Urlaub für einen Tag

Spreewald - durch das Labyrinth der Flüsse

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Der Spreewald bietet eine einmalige Naturkulisse und 1575 Kilometer lange Wasserläufe.

Foto: Glanze

Nur knapp 100 Kilometer muss man von Berlin aus Richtung Süden fahren, und schon befindet man sich inmitten einer einmaligen Flusslandschaft. Urlaub im Spreewald bedeutet zunächst einmal Natur pur. Die Eiszeit hat ein großflächiges Gebiet mit einem einzigartigen Labyrinth kleiner Flussläufe geschaffen. Diese Fließe sowie die üppigen Wälder und fruchtbaren Böden waren schon vor über 1000 Jahren Siedlungsgebiet kleiner slawischer Völkerstämme, die heute Sorben und Wenden heißen. Die Sprache, ihre Trachten und ihr Brauchtum sind im Spreewald weiter lebendig. Heute entdecken immer mehr Urlauber die faszinierende Kulturlandschaft, die man am besten bei einer Kahnfahrt erkundet. Die Wasserwege erstrecken sich über 1575 Kilometer, davon können 276Kilometer mit Booten befahren werden. Neben den organisierten Touren können Besucher überall auch Paddelboote und Kanus mieten und den Spreewald auf eigene Faust erobern.

Abseits der Gurkenmeile

Lübbenau ist einer der Hauptausgangspunkte für solche Flussfahrten. Hier hat Mario Weber 1994 einen kleinen Anlegehafen am Mühlenwehr gekauft und gleich daneben an der Färbergasse ein Haus mit Café und Restaurant errichtet. Das Restaurant ist inzwischen verpachtet, während er den kleinen Hafen selber betreibt. Weber ist stolz darauf, zu den kleineren Anbietern für Kahnfahrten zu gehören, die sich vom Trubel am großen Hafen mit der Probier-Gurkenmeile fernhalten. Er bietet zweieinhalb bis dreistündige Fahrten. „Naturrundfahrten – ohne Gurkenzauber“, wie er sagt. „Wir fahren nicht von Gaststätte zu Gaststätte.“

Ein Boot, das in Kürze von dem kleinen Hafen ablegen wird, ist bereits gut besetzt. Der 32 Jahre alte Fährmann Matthias Lehmann schätzt, dass sich allein in Lübbenau 250 bis 270 Fährleute das Geschäft mit den Ausflugsgästen teilen. Er selbst stakt seit zehn Jahren von März bis Mitte Oktober die Urlauber durch das verzweigte Wasserlabyrinth. Die Fahrt beginnt. Gelbe Teichrosen und Pfeilkraut gleiten im Wasser vorbei, dicht gewachsene Bäume schirmen die Kahnfahrer vor der sengenden Sonne ab, farbenprächtige Libellen fliegen tänzelnd vorbei, auf dem Uferweg staunen Radfahrer über Farne und Moos – im Spreewald kommt jeder auf seine Kosten. 1990 wurde diese außergewöhnliche Naturlandschaft zum Biosphärenreservat erklärt.

Von den 50.000 Spreewäldern leben 15000 vom Tourismus. Nach Angaben des Tourismusvereins Spreewald e.V. haben allein im vergangenen Jahr 5,1 Millionen Tagesgäste den Spreewald besucht, hinzu kommen 520.000 Übernachtungsgäste, die in der Regel zwei bis drei Tage bleiben. Unser Fährmann kommt jetzt so richtig in Fahrt. Was er denn im Winter mache, wollen die Gäste wissen. „Na, da besuchen wir die netten Frauen, die wir im Sommer kennengelernt haben“, sagt er lachend. Nein, im Ernst, weil der Tourismus so ziemlich die einzige Einnahmequelle im Spreewald sei, arbeite er im Winter auf Montage als Maurer.

„Diese Kahnfahrt ist immer wieder schön“, sagen Gerda und Michael Kempe aus Niedersachsen, die bei ihren Kindern in Berlin zu Besuch sind und heute einen Abstecher in den Spreewald machen. Sie sind Stammkunden beim Fährmann Matthias Lehmann. „Wir mögen die Tour“, sagen auch Antje und Klaus Hartmann, die aus Bad Nauheim angereist sind und keine Lust auf Rummel haben. Michael und Kerstin Franke aus Arnstadt bei Erfurt lieben ebenfalls „die Stille in der wunderbaren Natur“. Was der Fährmann während der Fahrt in unterhaltsamer Weise erzählt, finden alle interessant – beispielsweise, dass die Fließe im oberen Spreewald um Lübbenau herum nur 1,50 bis 1,80 Meter tief sind, und weiter nördlich im unteren Spreewald aber 2,50 bis drei Meter. Dort könne man auch gut mit Motorbooten fahren.

Zurück in Lübbenau. Die Altstadt ist hübsch herausgeputzt, sie bietet urige Kneipen und Cafés, auch etliche kleine Läden. Mit roten Geranien geschmückte Balkons und Laternen sorgen für einen freundlichen Eindruck. Andrea Pursche ist Touristikerin und arbeitet bei der Touristinformation Lübbenau. Die meisten Gäste kämen aus Deutschland, sagt sie, hauptsächlich aus dem Umkreis von Berlin und Dresden, aber auch Holländer, Engländer, Italiener und Spanier besuchen den Spreewald.

