Sina und Lisa: Wie und wann sind Sie zum Basketball gekommen?
Marco Baldi: Ich war schätzungsweise zwölf Jahre alt, habe in der Schule bei einem Turnier mitgemacht und hatte vorher noch nie Basketball gespielt. Dann hat mich jemand angesprochen, der fand, dass ich ganz gut gespielt hätte. Das war der Trainer des SKV Waiblingen. Und so habe ich dann auch regelmäßig in einem Verein gespielt.
Gehen Sie auch zu den Spielen der Alba Jugend?
Immer wenn es zeitlich passt. Das ist natürlich – wenn ich ehrlich bin – relativ selten. Wir sind am Wochenende mit den Profis meistens irgendwo in Deutschland unterwegs und wenn man dann mal hier ist, spielen wir auch zu Hause. Außerdem habe ich noch zwei Kinder, die ich ab und zu auch mal ganz gerne sehe.
Was wollten Sie als Kind werden?
Also kein Lokomotivführer, das steht fest. Ich wollte schon Sportler werden. Ich habe mich mit dem Laufen ein bisschen schwer getan und dann, das war in Italien am Strand, bin ich einfach aufgestanden und einem Ball hinterher gerannt. Ich konnte zwar noch nicht laufen, aber der Ball hat mich sozusagen dazu gebracht loszurennen. Das heißt, mich haben Bälle immer fasziniert und ich habe das auch immer bis zum Exzess betrieben und wollte immer Profisportler werden. War ich ja dann auch - mehr oder weniger - und jetzt ist es natürlich schön, dass ich meiner Leidenschaft im Management-Bereich treu bleiben kann.
Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Sehr unterschiedlich. Wir reisen sehr viel zu den Spielen und wenn wir nicht reisen, habe ich relativ viele Termine und Gespräche mit Kunden, Journalisten, Ligavertretern, unseren Mitarbeitern, unserer Mannschaft, unserer sportlichen Leitung usw. Jeder Tag ist relativ voll mit Terminen.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf und was weniger?
Was mir gefällt, ist gleichzeitig auch das, was mir weniger gefällt. Die schöne Seite ist, dass es kein Beruf ist, in dem viel Routine drin ist. Es ist ein Beruf, in dem permanent Neues passiert und wo man, wie das im Sport so üblich ist, immer direkt beim nächsten Spiel eine Quittung bekommt und sieht, wo man eigentlich steht. Es passiert immer etwas, man hat also immer ein positives oder negatives Ergebnis. Das ist etwas Schönes. Etwas Schönes ist auch, dass man mit ganz vielen Menschen der unterschiedlichsten Ebenen zusammenkommt. Die weniger schöne Seite ist, dass es kein Ende nimmt. Es ist kein Job, wo man ein Wochenende oder einen klassischen Feierabend hat. Es ist kein Job, wo man sich um private Dinge großartig kümmern kann. Es ist tatsächlich mehr eine Berufung als ein Beruf. Und wenn man das mit einer Konsequenz und Intensität machen möchte, dann muss man sich dem auch komplett verschreiben. Und das kann man nur, wenn man es liebt und ich liebe es.
Von 1979 bis 1987 waren Sie selbst als Spieler in der Basketball-Bundesliga und sind dann 1990 zu Alba gekommen, als Geschäftsführer. Was ist Ihnen lieber: der Job als Spieler oder der als Geschäftsführer?
Das sage ich zu unseren Spielern jeden Tag: Eine schönere Zeit als die als Spieler gibt es nicht. Denn man kann das machen, was man am allerliebsten macht, es gibt 1000 Leute die sich um einen kümmern: Trainer, Physiotherapeuten, Ärzte, die Geschäftsstelle. Alle Sorgen werden einem abgenommen, man steht immer im Mittelpunkt, alle freuen sich, wenn man kommt. Es ist natürlich auch ein stressiger und fordernder Beruf, man ist viel unterwegs, es ist auch körperlich relativ anstrengend, das alles darf man nicht unterschätzen. Aber als Spieler kann man das, was man am allerliebsten tut, nämlich Basketball spielen, zum Beruf machen und bekommt dafür Geld und Anerkennung.
Sie waren vor Kurzem mit der Mannschaft in der Türkei. Ist Ihnen da ein Spieler aufgefallen, von dem Sie denken: „Der ist es, der bringt jetzt den ganz großen Erfolg“?
Das Schwierige im Mannschaftssport ist doch, dass ein Team nur dann gewinnen kann, wenn es wirklich eine Einheit ist. Trotzdem gibt es ein Bedürfnis nach Stars, daran sind die Medien interessiert. Beides miteinander in Einklang zu bringen, ist schwierig. Das muss ein Trainer schaffen. Vielleicht habt ihr gerade die Europameisterschaft gesehen, wo Frankreich mit Toni Parker einen überragenden Spieler, einen Superstar hatte, der im Finale aber eigentlich nicht großartig aufgefallen ist. Da waren es eher die anderen Spieler. Und das ist es, was ein gutes Team auszeichnet. Dass mal der, mal der und auch mal ein ganz anderer gut drauf ist. Und dann von den anderen noch mehr gestützt wird als sonst, denn dann kann man gemeinsam erfolgreich sein. Ein gutes Team braucht nicht nur einen, sondern mehrere Spieler, die diese Möglichkeit haben und alle müssen bereit sein, füreinander einzustehen.
Lisa-Maria Riedel und Sina Marie Füting, Klasse 8.2, Lilienthal-Gymnasium, Lichterfelde





