Kleine Fluchten

Gleich hinter Berlin liegt der „Ort am schönen Wald“

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Sabine Mattern

Foto: Schlossgut Schönwalde

Im „Schlossgut Schönwalde“ im Havelland hat nicht nur der Berliner Polo-Club seine Heimat. Wer hier übernachten will, hat die Wahl zwischen Indien, Mexiko, Afrika und New York.

Es ist kein weiter Weg bis in den „Ort am schönen Wald“, der sich gleich hinter der Berliner Stadtgrenze in die Idylle des Havellandes fügt. Jedenfalls nicht aus geographischer Sicht. Unser Gefühlsleben macht da schon einen größeren Sprung. Die Uhren scheinen einen Takt langsamer zu gehen in Schönwalde-Dorf, das als Ortsteil der Gemeinde Schönwalde-Glien gerade mal 900 Einwohner zählt.

Entsprechend still ist es in dem kleinen Straßenangerdorf im Luch, das wie eine Insel im Grün von Wald und Feldern liegt. Ab und an ein Auto, ansonsten füllen andere Geräusche die Luft: das Zwitschern der Vögel, das Krähen eines Hahns und das Schnauben der Pferde, die vis-à-vis der barocken Dorfkirche auf der Koppel grasen.

Die edlen Vierbeiner gehören zum „Schlossgut Schönwalde“, das Radfahrer, Wanderer und Reiter anspricht, die sich eine stadtnahe Auszeit gönnen. Als seine Pächterin Inge Schwenger hier im September 2012 das neu erbaute Gastronomie- und Gästehaus eröffnen konnte, hatte das ursprüngliche Anwesen aus dem 15. Jahrhundert eine lange und bewegte Geschichte hinter sich.

Es wurde umgebaut im Stil des Barock, gab wechselnden Besitzern ein Zuhause und musste schließlich erleben, wie in der Zeit der DDR Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude zweckentfremdet, beschädigt und der völligen Verwahrlosung überlassen wurden.

In kleinen Schritten sanieren die neuen „Gutsherren“ nun das desolate historische Ensemble, das einmal den Mittelpunkt dörflichen Lebens bildete. Seit 2007 hat der Berliner Polo-Club hier seine Heimat. Inzwischen finden aber auch Urlauber den Weg über die von Kastanien beschattete Einfahrt zum Schlossgut und beziehen Quartier in den vier Doppelzimmern und zwei Lofts des Gästehauses.

Im Erdgeschoss des modernen Holzständerbaus bittet ein Restaurant an den Wochenenden zu Tisch und schlägt mit Gerichten wie Spargellimonenrisotto „den Bogen zwischen brandenburgischen Bodenschätzen und mediterraner Interpretation“, wie die Hausherrin verrät.

Alles ist hell, bunt und fröhlich

In den beiden Geschossen darüber wird gewohnt. Absolut ungewöhnlich: die beiden Apartments im ersten Stock. Sie heißen „Indien“ und „Mexiko“ und sorgen durch die Wahl von Farben und Wohnaccessoires für eine exotische Note. Jedes von ihnen hat ein geschmackvoll gestaltetes Wohnzimmer, von dem zwei Doppelzimmer abgehen – eines mit Bad en suite, bei dem anderen ist das Badezimmer vom Wohnraum aus zugänglich. Die Schlafräume sind eher klein, zweckmäßig, aber sehr gemütlich. Alles ist hell, bunt und fröhlich – Balsam für die Seele.

Die Doppelzimmer eines Apartments sind vor allem aber für befreundete Paare, Familien oder Gruppen die perfekte Wohnlösung. Doch ob noch fremd oder miteinander vertraut, die gemeinsame Lounge macht Lust auf Spielen oder Lesen in größerer Runde.

Ganz für sich allein sind dagegen die Gäste der beiden Lofts unterm Dach – „Afrika“ und „New York“. Wobei die amerikanische Wohnvariante es besonders frisch Vermählten angetan hat.

Ausblick über die Pferdekoppeln

Die lichtdurchflutete Suite punktet mit ihren Maßen: ein großer, klarer, modern gestylter Raum, der ohne Schnickschnack auskommt und sich mit Weiß, Grau, Schwarz und Rot auch in der Farbgestaltung zurückhält. Ein frei stehendes Bett, die Badewanne nur zwei Schritte entfernt, ein Sofa zum Lümmeln, eine Miniküche nebst Esstisch. Dazu ein Ausblick über die Pferdekoppeln bis in die „Pampa“.

Wer dorthin will, kann sich im Schlossgut ein Fahrrad mieten. Oder er macht sich zu Fuß auf. Besucht das über 4000 Hektar große Waldgebiet des Regionalparks Krämer Forst und kehrt unterwegs bei den Wirten des Glien ein. Nicht weniger schnell finden sich geeignete Ausflugsziele für kulturell Interessierte.

Etwa Velten. Hier gab es einmal 40 Ofenfabriken, die Berlin mit Kacheln für seine legendären Öfen versorgten. Heute lässt uns an einem Originalschauplatz das über hundert Jahre alte Ofen- und Keramik-Museum einen Blick in die gute alte Zeit werfen. Auch Oranienburg und sein barockes Schloss lohnen einen Abstecher. Das Museum im einstigen Landsitz von Kurfürstin Luise Henriette zeigt mit Tapisserien, Skulpturen, Gemälden, Möbeln, Porzellan eine Ausstellung sehenswerter Kunstwerke.

Die Reise wurde unterstützt vom Schlossgut Schönwalde.