Viele Gesichter hat die Ostsee. Mal ist sie rau und grau, mal verspielt und blau so wie heute. Wir sitzen am Strand von Scharbeutz in der Lübecker Bucht, die man in drei Autostunden von Berlin aus erreicht. Vereinzelte, harmlose Schäfchenwolken fliegen flach über den Sommerhimmel, der mit dem Blau-Türkis des Meeres konkurriert. Der Wind lässt das Wasser aufschäumen, treibt es in Wellen ans Ufer und Kitesurfer darüber.
Strandkorb Nummer 25 vorm „Hotel Gran BelVeder“ wurde zum Tagesdomizil erklärt, das dreistöckige Hotel im andalusischen Stil zum „Fluchtort“ für die nächsten freien Tage. Fast hat man das Gefühl, es befände sich irgendwo am Mittelmeer.
Das liegt wohl an der U-förmigen Bauweise, den Rundbogenloggias und dem gelb-orangenen Anstrich. Luftig fügt es sich am Ende von Scharbeutz (respektive am Anfang vom Timmendorfer Strand) hinter grasbewachsenen Sanddünen in die Landschaft.
Ein Strandabschnitt in der Lübecker Bucht geht nahtlos über in den nächsten. An den legendären Timmendorfer Strand schließen die Orte Scharbeutz, Haffkrug, das ruhigere Sierksdorf (wo Hollywood-Größe Armin Mueller-Stahl ein Häuschen besitzt) an … Oder ist die Spitze ganz da hinten schon Pelzerhaken?
Das erkunden wir später, genauso wie Kellenhusen mit seiner futuristischen Seebrücke. Erst mal liegen wir faul in der Sonne und genießen. Die Ostsee ist eine herrliche Abkühlung, das „Hotel Gran BelVeder“ eine Streicheleinheit für die Seele.
Blattgold und Champagner
Den Starnberger See gegen die Ostsee eintauschen war für Hoteldirektor Moritz Schmid-Burgk daher keine Frage gewesen. Er liebt dieses Fleckchen Erde und sein Fünfsternehaus mit mediterranem Flair, das auch die Wünsche kleiner Gäste erfüllt. Im Spielzimmer können sich die Kinder austoben, und in den Ferienzeiten gibt es Animation.
Sternekoch Gunter Ehinger kredenzt mit seinem Team eine aromareiche, leichte mediterrane Küche mit regionalen Einflüssen. Selbst die Currywurst mit Pommes, serviert mit Blattgold und Champagner, ist unbedingt eine Bestellung wert.
In den 15 Suiten und in fast allen der 83 großzügigen Zimmer können die Gäste vom eigenen Balkon die Lübecker Bucht oder die grüne Landseite überblicken, um danach im Innenbereich in warme Farbwelten einzutauchen.
Den eleganten und klar designten Möbeln sieht man ihre hochwertige Verarbeitung an. Sie sind von der Manufaktur Finkeldei, die schon Promis wie Madonna belieferte. Über das Sesselensemble möchte man immerfort streichen, so angenehm samtig ist es. Im Kingsizebett mit gepolstertem Riesenkopfteil schläft es sich wie auf Wolke sieben.
Direkter Zugang zur Ostsee-Therme
Bei der Ankunft liegen Bademantel und Kuschelschlappen bereit. Nicht nur für das Hotelspa. „Unsere Gäste haben direkten Zugang in die Ostsee-Therme nebenan. Sie können diese kostenlos nutzen, so lange und so oft sie wollen“, sagt Moritz Schmid-Burgk. „Von 8 bis 23 Uhr ist das 18.000 Quadratmeter große Areal geöffnet, zwischen 8 und 9 Uhr ausschließlich für Hotelgäste.“
Über die halbgläserne Verbindungsbrücke huscht die komplette Familie in Bademänteln in die Therme. Die Großen bleiben im Saunabereich oder trippeln als Aufsicht mit den Kleinen in die Erlebniswelt, wo Schwimmtiere und Bälle auf dem Wasser treiben. Im Außenbereich erhaschen wir Blicke auf die Ostsee.
Neben dem Vital-Salzbecken, das in schummriges Licht getaucht ist, wartet der Kleinkinderbereich. Vergnügt erobern die Knirpse Lagune, Sanddüne, Piratenschiff, hopsen durch die Duschstraße und dösen danach im Hotelruhebereich. In aller Seelenruhe beobachten wir den Flug der Möwen, den Zug der Wolken.
