Wilde Felsen, reine Luft. Einmal durchatmen! Wir sind gut 200 Kilometer von Berlin ins Elbsandsteingebirge gefahren und marschieren durch eine Gegend, die schon Caspar David Friedrich, Alexander Thiele und Ludwig Richter inspiriert hat. Auf dem Malerweg, einem Wanderweg, der in acht Etappen 112 Kilometer überwindet.
2006 ließ der Tourismusverband den ersten Fernwanderweg durch die Sächsische Schweiz ausschildern, Broschüren mit Stempelkarten wie für Pilgerwanderungen wurden gedruckt, Pensionen und Hotels als Kooperationspartner gewonnen. 2007 wählte ihn das „Wandermagazin“ prompt zum schönsten Wanderweg Deutschlands.
Hinweisschilder mit einem schwungvollen „M“ weisen den Weg durch eine besondere Landschaft. Wandeln wir doch auf dem Grunde eines Meeres, das sich zur Kreidezeit vor etwa 100 Millionen Jahren gebildet hatte. Flüsse aus dem angrenzenden Festland drängten Sand und Ton in das Gebiet des heutigen Elbsandsteingebirges. Sand und Ton lagerten sich ab. Durch den Druck und andere Abläufe des Meeres verfestigten sich die Sande zu 600 Meter hohen Gebilden.
Seit 1812 gibt es in dieser Region Tourismus. Damals durchstreiften die Maler der Dresdner Kunstakademie, darunter die zwei Schweizer Adrian Zingg und Anton Graff, mit dem Skizzenblock die Felsenwelt und gaben so der Landschaft den Namen: Sächsische Schweiz. Der historische Malerweg führte einst hinter kleinem und großem Winterberg weiter bis zum Prebischtor. Das größte natürliche Felstor Europas war krönender Abschluss.
Danach stiegen die Künstler hinab ins Dorf Herrnskretschen, das heutige Hřensko, und fuhren mit dem Schiff auf der Elbe zurück nach Dresden. Heute ist der Weg ab der Grenze zu Tschechien gesperrt. Dahinter liegt ein Naturschutzgebiet. Der moderne Malerweg biegt nach Schmilka ab und führt auf der linken Elbseite zurück nach Pirna.
Grandioser Blick über das Elbtal
Ausgangspunkt unserer Wanderung ist das „Berghotel Bastei“. Das von Christa und Dieter Schröter privat geführte Haus liegt inmitten des Nationalparks Sächsische Schweiz, von hier aus hat man einen grandiosen Blick über das Elbtal bei Rathen. Das Hotel bietet 64 modern eingerichtete Zimmer, ein Panoramarestaurant und Sommerterrassen.
Im „Schweizerhaus“, einem Gebäudeteil des Hotels, zeigt uns Frank Richter, Kurator der sehenswerten Dauerausstellung zur „Geschichte des Tourismus im Basteigebiet“, die Stellen, wo Caspar David Friedrich seine Skizzen für die Werke „Der Wanderer im Nebel“ und „Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge“ fertigte.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über die wichtigsten Künstler wie Adrian Zingg, der das Elbsandsteingebirge mit seinen Werken berühmt gemacht hat. Und sie zeigt, dass die Maler über die Jahrhunderte hinweg immer wieder die gleichen Orte abgebildet haben. Die Festung Königstein, Bad Schandau oder das Prebischtor, im Nachmittagsgold und bei Mondschein, als Kupferstich, Stahlstich, Ölgemälde. Im Vordergrund palavern Herren mit Zylinder und Gehstock und Damen im Festtagskleid, auf der Elbe bauschen sich die Segel der Boote.
Die erste Wanderung führt uns von der „Bastei“, der sicherlich berühmtesten Felsformation mit ihrer berüchtigten Steinbrücke, durch die „Schwedenlöcher“. Die dunklen Schluchten mit ihren Felsenbrücken und zahlreichen Nischen erhielten ihren Namen im Dreißigjährigen Krieg, als sich hier die Einwohner der benachbarten Orte vor den Schweden in Sicherheit brachten.
Hinunter geht es nach Rathen, wo wir nach einem Abstecher in die Felsenbühne beim „Geist von Rathen“ einkehren. Hier werden Äpfel, Waldhimbeeren, Haselnüsse, Ingwer, Aronia (Apfelbeere) und weiteres Obst zu edlem Geist verarbeitet. Nach einer Stärkung mit Flammkuchen und sächsischem Wein geht es per Raddampfer der „Sächsischen Dampfschiffahrt“ nach Bad Schandau.
Zu Schrammsteinen und Wilder Klamm
Am nächsten Morgen wartet Nationalparkführerin Daphna Zieschang, es geht zu den Schrammsteinen, die größte und aufregendste Felsformation der Sächsischen Schweiz. Der Weg führt durch Mischwald, später über Leitern und Stiegen bis zum höchsten Punkt, wo wir mit einem beeindruckenden Rundblick belohnt werden. Nach dem Abstieg geht es per „Kirnitzschtalbahn“, einer historischen Straßenbahn, zurück.
Die dritte Etappe führt uns in die Böhmische Schweiz. Bei Schmilka überqueren wir die deutsch-tschechische Grenze. In Hřensko wartet Jiří Rak, vom Nationalpark Böhmische Schweiz. Die Wanderung führt durch ein wildromantisches Tal, durch Soorgrund, Wilde Klamm und Edmundsklamm. Die sind nur per Kahn zu bewältigen.
Zum Abschluss also brodelndes Wasser, neben reiner Luft, Wald und Felsen. Die Rezepturen für entschleunigte Tage im Elbsandsteingebirge. Allerdings: Mitteilen konnten wir das der Familie zuhause unterwegs nicht. Denn Handyempfang hatten wir während der Wanderung so gut wie nie. Auch nicht schlecht.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Sächsische Schweiz.




