Dirk Zingler trägt Schwarz an diesem Donnerstagvormittag: Hemd, Sakko, dunkle Jeans. Am Revers steckt eine kleine Nadel mit dem Emblem von Union Berlin. Sitzen bleibt der Präsident nicht lange. Immer wieder steht er auf, geht zum großen Wandbild und zeigt, was dort entstehen soll: das Stadion An der Alten Försterei und sein Umfeld, von oben gesehen – größer, moderner und doch unverkennbar Union.

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Seine Hand fährt über Tribünen, Wege und Gebäude. Er spricht über Tunnel, Nistkästen und Millionen. Über Baugenehmigungen und über das Geld, das dem Klub fehlt. Vor allem aber nennt der Mann, der Union seit 2004 führt, einen neuen Zeitplan für das größte Bauprojekt der Vereinsgeschichte.

Die Köpenicker verlassen die Alte Försterei erst im Winter 2027. Die letzte große Veranstaltung soll das Weihnachtssingen im Dezember sein. Danach spielen die Männer anderthalb Spielzeiten im Olympiastadion. Zurückkehren wollen sie zum ersten Spieltag der Saison 2029/30, also im Sommer 2029. „Das ist mit den Verantwortlichen des Olympiastadions schon besprochen“, berichtete der 62-Jährige.

Am Donnerstagabend informierte der Unternehmer auf der Mitgliederversammlung die anwesenden Union-Fans in der Alten Försterei über die veränderten Pläne.

Artenschutz verändert den Zeitplan von Union Berlin

Bisher wollte Union früher ausziehen. Dass der Klub länger in Köpenick bleiben kann, liegt vor allem an den Umwelt- und Artenschutzgutachten, die inzwischen vorliegen. Der Verein muss Ersatzquartiere für Tiere schaffen, bevor er Bäume fällen und Flächen räumen darf.

1. FC Union Berlin - Eintracht Frankfurt
Dieses Bild gehört bald der Vergangenheit an: die heutigen Tribünen der Alten Försterei.© picture alliance/dpa | Julius Frick

Verschwinden Nistplätze, muss Union ein Jahr vorher neue anbieten. Bäume darf der Klub nur im gesetzlich erlaubten Zeitfenster fällen, das im Herbst beginnt und Ende Februar endet. Daraus ergibt sich der neue Ablauf.

Von November 2027 an beginnen die ersten Arbeiten. Heimspiele und Weihnachtssingen finden trotzdem weiter in der Alten Försterei statt. Ausziehen will Union zum Jahresende. Der späte Start hat auch Vorteile, betonte Zingler. Reißt der Klub im Winter ab, verteilen sich die Betonarbeiten über das ganze folgende Jahr. Frost bremst den Bau dann seltener.

Wir orientieren uns nicht an anderen, wir orientieren uns nur an uns selbst.

Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin

Zugleich warnte Zingler davor, den Zeitplan für gesichert zu halten. Union hängt von Behörden, Genehmigungen und dem Bebauungsplan ab. Die Gutachten sollen im Herbst fertig sein. Der Verein will das Verfahren so gründlich vorbereiten, dass Klagen es später nicht mehr aufhalten. „Wir hängen lieber 30 Nistkästen mehr auf, als zehn zu wenig“, hielt er fest.

Tunnel unter dem Stadion – die Bauzeit wächst um ein halbes Jahr

Anderthalb Spielzeiten im Olympiastadion: So lange dauert es auch deshalb, weil Union die Pläne erweitert hat. Die Gebäude sollen unterirdisch zusammenwachsen. Vorgesehen sind Gänge für Technik und Betrieb zwischen dem Stadion, dem Trainingszentrum an der Hämmerlingstraße und der Parkgarage. Das treibt das Bauvolumen – und verlängert die Bauzeit um ein halbes Jahr.

