der Manager. Union verfüge über begrenzte Mittel. Der Klub müsse daher sorgfältig entscheiden, wofür er sein Geld ausgebe. Den Verzicht auf eine weitere Verpflichtung kann man als überlegt bezeichnen. Er bleibt dennoch ein Risiko.

Heldt übernimmt die Verantwortung dafür. Auf die Frage, wie groß sein Anteil an der Transferperiode sei, antwortete er: „Groß.“ Es gehöre zu seiner Aufgabe, Transfereinnahmen zu erzielen und zugleich einen Kader zusammenzustellen, der konkurrenzfähig bleibe. Deswegen gilt: Heldt steht nun ebenso in der Pflicht wie die Mannschaft – der eingeschlagene Weg muss bald erste Fortschritte erkennen lassen.