Und der Rest von Scharbeutz? Das ist das Anfangsprogramm für den nächsten Tag. Scharbeutz zeigt sich mondän mit Sehen-und-gesehen-werden-Cafés wie dem „Wichtig“, schicken Geschäften, dem neuen Design- und Wellnesshotel „Bayside“ (das Sushirestaurant im fünften Stock ist eine Wucht!) und dem Strandrestaurant „Pier 1“. Dessen trendig-maritime Ausstattung lässt die Augen größer werden, genauso wie die Toiletten im Untergeschoss, wo eine Unterwasserweltanimation fröhlich gluckert. Echte Fische landen auf dem Teller: zum Beispiel Saltimbocca vom Ostseedorsch auf fruchtigem Tomatenragout.
Fangfrischer Fisch
Frische Ware aus dem Meer ist gefragt. 24 kleine Fischereibetriebe haben sich zusammengeschlossen und verkaufen morgens – direkt und günstig – „Fisch vom Kutter“, den sie wenige Stunden vorher aus der Ostsee gezogen haben. Der Hafen von Heikendorf ist eine der Anlaufstellen.
Neben Fischkuttern und Yachten liegt hier das drittälteste Feuerschiff der Welt, die „Læsø Rende“. Einst war sie als schwimmender Leuchtturm auf dem Meer verankert. Heute dient die pensionierte Schiffslady dem Heikendorfer Yacht Club als museales Vereinsheim. Im Hintergrund zieht ein Koloss durch die Kieler Förde. Die Fähre aus Norwegen.
Wir erobern die Ostsee im kleineren Stil und steigen in Heiligenhafen aufs Segelboot. Skipper Thomas steuert die Zehnmannyacht. Der Himmel ist heiter, die See ruhig. Leider. Eine steife Brise wäre jetzt gut. Motorisiert schaukeln wir übers azurblaue Wasser. Möwen kreisen über uns hinweg, Reetdachkaten säumen das linke Ufer.
Vor uns erhebt sich die Fehmarnbrücke. Sie verbindet das Festland mit der sonnenreichen Insel Fehmarn. Wind ist aufgekommen. Wir stellen den Motor aus, hissen das Vordersegel. Der Stoff bäumt sich auf, knattert. Wieder im Hafen helfen wir Thomas beim „Aufklären“. Ordnung machen, heißt das im Segeljargon.
Endlos viele Strandkörbe
Gemächlich kutschieren wir weiter, diesmal im Auto quer durch die wellige Holsteinische Schweiz. Hübsche Dörfer mit reetgedeckten Häusern, Kühe auf sattgrünen Wiesen, Gutshöfe und Bummelstädtchen mit Traumschlössern ziehen vorbei. Ein solches Dornröschen-Anwesen erhebt sich in Plön oberhalb der Seenlandschaft.
Dann zeigt sich wieder das blaue Band der Ostsee. Der Anblick begleitet uns bis nach Grömitz. Acht Kilometer Küstenlinie und endlos viele Strandkörbe gibt es hier und Sand, wie er weißer nicht sein kann. Außer vielleicht in der Karibik.
Früher reisten die betuchten Langzeitgäste mit Dienerschaft und zig Koffern und Truhen per Schiff ins gefragte Seebad. Lang genug war die Seebrücke, die 1912 gebaut wurde, mit ihren 150 Metern. Verbindungsstraßen gab es noch keine, dafür jede Menge Bäderarchitektur.
Ab den 70er-Jahren ging es darum, möglichst vielen Menschen einen angenehmen Urlaub zu ermöglichen. Die prunkvollen Bauten mussten puristischen Hotelgroßprojekten weichen, wie vielerorts an der Ostsee Holsteins. Auf die etwa 7700 Grömitzer kommen heute rund doppelt so viele Gästebetten.
Pittoresker zeigt sich Neustadt mit seinem fjordähnlichen Hafen, in dem Segler, Yachten, Fischkutter und ab und an ein Frachter anlegen. Auf der Terrasse des urigen „Klüvers Brauhaus“ halten wir bei einem kühlen Blonden die Nase in die Sonne und den Blick auf eine Rundbogenbrücke gerichtet. Kurze Zeit später dampft gegrilltes Makrelenfilet mit Backkartoffel vor uns. Fisch ist die Spezialität des Hauses.
Stolz wie eine Diva wandert die Sonne gen Horizont hinab, und wir zurück ins „Hotel Gran BelVeder“. Die Ostsee zeigt ihr Abendgesicht. Bis zuletzt spielen die Sonnenstrahlen mit der Meeresoberfläche, färben sie in atemberaubende Rot- und Violetttöne. In weiter Ferne glitzern die Lichter eines Kreuzfahrtschiffes. Alles fast wie im Süden.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Ostsee-Holstein-Tourismus.


