Kleine Fluchten

Frühstück mit Aussicht auf Usedom und Meer

Das „Strandhotel Ostseeblick“ in Heringsdorf bietet neben einem herrlichen Blick viel Ruhe. Wer mag, geht zur Weinverkostung in den Denkraum oder zum Kochkurs in die Küche des Vier-Sterne-Hauses.

Foto: PR

Wer im Urlaub „Sonne satt“ haben möchte, sollte erwägen, nach Usedom zu fahren. Denn die vorpommersche Ostseeinsel gehört in fast jedem Jahr zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands. Darüber hinaus bietet sie fast alles, was es zu einem perfekten Urlaub braucht: endlos feinen Sandstrand, ein landschaftlich reizvolles Hinterland und die Kaiserbäder mit ihrer bezaubernden Architektur.

Hinzu kommt, dass die Insel mit vielen hervorragenden Hotels ausgestattet ist. Dazu gehört auch das Strandhotel Ostseeblick der Familie Wehrmann in Heringsdorf. Das Ehepaar stammt zwar aus dem Rheinland, aber die Vorfahren väterlicherseits kommen aus dieser Gegend und betrieben seit 1930 genau an dieser Stelle ein Gästehaus.

Die Nachfahren erhielten nach der Wende ihren Besitz zurück. Schnell entschlossen sie sich, hier eine Herberge für Urlaubsgäste zu etablieren. Angst vor der neuen Herausforderung als Hoteliers hatten die Wehrmanns nicht, denn das Ehepaar war bis dahin bei einem Unternehmen für die Großkundenbetreuung zuständig; der Umgang mit vielen Menschen war ihm also bestens vertraut. So begannen sie auf der Insel ihren Neustart und investierten einen Großteil ihrer Ersparnisse in den Ausbau des neuen „alten“ Hotels, das 1996 mit 60 Zimmern eröffnet wurde.

Am Eingang fällt das große Foto auf, das die US-Schauspieler Joan Crawford und Douglas Fairbanks am Strand zeigt und den Gast augenblicklich auf Urlaub einstimmt. Es könnte auch hier vor Ort aufgenommen worden sein. Das Foyer präsentiert all das, was man heutzutage von einem Vier-Sterne-Superior-Hotel erwartet, nämlich moderne, schlichte Eleganz.

Allein die historischen Fotos, die die Großeltern der Eigentümer in der Küche zeigen, und das kostbare Ölgemälde an der Wand sind Relikte aus früheren Zeiten. Der angrenzende Barbereich ist auch zugleich Kaminraum und Lounge, optimal aufgeteilt und möbliert. Das effektvolle Farbenspiel hinter dem Flaschenregal lässt die Spirituosen in bizarren Farben erscheinen; ein toller Blickfang.

Zur Begrüßung Sanddornprosecco

Die Chefin des Hauses lässt es sich nicht nehmen, am späteren Nachmittag ihre neu angereisten Gäste persönlich bei einem köstlichen Sanddornprosecco zu begrüßen und dabei ein wenig über die Geschichte des Hauses zu erzählen. Mit ihrer offenen Art gewinnt sie schnell die Herzen ihrer Gäste. Dabei betont sie, „dass dies ein individuelles und von der Größe her überschaubares Hotel ohne Menschenansammlungen ist“.

Bei dieser Gelegenheit stellt sie auch Birgit Hanusch vor, die den Wellnessbereich leitet, denn dieser ist ein weiterer Schwerpunkt des Hauses. „Was man am Strand bekommen kann, kriegt man in keiner Apotheke“, sagt die zur Begründung, warum hier Heringsdorfer Sole und Rügener Heilkreide bei vielen Behandlungen verwendet werden. Bei professioneller Beratung wird jeder eine geeignete Behandlung finden.

Danach kann man sich dem Fachpersonal bedenkenlos anvertrauen. Wie zum Beispiel der Physiotherapeutin Claudia Huß, die durch eine manuelle Impulstherapie die körpereigenen Energien aktiviert. Dabei ist die Hanglage des Gebäudes auch im Wellnessbereich von großem Vorteil. Vom Schwimmbad und dem Ruheraum aus hat man einen herrlichen Blick auf die Ostsee.

Wellnesstasche auf dem Zimmer

Es sind auch und vor allem die vielen Kleinigkeiten, die dieses Hotel so liebenswert machen. Wie etwa die schicke Wellnesstasche, die schon gepackt auf dem Zimmer wartet. Darin befindet sich auch ein Beutel für nasse Badebekleidung. Die Einrichtung der Zimmer und Suiten ist hochwertig. Besonders pfiffig ist das „Mediabord“, welches vom Inhaber selbst erdacht wurde.

So hängt der Flatscreen hier nicht einfach an der Wand, sondern ist integriert in ein flaches Regal mit vielen Flächen und wird so selbst zum Blickfang. „Aus dem hässlichen Fremdkörper wird so etwas Schönes“, stellt die Hoteliersfrau zu recht fest. Und der Safe im Schrank ist sogar so groß, dass eine ganze Fotoausrüstung darin Platz findet.

Das Restaurant Bernstein, in dem man sich morgens und abends zum Speisen einfindet, ist ebenfalls modern eingerichtet. Damit alle Gäste den Blick nach draußen genießen können, hat man es als Rundbau konzipiert und verglast. Nach einem kurzen Gewitter verzaubert bei unserem Besuch ein atemberaubendes Lichtspiel Himmel und Meer, bei dem sich nach kurzer Zeit ein riesiger Regenbogen über das Wasser spannt. Imposanter kann ein Naturphänomen kaum sein. Dazu gibt es fein angerichtete Speisen. Als nachahmenswerte Geste wird dabei ein bestimmter Betrag vom Preis des Menüs an den Verein „Kindernothilfe – Speisen und Helfen“ abgeführt.

Der Küchenchef gibt Kochkurse

Im Haus finden diverse Programme statt. So gibt es immer freitags im sogenannten „Denkraum“, einem Tagungsraum, eine Weinverkostung. Mittwochs können Gäste an einem Kochkurs mit dem holländischen Küchenmeister Arjan Mensies teilnehmen, der seit sieben Jahre hier tätig ist. „Dabei geht es weniger um das Kochen an sich als darum, den Gästen die handwerkliche Art der Küche nahezubringen. So wird bei uns vom Kartoffelnschälen bis zur Nudelherstellung alles von Hand gemacht“, erklärt er.

Wie die vielen positiven Eintragungen im Gästebuch bestätigen, ist die Zufriedenheitsquote sehr hoch. Der Spirit macht’s eben, und der stimmt hier. Nebenbei erfahre ich, dass die Mitarbeiter kostenlos am Antistressprogramm teilnehmen können. Deshalb wirken sie wohl so entspannt. Eine lohnende Investition der Hotelinhaber, wie man merkt. Eben ein Hotel, das richtig Spaß macht.

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