Hinter sieben Hügeln und unzähligen Baumalleen wohnt der Mann, den momentan jedes Kind mit Sehnsucht erwartet: der Weihnachtsmann. Anfang November reist er vom Nordpol in seine Weihnachtsresidenz im brandenburgischen Himmelpfort, wo sich seit 30 Jahren an der kleinen Dorfstraße seine Postfiliale befindet. Jahr für Jahr trudeln dort Tausende Wunschzettel aus aller Welt ein.
Kleine und große Leute aus Berlin/Brandenburg und von weiter her bringen ihre Geschenkelisten sogar persönlich vorbei, etwa 25.900 waren es im vergangenen Jahr. Alle Hände voll zu tun hat Knecht Ruprecht.
Gerade hält er in diesen die Wünsche von Luis Florenz, der mit großen Augen vor ihm steht. Fasziniert inspiziert der Fünfjährige den stattlichen Weihnachtsmann, der in einem breiten Ledersessel mit geschwungenen Armlehnen sitzt.Mit einem tiefen „Hmh“ kommentiert dieser den Wunschzettel des Jungen. Ein Polizeiauto soll es sein, dazu noch ein Polizeibuch und – oha – ein Hund.
Ob denn Luis Florenz dafür ein Gedicht oder Liedchen mitgebracht hat? Hat er. Keck trägt der Bub seinen mehrstrophigen Reim vor. Klein Marie dagegen muss erst warm werden mit dem Herrn im knallroten, flauschigen Mantel. Mama, Oma und Opa hat sie im Schlepptau und das Gedicht vom lieben, guten Weihnachtsmann, das vor lauter Scheu überwiegend die Mama vorträgt.
Dann gibt sich die Zweijährige einen Ruck und dem Richtigen ihren Wunschzettel. Einen gelben Bus hat Marie gemalt. Der soll bitteschön unterm Baum liegen. Die Mundwinkel hinterm Rauschebart des Weihnachtsmannes zucken amüsiert.
Briefe in 18 Sprachen
Spass bei der Arbeit muss der Vielbeschäftigte aber auch haben. Per Post kamen zusätzlich sagenhafte 294.000 Wunschlisten. Alle zu beantworten schafft der gute Mann allein nicht. Engel helfen ihm, schreiben emsig am runden Tisch jedem Kind zurück, in Deutsch und 17 weiteren Sprachen.
Einer der Engel ist Konni. Mit ihr begann alles: „Ich war Postzustellerin in der DDR. 1984 kamen zwei Briefe an den Weihnachtsmann adressiert in Himmelpfort an, einer aus Berlin, einer aus Sachsen.“ Himmelpfort klang für die Kinder anscheinend, als müsse der Weihnachtsmann hier zu Hause sein. Stellvertretend für diesen antwortete Urengel Konni.
„Das sprach sich herum, und bis 1989 waren es jährlich schon 75 Briefe.“ Die Wunschzettel nahmen konstant zu. Irgendwann waren es zu viele, Konni und ihre Kollegen kamen nicht mehr hinterher. 1994 schaltete sich die Deutsche Post ein und errichtete die Weihnachtspostfiliale im Ort. Sie ist die größte ihrer Art in Deutschland.
Nach wie vor sorgen die eingesandten Briefe für Überraschungen. Der älteste Schreiber war 94. Er wollte nur Post vom Weihnachtsmann, ansonsten war er „wunschlos glücklich“. Zwei Jungs verlangten, Spinat solle „wie Schokopudding schmecken.“ Wieder andere Lütten aus Rügen wollten ein Piratenschiff, weil sie später mal Pirat werden möchten.
Basteln und Backen in der Wichtelwerkstatt
Damit alle Geschenke pünktlich fertig werden, hat der Weihnachtsmann kleine Wichtel eingestellt. Kennenlernen können Kinder sie an den letzten beiden Adventswochenenden beim Wichtel-Weihnachtsmarkt. In den neuen Wichtelwerkstätten werden dann gemeinsam Sterne und Engel gebastelt, in der Weihnachtsstube Plätzchen gebacken, direkt neben dem Bett des Weihnachtsmannes.
Die blau-weiß karierte Bettwäsche darin ist aufgeschüttelt, der geschmückte Baum linker Hand glitzert und funkelt wie magisch. Alte Lämpchen, Schlitten, Püppchen, jede Menge Adventskränze und Fachwerk(imitat) verwandeln die Weihnachtsmannbutze in eine kunterbunte Kindernostalgiewelt.
Der Zauber der Weihnacht hat uns ergriffen, und so entschließen wir uns, zwei Nächte in Brandenburg dranzuhängen. Das Ambiente eines Schlosses passt wunderbar dazu. Rund 33 Kilometer von Himmelpfort entfernt werden wir fündig, in Meseberg, einem Ortsteil der Stadt Gransee im Ruppiner Land.
Nebenan logieren Staatsgäste
Fuchs und Hase sagen sich hier gute Nacht, die Landschaft aus Schilfwiesen, Wäldern mit viel Wildaufkommen und Feldern unterstreicht die Ruhe. 170 Einwohner zählt der Ort und manchmal ein paar mehr: Schloss Meseberg ist das Gästehaus der Bundesregierung, in dem sich ausländische Staatsoberhäupter mit Angela Merkel treffen, rund 73 Kilometer von Berlin entfernt.
Dort dürfen wir nicht übernachten, aber nebenan im „Hotel Schlosswirt Meseberg“, das zum Schlossareal gehört. Im Restaurant zeugen Fotos an den Wänden von den Treffen der ganz Großen. „Den mit den Niethosen kenne ich.“ Noch heute muss Bernd Groche schmunzeln, wenn er an die Worte der älteren Dame denkt, als sie auf das Bild mit Kanzlerin Angela Merkel und Ex-Bundespräsident Horst Köhler in legerer Kleidung zeigte.
