Im achten Spiel des Jahres hat es endlich geklappt. Union Berlin feiert mit einem 1:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen den ersten Sieg nach sieben Partien ohne Erfolg. Für die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart darf dies als Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt bezeichnet werden.

„Wir haben ein Spiel gesehen, gerade auch hinsichtlich der letzten Minuten, wo wir schon das eine oder andere Quäntchen Glück hatten“, sagte Baumgart erleichtert, „trotzdem muss ich sagen, haben sie sehr, sehr gut verteidigt.“ Der Coach sprach von einer „Abwehrschlacht“, die sein Team zu überstehen hatte, weil „wir natürlich um die Qualitäten des Gegners wussten“. 

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Gegen die Werkself ging es vor allem um Fehlervermeidung. Genau an diesem Punkt war Union in den vergangenen Wochen immer wieder gescheitert. „Das ist wie früher in der Schule, wenn der Lehrer sagt: Lernst du? – und du lernst nicht, ist es eine schlechte Note. Da brauchst du hinterher nicht mehr anzufangen. Dann ist es zu spät“, hatte Baumgart vor der Partie erklärt.

Haberer verletzt – Union Berlin muss früh wechseln

Ob es an den „Hausaufgaben“ lag, die der Trainer seinen Profis unter der Woche gegeben hatte, oder an den plötzlich fast schon frühlingshaften Temperaturen – Union taute auf. Dennoch war bei allen Beteiligten zu erkennen, wie groß die Anspannung wegen der Sieglosserie war.

Gerade in der Anfangsphase gab es viele Nickeligkeiten. Nicht nur einmal sah man Trainer Baumgart, aber auch Geschäftsführer Horst Heldt lautstark auf den vierten Offiziellen Konrad Oldhafer einwirken. Leider forderte der höchst intensive Beginn auch ein Opfer.

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Janik Haberer, der auf der rechten Seite für Kapitän Christopher Trimmel begann, musste nach elf Minuten mit einer Knieverletzung vom Feld. Bei seinem Foul an der Strafraumgrenze gegen Malik Tillman war der Leverkusener auf Haberers linkes Bein gefallen. Haberer sah für das Foul Gelb und wurde humpelnd vom Platz geführt. Trimmel ersetzte ihn.

Khedira düpiert beim Führungstreffer Ex-Unioner Andrich

Union war wach. Schon in der zweiten Minute hatte Andrej Ilic die Riesenchance zur Führung. Der Premierentreffer vor einer Woche in Hamburg (2:3) schien den Serben beflügelt zu haben. Ja, Union schien mehr denn je gewillt, die vergangenen Wochen vergessen machen zu wollen. Und als die Leverkusener Passmaschine gerade ins Rollen zu geraten drohte, schlug Union zu.

Ich hatte ein bisschen einen Zitterfuß, ob ich den Ball dann noch drüberlupfen kann.

Rani Khedira, Union-Torschütze

Rani Khedira erlief einen langen Ball von Aljoscha Kemlein. Im Zweikampf mit Ex-Unioner und Bayer-Kapitän Robert Andrich zeigte Unions Mittelfeldspieler seine ganze Cleverness. Mit einer geschickten Körperbewegung ließ er den Nationalspieler aussteigen: Sein anschließender Heber über Torwart Janis Blaswich hinweg zum 1:0 (28.) untermauerte, wie wichtig Khedira für diesen Union-Jahrgang ist.

„Gefühlt ist es schon tausendmal vorgekommen, dass Verteidiger und Torwart sich so ein bisschen uneinig sind“, umschrieb Khedira seinen fünften Saisontreffer. Entweder, so der Mittelfeldspieler, „es passiert ein Foul oder ich komme an den Ball. Von dem her hatte ich dann ein bisschen einen Zitterfuß, ob ich den Ball dann noch drüberlupfen kann.“

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Trotz einiger schludriger Momente in der Defensive war die Führung verdient. Andras Schäfer hätte kurz darauf beinahe noch erhöht (32.). Erst als die Pause nahte und Union auch ein wenig dem hohen Tempo Tribut zollen musste, kam der Champions-League-Teilnehmer ein bisschen auf. Die größte Chance zum Ausgleich hatte Alejandro Grimaldo per Freistoß (45.+4).

Union Berlin muss nach der Pause leiden

Diesen Mut, den die Köpenicker in der ersten Halbzeit zeigten, hatte man in den Wochen zuvor zu oft vergeblich gesucht. Der Auftritt gegen Leverkusen zeigte über weite Strecken, dass die Köpenicker offenbar vor allem aus der Niederlage in Hamburg gelernt haben. Wie in der Schule.

1. FC Union Berlin - Bayer Leverkusen
Rani Khedira, Mittelfeldspieler von Union Berlin, dirigiert seine Mannschaft gegen Bayer Leverkusen. © Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

„Leiden ist eine unserer Stärken“, hatte Mittelfeldspieler Kemlein wissen lassen. Genau dies mussten die Gastgeber auch nach dem Seitenwechsel – leiden. Die Leverkusener schalteten einen Gang hoch, doch Union ließ sich nicht locken. Glück kam dazu, als Abwehrchef Leopold Querfeld eine Hereingabe von Ibrahim Maza per Fußspitze unglücklich abfälschte. Doch das Knie von Torwart Frederik Rönnow rettete (51.).

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Entlastung gab es selten, so wie bei Ilics Kopfball nach 67 Minuten. Doch die Leidenschaft, mit der die Berliner sich allem entgegenwarfen, was Leverkusen auf das Tor zu bringen versuchte, war bemerkenswert. Jede Aktion wurde von den Rängen frenetisch gefeiert. Der Kopfball von Patrik Schick verfehlt aus fünf Metern sein Ziel (90.+1). Durchatmen bei Union. Dann war es vollbracht.