Man könnte meinen, der Weg sei das Ziel. Denn eine geschätzte Viertelstunde hinter Neuruppin trennt sich am Hinweisschild „Hotel Boltenmühle“ ein Abzweig von der Landstraße nach Flecken Zechlin und führt hinein in schönste Natur.
Auf seinen letzten Kilometern durchstreift das Sträßlein die schattige Stille des Waldes – und bliebe ganz einsam, gäbe es die zahlreichen Ausflügler nicht, für die der Ort am Binenbach längst kein Geheimtipp mehr ist.
Wen wundert’s? Schon Friedrich der Große und Theodor Fontane erlagen einst dem Zauber der Boltenmühle, die seit den 30er-Jahren ganz offiziell Erholung suchende Besucher begrüßt.
Doch die Ursprünge des beliebten Ausflugslokals liegen viel früher. Seine Geschichte beginnt mit den Bemühungen Friedrich Wilhelms I., dem vom Dreißigjährigen Krieg arg gebeutelten Ruppiner Land wieder auf die Beine zu helfen, und mit Mühlenmeister Boldte, der 1718 im Rahmen des königlichen „Wirtschaftsförderungsprogramms“ am Zufluss des Tornowsees Land für die zu gründende Schneidemühle, Wohnhaus und Kohlgarten erwarb, zu denen sich wenig später noch eine Mahlmühle gesellte.
Boldtes Unternehmen war jedoch von wenig Erfolg gekrönt und seine Versteigerung 1731 Auftakt einer ganzen Reihe von Besitzerwechseln. Aber erst 200 Jahre später wurde aus dem ursprünglichen Mühlen- ein Gaststättenbetrieb, der über die Kriegs- und Nachkriegsjahre pausierte, DDR-Zeit und Wende überdauerte und durch Brandstiftung 1992 ein vorläufiges Ende erfuhr. Vor 20 Jahren fand die „Boltenmühle“ dann ihren letzten Besitzer, der dem zerstörten Anwesen durch achtsamen Wiederaufbau zu neuem Glanz verhalf.
Malerisches Nebeneinander
Wer heute zum ersten Mal Grund und Boden der „Boltenmühle“ betritt, wird erstaunt sein. Vom malerischen Nebeneinander des Hotel- und Restaurantensembles. Von der einsamen Lage. Und von der Präsenz der Natur. Wald umschließt die Anlage und hüllt sie in sein schweigendes Grün.
Die Fläche eines angestauten Teichs spannt sich hier zwischen Bäumen und Schilfrohren auf, seine Oberfläche unbewegt und glatt. Schäfchenwolken betrachten ihr Ebenbild im Spiegel des Wassers, auf dem Seerosenblätter kleine Inseln bilden. Über dem nassen dunklen Auge tanzen Libellen.
Es ist der Binenbach, der auf seiner kurzen Reise vom Kalk- zum Tornowsee den Mühlenteich speist und ihn als schmales Rinnsal wieder verlässt. Vom Gefälle der Landschaft bergab gelenkt, eilt sein Wasser einem dick bemoosten Mühlrad entgegen, das sich neben dem Haupthaus, einem schönen Fachwerkbau, emsig dreht.
Für den Bach geht es weiter zwischen üppigem Grün – als hübsche Kulisse für die Gäste, die auf der Sonnenterrasse einen Platz gefunden haben. Hier wird bis in den Herbst gesessen, notfalls gewärmt durch Heizstrahler und Decken. Alternativ bringt die „Boltenmühle“ ihre kulinarischen Wohltaten im Wintergarten und in der rustikalen Gemütlichkeit des Restaurants auf den Tisch.
Vieles, was in Töpfe und Pfannen wandert, stammt aus eigenem Anbau – Gemüse und Kräuter, die von einem Gärtner geerntet und von der Küche frisch zubereitet werden.
Märkische Küche und moderne Kreationen
Die Speisekarte des Restaurants gibt sich mit gebratenem Zanderfilet auf Senf-Gurkengemüse oder Hirschgulasch in Rotweinsauce bodenständig märkisch, schlägt aber durchaus auch moderne Töne an, indem sie Kreationen wie „Pfifferling-Rosmarin-Soufflé und Heidelbeer-Vanille-Sorbet“ serviert. Auf die Besucher von Sonnenterrasse und Wintergarten wartet zudem eine kleine Kantine, in der man sich – schneller und etwas preiswerter – mit Boulette, Soljanka & Co. versorgt.
Für viele ist die „Boltenmühle“ nur Ziel für einen Tag. Sie kommen mit Auto oder Ausflugsschiff, radelnd oder zu Fuß. Zum gut essen und verschnaufen. Doch mancher bleibt auch länger und logiert in einer der 31 Unterkünfte, die Platz für jeden Anspruch bieten. Die Zimmer, Apartments und Ferienwohnungen verteilen sich auf vier Gebäude und schaffen, eingerichtet im Landhausstil, gute Voraussetzungen für eine entspannende Nacht.
Apropos Entspannung: Wellnessfreunde dürfen sich über ein separates Haus am Mühlenteich freuen, um bei Massagen, Sauna, Dampfbad oder einer Runde im Solebecken den Alltag zu vergessen. Als Wohltat für alle Sinne erweist sich die Außenterrasse des Wellnesstempels, wo man, eingelullt vom hypnotisierenden Grün der Natur, im Liegestuhl ruhen oder über eine Badetreppe die Teichtemperatur antesten kann.
Mit Tretboot auf dem Tornowsee
Das Wasser ist auf dem Gelände der „Boltenmühle“ allgegenwärtig. Am Binenbach wird gespeist, am Mühlenteich relaxt. Und wer es eine Nummer größer mag, spaziert hinterm Haus einfach an der Wiese mit den Eseln vorbei, wo ein Pfad einen direkt ans Ufer des Tornowsees bringt. Hier kann man baden, Tretboot fahren oder eine acht Kilometer lange Runde um das idyllische Gewässer drehen, das sich inmitten eines Natur- und Landschaftsschutzgebietes erstreckt.
Vielleicht macht das ja Lust, es Dichterfürst Fontane gleich zu tun, und sich noch weitere Schönheiten der Ruppiner Schweiz, jenes hügeligen Waldgebiets im nördlichen Brandenburg, zu erwandern.
Es gibt viele kleine Ausflugsziele in der Nähe, die einen Abstecher lohnen. Wie der Tierpark Kunsterspring oder das Waldmuseum Stendenitz, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft die „Waldschenke Stendenitz“ am Zermützelsee eine lauschige Einkehr verspricht. Kulturlastiger geht es in Neuruppin zu, Fontanes Heimatstadt, wo die Besucher gern durch die klassizistische Altstadt oder über die Seepromenade schlendern.
Die Reise wurde unterstützt vom „Hotel & Restaurant Boltenmühle“.