Die offenen Ecken neben der Haupttribüne bleiben. Der Platz reiche nicht, und Flucht- und Verkehrswege ließen kaum eine andere Lösung zu, erläuterte der Präsident. Eine geschlossene Arena will Union ohnehin nicht. „Ich glaube schon, dass die Alte Försterei einmalig ist“, sagte Zingler. Andere Stadien seien keine Blaupause: „Wir orientieren uns nicht an anderen, wir orientieren uns nur an uns selbst.“

Mitgliederversammlung 1. FC Union 2026/27
Dirk Zingler sieht den Umbau als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit.© imago | Matthias Koch

Die neue Arena soll auch internationale Spiele tragen. In den älteren Entwürfen zählte diese Vorgabe weniger. „Wir bauen ein Stadion, das internationalen Ansprüchen genügt“, machte der Präsident deutlich. Die Pläne hätten sich geändert, „weil sich auch der Klub verändert hat“.

Platz für 40.000 – am ersten Spieltag für 34.500

An der Kapazität hält Union fest: 40.000 Zuschauer. Zur Eröffnung dürfen nur 34.500 kommen, weil die Betriebsgenehmigung zunächst weniger erlaubt. „Wir bauen ein Stadion für 40.000 und werden es am ersten Spieltag mit 34.500 füllen“, kündigte Zingler an. Grund sind die Verkehrs- und Fluchtwege. Auf einigen Tribünen bliebe anfangs mehr Platz zwischen den Besuchern, merkte er lächelnd an.

Ob die Nachfrage reicht, ist nicht die Frage. Sie übersteigt das Angebot schon heute deutlich. Beim Ausbau geht es deshalb weniger um Plätze als um Geld.

Sportstätten-Gelände der Arena des Stadion Olympiastadion in Berlin
Unions Ausweichquartier aus der Luft: das Berliner Olympiastadion.© picture alliance / ZB/euroluftbild.de | Dr. Gernot Krämer

Heute hat die Alte Försterei rund 18.000 Stehplätze und nur etwa 3000 Sitzplätze. Pro Karte nimmt Union deshalb so wenig ein wie kaum ein anderer deutscher Profiklub, rechnete Zingler vor. Sogar die SV Elversberg verdiene an einem Spieltag mehr als die Berliner. Die Atmosphäre und die vielen Stehplätze schätze der Klub. Wirtschaftlich aber werde die geringe Zahl teurerer Plätze zum Problem. „Auf Dauer sind wir so nicht wettbewerbsfähig“, stellte Zingler klar.

190 Millionen Euro – ohne öffentliches Geld

Stadion und Umfeld kosten Union nach eigener Rechnung rund 190 Millionen Euro. Zuschüsse bekommt der Klub nach Darstellung des Präsidenten nicht. Auch das Umfeld und einen Teil der Straßen und Wege muss der Verein selbst zahlen. „Die öffentliche Hand macht null“, bilanzierte Zingler.

Den Umbau nannte er die Bedingung für die sportliche Zukunft. Union müsse viel investieren – nicht um wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern um es überhaupt erst zu werden. Wirtschaftlich reicht der Klub trotz seines inzwischen achten Bundesliga-Jahres nicht an Schalke 04, den 1. FC Köln oder den Hamburger SV heran. Deren Spieltagseinnahmen liegen weit über dem, was in der Alten Försterei möglich ist. Aufschließen möchte Union deshalb zunächst zu Mainz 05, dem FC Augsburg oder dem SC Freiburg.

Wo die Frauen spielen, ist offen

Wo die Bundesliga-Frauen während des Umbaus antreten, hat der Verein noch nicht entschieden. Er prüft mehrere Standorte in Berlin. Die Entscheidung soll in sechs bis acht Wochen fallen.

Beim wichtigsten Ort ist die Richtung dagegen klar: Ende 2027 soll Union Berlin die Alte Försterei vorübergehend verlassen. Im Sommer 2029 möchten die Köpenicker zurückkehren – in ein Stadion, das größer, moderner und wirtschaftlich ertragreicher ist, aber noch immer unverkennbar nach Köpenick aussehen soll.