Elektronische Bauteile installieren, luftfahrttechnische Systeme in Betrieb nehmen und testen: dies sind wichtige Tätigkeiten in Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie. In diesem hochtechnisierten Bereich der Hersteller- und Wartungsbetriebe arbeiten Fluggerätelektroniker. Die dreieinhalbjährige Berufsausbildung ist jetzt auf den aktuellen Stand gebracht worden. Zusammen mit den Fluggerätmechanikern sei die Modernisierung der dualen Ausbildung in der neuen Berufsgruppe „Luftfahrttechnische Berufe“ damit auch abgeschlossen, informiert das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Um in einem der beiden Berufe arbeiten zu können, ist eine spezielle Lizenz erforderlich. Bisher wurden die notwendigen Inhalte zum Erwerb dieser CAT A-Lizenz, die zur technischen „Freigabe“ eines Fluggeräts wie Flugzeug oder Hubschrauber berechtigt, durch Weiterqualifizierungen in Berufsschulen oder anderen Bildungsträgern erworben. Der Lizenzerwerb war mit zusätzlichen Kosten und hohem Zeitaufwand verbunden. In den neuen Ausbildungsordnungen sind diese Kenntnisse nun integraler Bestandteil. Beide Berufe sind zukünftig durch acht gemeinsame Ausbildungsabschnitte verbunden.
Messen und analysieren
Zu den typischen Arbeiten der Fluggerätelektroniker gehört das Messen und Analysieren von elektrischen Funktionen und Systemen. Differenziert und auf den jeweiligen Beruf speziell zugeschnitten wird daher die jeweilige Ausbildung in Qualifikationseinheiten der Elektrik, also der Elektrotechnik außerhalb des Fluggeräts, und der „Avionik“, das heißt der Gesamtheit der elektrischen und elektronischen Geräte an Bord eines Fluggeräts.
Eine neue Anforderung für Fluggerätelektroniker ist es, die „Rolle der nationalen und internationalen Luftfahrtbehörden“ zu beachten. Mit dem Abschluss der Ausbildung erhalten die Absolventen wie bisher die „Befähigung als Elektrofachkraft“. Im Vorjahr wurden 117 neue Verträge für eine Ausbildung als Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme abgeschlossen, darunter knapp zwölf Prozent von Frauen. Die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung lag 2012 bei 911 Euro pro Monat, ansteigend von 843 im ersten auf 1007 Euro im vierten Lehrjahr.
Im Anschluss an die Ausbildung stehen den Fluggerätelektronikern vielfältige Aufstiegs- und Weiterbildungswege offen. Sie können sich zum Beispiel zum Geprüften Prozessmanager Elektrotechnik ausbilden lassen.
Abschied vom Weinküfer
Der technische Fortschritt macht auch vor der Jahrtausende alten Tradition der Weinherstellung nicht Halt. Das Herstellungsverfahren von Wein und Weinerzeugnissen wurde aufwendiger und mehr und mehr hochtechnisiert. Dazu sind gut ausgebildete Spezialisten erforderlich.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat das Berufsbild des Weinküfers modernisiert und ihm dabei mit der neuen Bezeichnung Weintechnologe einen zeitgemäßen Namen gegeben. Mit der Novellierung der dreijährigen Ausbildung wird die alte Verordnung des Weinküfers abgelöst.
Weintechnologen überwachen und steuern die Gärprozesse, filtern Hefe und Trübstoffe aus dem jungen Wein und füllen ihn später in Flaschen ab. Dazu müssen sie technische Einrichtungen, Anlagen und größere Maschinen einrichten, bedienen und warten. Den fertigen Wein prüfen sie auf Geschmack, Farbe und Bukett, lagern ihn fachgerecht und bereiten ihn zum Versand vor. Auch die Vorstellung der Produkte im Rahmen von Weinproben sowie der Verkauf und die Mitwirkung an der Kellerbuchführung gehören zur Tätigkeit.
Die modernisierte Ausbildungsordnung berücksichtigt neben Neuerungen in diesen Bereichen auch die Vergrößerung der Produktpalette von Glühwein bis Prosecco und die damit verbundene Spezialisierung vieler Weinherstellungsbetriebe.