Das Thema Gurken ist im Spreewald nicht wegzudenken. Im denkmalgeschützten Spreewalddorf Lehde am Rande von Lübbenau befindet sich sogar ein Gurkenmuseum. „Das einzige in Deutschland“, wie Anja Geier, Empfangschefin in der Hotelanlage „Starick“, berichtet. Über 100 Jahre alte Gurkenfässer sind dort auf dem Gelände der einst größten Gurkeneinlegerei von Lehde zu besichtigen. Auch Familienrezepte zum Einlegen des Gemüses gibt es. Früher waren saure Gurken und Gewürzgurken üblich, heute gibt es zig Varianten: Pfeffer-, Chili-, Meerrettich-, ja sogar Honiggurken.

Mit Pinguinen tauchen

Lohnend ist auch ein Besuch des Schlosses Lübbenau. Es wurde 1817 von Karl Friedrich Schinkel auf den Grundfelsen einer alten Wasserburg erbaut. Wie der gesamte Ort, der sich seit 1621 im Besitz der Familie der Grafen zu Lynar befand, gehörte auch das Schloss bis 1945 zum Familienbesitz. Im Jahre 1992 wurde es an die Familie rückübertragen. Genauso wie die am Schloss gelegene Orangerie ist es inzwischen hübsch restauriert. In der Schlossanlage sind heute ein exklusives Hotel, das auch regelmäßig als Tagungsstätte genutzt wird, sowie zwei gut geführte Restaurants untergebracht.

Sollte das Wetter in Lübbenau für Unternehmungen an der frischen Luft einmal nicht mitspielen, können sich die Ausflügler im Spreewelten-Bad in der Lübbenauer Neustadt vergnügen. Der von außen eher unscheinbare Neubaukomplex hat es innen wirklich in sich: Das ehemalige Kristallbad verfügt über ein Wellenbecken, eine Riesenrutsche, einen Kinderwasserspielplatz und einen angegliederten Saunabereich. Die Hauptattraktion aber sind zwölf Humboldt-Pinguine. Steven Schwerdtner, Mitarbeiter in den Spreewelten, weiß, dass viele der 240000 jährlichen Badegäste wegen der Pinguine kommen. Nicht nur die Schaufütterungen zweimal am Tag im Becken (11 und 15.30 Uhr) sind gut besucht. Es gibt viele Besucher, die schauen als Erstes nach den Tieren, erst dann absolvieren sie ihr Schwimmprogramm.

Während die Pinguine übermütig ihre Kreise im 20 Grad warmen Salzwasser ziehen, schwimmen die Menschen im Außenbecken im 31 Grad warmen, ungesalzenen Wasser. Nur durch eine Glasscheibe getrennt, sieht es so aus, als ob nicht nur die Menschen interessiert sind: Die Pinguine schießen mit schnellen Bewegungen zur Scheibe, so, als wollten sie spielen. Kinder tauchen mit ihnen um die Wette. „Wenn keine Gäste da sind, ist es für die Pinguine langweilig“, sagt Schwerdtner.

Auch für den Saunabereich hat sich die Leitung etwas Besonderes einfallen lassen. Bildhauer Steffen Mertens zeigt im großzügigen Außenbereich seine Holzskulpturen, sodass die Saunagäste ganz nebenbei Kunst besichtigen können. „Nackt im Museum“ heißt die Aktion (bis Ende Oktober). Auch in den Saunen selber, die sich in lauter kleinen Häuschen im Spreewälder Baustil befinden, wird Kunst groß geschrieben. In einer Sauna werden zum Beispiel alte Sagen über Lautsprecher übertragen. Überall gibt es kleine Zonen, um sich zurückzuziehen – und damit sich der Kreis am Ende schließt: Sogar eine Gurkensauna, in der es herrlich nach Spreewälder Gurken duftet, kann man im Spreewelten-Bad finden.

Anreise und Infos

Anfahrt: Mit dem Auto aus Berlin auf der A13 bis Lübbenau. Mit dem Zug dauert die Fahrt vom Berliner Hauptbahnhof bis Lübbenau wegen Bauarbeiten momentan bis zu zwei Stunden (mit Umsteigen in Königs Wusterhausen oder Calau).

Gurkenmuseum: Auf dem Gelände der Hotelanlage „Starick“, An der Dolzke 4+6, 03222 Lübbenau-Lehde, geöffnet bis 31. Oktober von 10 bis 18 Uhr, Tel.: 03542/89990, Eintritt: zwei Euro, Infos: www.spreewald.com

Kahnfahrten: Kleiner Hafen am Mühlenwehr, Färbergasse 1–2, 03222 Lübbenau, Tel.: 03542/47766, www.kleiner-spreewaldhafen.de , 2- bis 3-stündige Touren, 8–10 Euro pro Person, Kinder die Hälfte. Paddelboote pro Tag und Person 10 Euro

Tourist-Information Lübbenau, Ehm-Welk-Straße 15, Tel: 03542/3668, www.spreewald-online.de , Infos auch über weitere Kahnfahrten-Anbieter.

Spreewelten, Alte Huttung 13, 03222 Lübbenau, So.–Do. 9 bis 22 Uhr, Fr. + Sbd. 9–23 Uhr, Eintritt Erwachsene (2 Stunden) 8,90 Euro für die Badewelt; Sauna und Bad: 13 Euro; Jugendliche (2 Stunden): 5,50 Euro Badewelt, 9 Euro Sauna und Bad, Kinder unter 6 Jahren: 2 Euro (beide Bereiche 6 Euro). Infos: www.spreewelten.de