Kleine Fluchten

Zwischen sieben Seen und drei Platanen

„Die Gegend ist ganz reizend“, schrieb schon Achim von Arnim über die hügelige Landschaft der Uckermark. Der Dichter war auch Gast in Suckow. Auf dem Gut genießen Gäste heute die Ruhe in der Natur.

Foto: Katja Gartz

Einige Gäste sitzen auf der Terrasse und lassen sich den hausgebackenen Apfelkuchen schmecken. Auf dem Parkweg düsen zwei Mädchen auf einem Gokart vorbei. Mancher macht es sich auf einem der Liegestühle am Haussee bequem. Da kommt Joachim Schmidt auf einem Klapprad angefahren und begrüßt vor den Stufen neben der Wiese seine neuen Gäste, um sie anschließend durch Gut Suckow zu führen.

Mit Begeisterung erzählt Schmidt von dem Wassergraben, der den 15 Hektar großen Park umschließt, von der ehemaligen Pagode, von der nur die Grundmauern und eine Säule übriggeblieben sind, und den Überresten der Brunnen, aus denen heute wieder wie einst das Wasser sprudelt.

Gespeist werden sie aus einem im hinteren westlichen Teil des Parks gelegenen Quellgebiet mit Gefälle. Wer den Weg bei den Quellen noch ein Stück nach oben geht, steht vor der großen Grabstätte eines Familienzweigs der von Arnims, die bis 1945 auf Gut Suckow lebten.

Am Ufer des Haussees vorbei geleitet Schmidt seine Gäste auf die andere Seite des Parks. Hier stehen die Prachtstücke des Gutes: Drei riesige rund 300 Jahre alte Platanen, die in diesen Breitengraden selten sind. Sie breiten ihre kraftvollen Äste zu allen Seiten aus und sorgen im Sommer für beliebte Schattenplätze.

Es waren auch diese drei Bäume, die Joachim Schmidt faszinierten und sein Interesse an Gut Suckow weckten. Häufig trieb es ihn und seine Frau Karoline in die seenreiche, leicht hügelige Landschaft der Uckermark nördlich von Berlin. Als auf dem Gut die letzten Mieter ausgezogen waren und es 2005 zum Verkauf stand, griffen sie zu.

Ausstieg aus der Tretmühle

Zu der Zeit war der Apotheker Joachim Schmidt schon seit vielen Jahren in der Pharmaindustrie tätig. Er sehnte sich nach einem Ausstieg aus der Tretmühle zwischen Besprechungsraum und Flugzeug und wollte etwas Neues wagen. „Ich wollte wieder mehr draußen sein und die Jahreszeiten erleben“, sagt der 51-jährige Gutsbesitzer.

Bis die ersten Gäste die Zimmer mit eleganten Tapeten im alten englischen Stil in warmen Rot, Grün- und Blautönen und mit Böden aus Eichenparkett beziehen konnten, dauerte es noch acht Jahre.

Der verwilderte Park musste aufgeräumt, Bäume gefällt und tonnenweise Schutt abgetragen werden. Die Nebengebäude wurden hergerichtet, und das Haupthaus, das ehemalige Inspektorenhaus, denkmalgerecht saniert und mit Antiquitäten möbliert. Eine Betontreppe aus DDR-Zeiten ersetzten sie durch eine aus Holz.

Im Haus war aus den Zeiten der von Arnims nichts erhalten geblieben, erinnert sich Schmidt. Der Kachelofen im Foyer und die alten Fliesen stammen aus Abrisshäusern in Binz und Berlin.

Die von Arnims besaßen zahlreiche Gutshöfe und Schlösser in Brandenburg und allein mehr als ein Dutzend in der Uckermark. „Die Gegend ist ganz reizend, sehr bunt, hügelig, von Büschen und Seen unterbrochen, wie ein Kindergarten“, beschrieb Achim von Arnim im Juli 1809 diesen Landstrich in einem Brief an seine Frau Bettina.

Eine Hecke als grünes Denkmal

Der Dichter war auch Gast in Suckow, einem Gut mit einem Schloss, das im 17. Jahrhundert im barocken Stil gebaut wurde. Damals bewunderten die Gäste die große Anlage, die vielen Zimmer und den Salon mit venezianischen Ölbildern. Das Schloss brannte 1945 ab, übrig geblieben sind nur noch die Fundamente und die Stufen im Park.

Die Schmidts pflanzten als grünes Denkmal eine Hecke, die heute noch die Größe des Schlosses erkennen lässt. Der Nordflügel des Schlosses, das ehemalige Inspektorenhaus, und der Marstall sind erhalten geblieben. Zu DDR-Zeiten wurde die Anlage landwirtschaftlich genutzt. Eine Maschinen- und Traktorenstation befand sich in den Nebengebäuden.

Mithilfe von EU-Fördermitteln, die an die Auflage gebunden waren, neue Arbeitsplätze zu schaffen, setzten die Schmidts Gut Suckow wieder instand. Im März 2013 war es dann endlich so weit, und die ersten Gäste wurden willkommen geheißen.

Badehaustradition lebt wieder auf

Auch die Badehaustradition herrschaftlicher Parks früherer Zeiten wurde wieder aufgegriffen. In Suckow stand ehemals ein Badehaus auf Pfosten aus Eiche im See unter einer alten Esche. Die Reste der Stützkonstruktion ragen heute noch aus dem Wasser. Die neuen Besitzer ließen sich jedoch von der japanischen Badekultur inspirieren.

„In den vergangenen Jahren waren wir häufig in Japan und haben dort die Schönheit und Schlichtheit von Gebäuden, deren ausgeglichene Gestaltung und ruhige Ausstrahlung bewundert“, sagt Joachim Schmidt.

Das errichtete japanische Badehaus besitzt mehrere Saunen und Ruheräume und einen großen Raum mit Kamin und Blick auf den Haussee. Nach der Sauna in den frischen See zu springen, gehört für viele Gäste zu den schönsten Seiten, die das Gut zu bieten hat. Stärken können sie sich anschließend im Restaurant mit Gerichten feiner regionaler Küche.

Zwischen Prenzlau und Angermünde, einen Kilometer vom Radfernweg Berlin-Usedom entfernt, eignet sich Gut Suckow als Ausgangspunkt für Ausflüge und Radtouren in die seenreiche Umgebung. Rund drei Kilometer sind es von Suckow nach Fergitz mit Blick auf einige Seen: Silbersee, Krummer See, Potzlower See und in der Ferne der größere lange Oberuckersee. Eine schöne Sicht über Suckow und die Seenlandschaft bietet auch der Aussichtspunkt auf dem etwa vier Kilometer vom Gut entfernten Pechberg.

Auf dem Gut selbst gibt es ebenfalls viel zu entdecken. Wer Lust hat, sich handwerklich zu betätigen, der kann auf Gut Suckow an einem Tischler- oder Maurerworkshop teilnehmen. Honig ernten mit einem Imker, Kräuter- und Kochkurse sowie Yoga stehen ebenfalls auf dem Programm. Ein musikalischer Höhepunkt sind die Konzerte der Uckermärkischen Musikwochen – Musikfreunde kommen aber ebenfalls beim musikalischen Dinner mit Klavier-, Violinen- und Saxofonkonzerten von Klassik über Jazz bis Soul auf ihre Kosten.

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