Die Ausbildung zum Weintechnologen erschließt vielfältige berufliche Aufstiegsmöglichkeiten in der Weinwirtschaft, wie beispielsweise zum staatlich geprüften Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft, zum staatlich geprüften Wirtschafter oder zum geprüften Agrarbetriebswirt. Auch eine Weiterbildung zum Kellermeister ist möglich. Außerdem kann unter gewissen Voraussetzungen ein Fachhochschul- oder Hochschulstudium im Bereich „Weinbau und Oenologie“ aufgenommen werden.
Orthopädietechnik lernen
Eine neue Ausbildungsordnung gilt auch für den Orthopädietechnik-Mechaniker. Immer mehr Menschen mit vorübergehenden oder ständigen körperlichen Beeinträchtigungen benötigen orthopädietechnische Unterstützung. Der Bedarf an Rehabilitationsmitteln und Prothesen steigt bei älteren wie auch jüngeren Menschen, und die fachgerechten Lösungen werden immer komplexer. Das BIBB hat die Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker an aktuelle Anforderungen angepasst.
Orthopädietechnik-Mechaniker konstruieren, bauen und passen orthopädietechnische Hilfsmittel nach Maßen der Patienten an und halten Prothesen, Orthesen und rehabilitationstechnische Geräte instand. Die Fachkräfte werden in Orthopädietechnik- und Rehabilitationswerkstätten sowie in Sanitätshäusern eingesetzt. Auch versorgen sie Patienten direkt in Krankenhäusern und im häuslichen Bereich.
Durch die Modernisierung und Neustrukturierung wird das Berufsbild den Anforderungen der Bereiche Prothetik, individuelle Orthetik und individuelle Rehabilitationstechnik gerecht, indem entsprechend differenzierte Schwerpunkte über ein halbes Jahr zum Ende der Ausbildung geschaffen wurden. Zudem wurde die vormalige Ausbildungszeit von dreieinhalb Jahren auf drei Jahre reduziert. 2012 wurden in diesem Beruf 462 neue Ausbildungsverhältnisse registriert.
Die modernisierte Ausbildung eröffnet vielfältige berufliche Wege im Gesundheitswesen. Mit einer Weiterbildung zum Orthopädiemechaniker- und Bandagisten-Meister ist der Grundstein für eine selbstständige Ausübung des Handwerks gelegt. Zudem besteht die Möglichkeit, im Anschluss ein Studium im Bereich der Medizintechnik aufnehmen.
Zuständig für Solaranlagen
Modernisiert wurde auch die Ausbildungsordnung des traditionsreichen Klempner- oder Spengler-Berufes. Handwerker restaurieren Kupferdächer von Kirchen, aber sie sind auch zuständig für Solaranlagen auf dem Einfamilienhaus. Entwicklungen wie die Anwendung nachhaltiger Energietechniken und eine Verstärkung der Kundenorientierung prägen die neue Ausbildungsordnung. Zudem sind der Wissensstoff umfangreicher und die zu erlernenden Techniken vielseitiger geworden.
Futuristische Bedachungen und Fassaden aus neuen Materialien und Werkstoffen dominieren immer stärker die Funktion von Gebäuden. Insbesondere die Fertigungs-, Montage- und Abdichtungstechniken haben sich stark gewandelt.
Der Denkmalschutz stellt bei der Restauration von Kulturobjekten in der Regel hohe Auflagen: Stilrichtungen müssen beibehalten werden. Wer moderne Blitzschutzanlagen installieren muss, sollte über ein elektrotechnisches Grundverständnis verfügen. Klempner müssen sich heute auch mit neuartigen Belichtungs- und Belüftungssystemen auf dem Dach und der Fassade auskennen. Ihre Aufgabe ist es Energiesammler, Energieumsetzer, solarthermische und Fotovoltaik-Anlagen in die Dächer einzubinden.
Die tarifliche Ausbildungsvergütung lag im Vorjahr bei durchschnittlich 558 Euro pro Monat, bei einem Anstieg von 499 Euro im ersten auf 646 Euro im letzten Lehrjahr. Rund 400 Ausbildungsverträge wurden 2012 nach Informationen des BIBB bundesweit neu abgeschlossen. Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich vor allem in Handwerksbetrieben des Bauinstallationsgewerbes, wie beispielsweise Klempnereien und Dachdeckerbetrieben, aber auch in Fassadenbauunternehmen.





