Rani Khedira hatte sein Trikot bereits gegen ein Aufwärmshirt getauscht. Während sich hinter ihm die Ränge der BayArena nach und nach leerten, stand der Kapitän von Union Berlin am Rand des Rasens und suchte nach Erklärungen für einen ernüchternden Nachmittag. Die zurückliegenden 90 Minuten hatten sichtbare Spuren hinterlassen. Khedira wirkte enttäuscht, redete den schwachen Auftritt aber nicht schön. „Das war eine Lehrstunde für uns“, sagte der 32-Jährige nach der auch in dieser Höhe verdienten 0:4-Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen.

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Ezequiel Fernandez traf nach nur 44 Sekunden zur Führung. Facundo Medina (28. Minute), Patrik Schick (48.) und Ibrahim Maza (66.) sorgten vor 29.629 Zuschauern für klare Verhältnisse. Während Leverkusen nach dem überraschenden 2:3 beim SV Elversberg die erhoffte Reaktion zeigte, wartet Union weiter auf den ersten Saisonsieg.

Der Hauptstadtklub verteidigte nicht kompakt genug, fand im Mittelfeld kaum Zugriff und blieb offensiv harmlos. Die Mannschaft von Trainer Mauro Lustrinelli konnte die spielstarken Gastgeber zu keiner Zeit ernsthaft unter Druck setzen.

Union Berlin: Frederik Rönnow verhindert höheren Rückstand

Der Nachmittag begann für die Berliner denkbar schlecht. Miguel Gutierrez brachte den Ball von der Grundlinie zurück in den Strafraum, Fernandez reagierte schneller als die Union-Verteidiger und schob aus kurzer Distanz ein. „Wir waren da und fokussiert“, sagte Khedira. Der frühe Rückstand sei „denkbar unglücklich“ gewesen. Zugleich räumte der Kapitän ein, dass die Besetzung im eigenen Strafraum nicht gestimmt habe.

Aljoscha Kemlein (1. FC Union Berlin) auf dem Platz während des Spiels gegen Leverkusen.
Aljoscha Kemlein war die Enttäuschung über den schwachen Auftritt deutlich anzusehen.© Marius Becker/dpa | Marius Becker

Leverkusen setzte sofort nach. Maza scheiterte in der sechsten Minute an Frederik Rönnow, der nach seiner Verletzungspause ins Berliner Tor zurückgekehrt war. Drei Minuten später parierte der Däne einen Kopfball von Schick aus kurzer Distanz mit einem starken Reflex. Die Köpenicker kamen anschließend etwas besser in die Partie, entwickelte aber keine Torgefahr. Wenn sich Union dem gegnerischen Strafraum näherten, dann meist nach langen Einwürfen. Bayer kontrollierte den Ball und ließ die Gäste laufen.

Das war eine Lehrstunde für uns.

Rani Khedira, Mittelfeldspieler von Union Berlin

Nach knapp einer halben Stunde fiel folgerichtig das 2:0. Schick köpfte nach einer Ecke zunächst an die Latte. Kurz darauf flankte Gutierrez auf Medina, der am Fünfmeterraum nahezu unbedrängt einköpfte. „Das zweite Tor ärgert mich noch mehr“, sagte Khedira. „Da haben wir es dem Gegner viel zu einfach gemacht. Unser Pressing war nicht gut genug.“

Zur Pause war Union Berlin mit dem Zwei-Tore-Rückstand noch gut bedient. Leverkusen hatte neunmal abgeschlossen, die Berliner nur einmal – und nicht auf das Tor.

Union verschläft auch den Start nach der Pause

Wer auf eine Reaktion der Köpenicker gehofft hatte, wurde schnell enttäuscht. Keine drei Minuten nach Wiederanpfiff legte Jarell Quansah von rechts in die Mitte. Schick schob unbedrängt zum 3:0 ein.

1. BL Bayer Leverkusen - 1. FC Union 2026/27
Trotz der deutlichen Niederlage unterstützen die mitgereisten Berliner Fans ihre Mannschaft auch nach dem Abpfiff.© imago | Matthias Koch

„Wir haben uns in der Kabine gepusht und gesagt: Wenn wir ein Tor machen, sind wir wieder dran“, berichtete Felix Uduokhai. Der Startelfdebütant nahm sich beim dritten Gegentreffer in die Verantwortung: „Da sehe ich auch nicht gut aus.“

Lustrinelli reagierte nach gut einer Stunde mit einem Dreifachwechsel. Am einseitigen Spielverlauf änderte sich nichts. Stattdessen erhöhte Maza in der 66. Minute auf 4:0. Nach einem Doppelpass mit Schick hatte er vor dem Strafraum zu viel Platz und traf sehenswert in die Ecke. Wenig später feierte Moussa Diaby unter lautem Jubel sein Bundesliga-Comeback für die Werkself.

Felix Uduokhai fordert mehr Cleverness

Leverkusen verwaltete den Vorsprung, ohne die Kontrolle abzugeben. Rönnow verhinderte eine noch höhere Niederlage. Offensiv blieben die Berliner bis zum Abpfiff weitgehend wirkungslos. „Wenn man Leverkusen so spielen lässt, wird es unheimlich schwer“, sagte Uduokhai. Union Berlin habe die Räume nicht geschlossen und sei nicht konsequent genug in die Zweikämpfe gekommen. „Leverkusen war klar besser und hat verdient gewonnen.“

Der 28-Jährige wollte die Qualität des Gegners nicht als Ausrede gelten lassen. „Nach dem frühen Gegentor ist Leverkusen ins Rollen gekommen. Da müssen wir dreckiger und cleverer spielen“, stellte Uduokhai abschließend fest.

Union Berlin muss im DFB-Pokal nach Köln

Am Samstagabend wurde zudem die zweite Runde des DFB-Pokals ausgelost. Union trifft auswärts auf den 1. FC Köln. Die Begegnung wird am 27. oder 28. Oktober ausgetragen.

„Wir freuen uns auf den Effzeh und werden die Aufgabe mit der nötigen Konzentration und dem entsprechenden Respekt angehen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die nächste Runde erreichen“, sagte Geschäftsführer Horst Heldt. In der ersten Runde hatte Union Eintracht Braunschweig 4:2 bezwungen.

mit bm/sid