Der Hotelier leitet den „Schlosswirt Meseberg“, für den er 2007 auserwählt wurde. Und das kam so: Mitte der 90er-Jahre erwarb die Münchener Messerschmitt-Stiftung, die auf den Erfinder des Düsenantriebs zurückgeht und sich für den Erhalt historischer Bauten einsetzt, das Schloss. Den Grundstein für dieses legte Graf Hermann von Wartensleben im Jahr 1738. In der DDR war das Adelshaus Volkseigentum. Mal beherbergte es die Gemeindebibliothek, mal eine Schule oder LPG-Küche. Viel in Schuss gehalten wurde allerdings nicht.
Mehr als 40 Millionen Euro investierte die Messerschmitt-Stiftung in die Sanierung. Erst dann überlegten sich die Verantwortlichen die Gebäudenutzung. „Das Schloss betreibt nun das Kanzleramt. Für das Hotel in der alten Stellmacherei und Brennerei wollte die Stiftung jemanden aus der Region. Ich wurde gefragt“, sagt Bernd Groche. Der Brandenburger stammt aus dem nahen Lindow, wo er nach der Wende das „Hotel Klosterblick“ eröffnete, das er bis heute zusammen mit dem Schlosswirt betreibt.
„Schönes, kleines Haus am See“
In seiner mondänen Herberge in Meseberg nächtigen die Delegationen der Politiker und auch Geschäftsleute, Urlauber, Natur- und Jagdliebhaber. Die 23 Hotelzimmer im Klinkerbau sind lichtdurchflutet. Dafür sorgen bodentiefe Sprossenfenster. Geschmackvoll zeigt sich die Einrichtung. Helle Lampenschirme geben warmes Licht ab.
In unserem Zimmer bieten das sanfte Gelborange der Wände und das Weiß-Beige-Hellbraun der Sesselbezüge einen schönen Kontrast zum dunkleren Holz des Mobiliars und Fußbodens. Beim Anblick des Bettes müssen wir schmunzeln. Kopfteil und Tagesdecke sind kariert, ähnlich wie beim Weihnachtsmann.
Vor der Tür erhebt sich das schmucke Barockschloss Meseberg. Daneben schimmert das Wasser des Huwenowsees, in dem Hotelgäste im Sommer baden können. „Schönes, kleines Haus am See“, schwärmte George W. Bush beim Anblick des Schlosses während einer seiner Morgentouren auf dem Mountainbike. Dazu muss man wissen, dass er zuvor in Paris weilte und Größeres gewöhnt war.
Unseren Platz vorm Kamin im Frühstücksraum mit hoher Decke, Dachbalken und Empore verlassen wir am nächsten Tag nur ungern. Der Liebenberger Weihnachtsmarkt wird uns jedoch so sehr ans Herz gelegt, dass wir den Tipp nicht ausschlagen können.
Besinnliche Stimmung in Liebenberg
Fackeln und echte Weihnachtsbäume mit roten Schleifen versetzen ab 12 Uhr in besinnliche Stimmung. 80 Marktstände bieten von Honig über Krippen, Nussknacker, Kerzen und Bücher alles für die traditionelle Adventszeit an. Märchenerzähler entführen in die Welt der Feen und Kobolde, Engelsgesang ertönt. Jeden Freitag ab 18 Uhr erinnert die Liebenberger Nachtwächterstunde bei Feuerkörben, Öllampen und Kerzen an die ursprüngliche Weihnachtszeit ohne Kommerz.
Gleiches vermag auch der nächste schnuckelige Weihnachtsmarkt, den wir besuchen. Er versteckt sich im Up Hus-Idyll in der Siechenstraße in Neuruppin, einem Fachwerk-Hof mit Hotel, Restaurant und Kappelle (zum konfessionslosen Heiraten). Am ersten Advent verwandelt sich der Hofgarten in einen heimeligen Markt mit kunsthandwerklichen Ständen, fast so wie zu Zeiten vonDichter Theodor Fontane, der 1819 in der prächtigen Stadt geboren wurde.
Seit dem Mauerfall wird hier viel gebuddelt und saniert. Ein Bummel durch Neuruppin fühlt sich an wie ein Spaziergang durch vergangene Zeiten. Jede frühklassizistische Fassade ist eine Zierde, jede Tür und Laterne auch.
Prachtbau mit vielen Kunstwerken
Auch Rheinsberg passt gut ins Programm. Malerisch liegt das Städtchen, dem Kurt Tucholsky mit seinem „Bilderbuch für Verliebte“ ein literarisches Denkmal setzte, am Grienericksee. An der lauschigen Uferpromenade erhebt sich das Wasserschloss. Ob es zu Zeiten von Friedrich dem Großen auch schon so piekfein aussah?
Ab 1736 verbrachte Friedrich der Große die wohl glücklichste Zeit seinen Lebens darin. Vier Jahre später zog er aus und sein Bruder Heinrich von Preußen ein, der dem Prachtbau seinen heute wieder ersichtlichen Einrichtungsstempel mit vielen Kunstwerken aufdrückte. Wie das Schloss damals beleuchtet wurde, erfahren wir bei der Schlossführung „Advent, Advent (k)ein Lichtlein brennt.“
Etliche davon erstrahlen später in der Dämmerung in den Straßen und lassen die eingeschossigen, herausgeputzten Bürgerhäuser noch niedlicher erscheinen.
Die Reise wurde unterstützt von TMB Tourismus-Marketing Brandenburg.





