Hanebüchen, bonfortionös, Langspielplatte: Es ist schon eine ganze Weile her, dass man diese Worte das letzte Mal gehört respektive gelesen hat – wenn überhaupt. Und nun stehen sie hier an der Fassade von „Plumbohms Bio-Suiten“ in der Bummelallee von Bad Harzburg.
Vergessene Wörter sind nur ein Faible von Dirk Junicke, dem er eine Art Freiluftmuseum an der Hauswand widmet. Garniert mit ein paar Pflaumen, denn Plumbohm ist nicht nur der Mädchenname von Junickes Großmutter Minna, sondern auch Plattdeutsch für Pflaumenbaum.
Er leide an „Kreativitätsinkontinenz“, erzählt der Bauunternehmer, der vor gut zweieinhalb Jahren mit seiner Familie und Freunden unter die Gastgeber gegangen ist und vor Ideen nur so übersprudelt.
Alt und neu sind im „Plumbohms“ vereint, Jung und Alt sollen angesprochen werden. Durch die historische, mit buntem Glas versehene Holztür eines ehemaligen Hotels betritt der Gast einen nach hohen baubiologischen Standards errichteten Neubau.
Werke regionaler Künstler schmücken die mit einfacher Lehmfarbe gestrichenen Wände, die Suiten, die wahlweise mit Hotelservice oder als Ferienwohnung gebucht werden können, sind großzügig und ausgestattet mit Eichenparkett, Ledersofas, Ohrensessel, Kamin, Möbeln aus Massivholz sowie witzigen Details, die jedes Zimmer individuell machen. So hängt mal die Beleuchtung an einem Paar alter Holzski von der Decke, mal fungiert ein Hirschgeweih als Garderobe.
Provence statt Provinz
Den Harz mit anderen Augen sehen – das ist das Hauptanliegen von Dirk Junicke. Verschnarcht, piefig und sturzbieder, dieses Negativ-Image hatte das Mittelgebirge lange genug. Inmitten einer wunderschönen Landschaft gibt es zwar immer noch genug Orte, die den Sauerbraten-Muff längst vergangener Jahrzehnte versprühen, doch der 52-Jährige geht mit Elan, leicht verschrobenem Humor und vielen Einfällen dagegen an. „Ich will Urlaubern zeigen, wie schön wir hier in der Provinz leben“, sagt er – und spricht Provinz dabei wie Provence aus.
Auf seine Initiative geht auch der Harzer Jungbrunnen am Marktplatz zurück. Der Quedlinburger Künstler Jochen Müller, der auch das „Plumbohms“ mit seinen Werken verschönert hat, schuf knubbelige Figuren aus Bronze, die den meisten Passanten ein Lächeln entlocken.
Besonders das Teufelchen in Badelatschen, das das Wasser vom Beckenrand aus in kurzen Abständen im hohen Bogen „verunreinigt“, hat es ihnen angetan. Für Junicke ist damit klar, dass der Jungbrunnen wirkt, denn „nicht die Jahre machen uns alt, sondern Verdrießlichkeit und Gram“.
Der Jungbrunnen kommt nicht von ungefähr, denn heilendes Wasser zum Trinken und zum Baden machte Bad Harzburg bekannt. Badetradition gibt es hier seit 1831. Der Krodo-Brunnen liefert Heilwasser für Verdauung und Stoffwechsel, der Barbarossa-Brunnen welches für Funktionsstörungen des Magens, beide werden ebenso wie das Wasser der Schwefelquelle in der historischen Trink- und Wandelhalle im Badepark ausgeschenkt.
Aus der Herzog-Johann-Albrecht-Quelle sprudelt schwefelarme Sole für Inhalationen und Bewegungsbäder, und die Natursole aus der rund 840 Meter tiefen Dr.-Harras-Schneider-Quelle speist die vier Becken der Therme.
Mit der Seilbahn auf den Großen Burgberg
Von der Therme sind es nur wenige Schritte am Flüsschen Radau entlang und am Haus der Natur vorbei zur Seilbahn auf den 483 Meter hohen Großen Burgberg. Hier oben steht die Ruine einer alten Kaiserburg – und hier wird Anfang Oktober Dirk Junickes nächstes Logierprojekt eröffnet: „Plumbohms Aussichtsreich“ orientiert sich architektonisch an dem alten Hotel von 1840, das in den 60er-Jahren einem Selbstbedienungsrestaurant weichen musste, das nun wiederum abgerissen worden ist.
Viele Aussichten versprechen auch die Wanderwege durch den Nationalpark Harz. Etwa der 110 Kilometer lange Kaiserweg, der quer durch den Harz bis zum Kyffhäuser führt. Wandertouren führen zum neu gestalteten Ausflugsrestaurant „Molkenhaus“ oder zur Rabenklippe mit Aussichtsterrasse und einem Luchsgehege – oder auch einfach wieder hinunter nach Bad Harzburg zur Bummelallee, wo man sich dann in der „Konditorei Liersch“ ein Stück Brockentorte gönnen kann.
Und beobachten, dass neben Kurgästen fortgeschrittenen Alters zunehmend auch jüngere Aktivurlauber unterwegs sind, die Norddeutschlands höchstes Mittelgebirge zu Fuß oder per Mountainbike entdecken. Bad Harzburg war denn auch gerade Gastgeber des 114. Deutschen Wandertages, bei dem die Teilnehmer „Weltkultur erwandern – Mythen erleben“ konnten.
Baumwipfelpfad und Hochseilpark
Zudem lässt sich auch bald zwischen den Baumkronen flanieren. Noch in diesem Jahr soll für vier Millionen Euro Niedersachsens erster Baumwipfelpfad gebaut werden. Die 900 Meter lange Anlage wird in rund 25 Meter Höhe durch die Kronen eines Mischwaldes im Kalten Tal führen, wo Schwindelfreie bereits durch einen Hochseilpark balancieren können.
Und wenn das Wetter mal schlecht ist? Dann empfiehlt sich die Sauna, die im „Plumbohms“ nicht irgendwo im Keller versteckt ist, sondern durch ihre Lage auf dem Dach einen Blick auf die dicht bewaldeten Berge rund um Bad Harzburg erlaubt.
Oder man macht es sich mit einem Buch aus der kleinen Zimmerbibliothek vor dem Kamin gemütlich. Oder man beherzigt den Rat von Dirk Junicke, den Urlaub als „experimentelle Lebenszeit“ zu nutzen, und tut etwas, was man noch nie oder schon lange nicht mehr gemacht hat.
Es muss ja kein hanebüchener Unsinn sein. Man kann ja auch einfach aus der bonfortionösen, also wunderbaren, Schallplattensammlung eine dieser schwarzen Vinylscheiben aussuchen und den Plattenspieler in Gang setzen. Dann weiß auch der Nachwuchs, was denn das Wort Langspielplatte an der Hauswand bedeutet.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von „Plumbohms Bio-Suiten“.

