Beim Haareföhnen direkt auf den Strand schauen. Vom Bett aus beobachten, wie langsam der Bodden zufriert. Wer sich in der fünften Etage des „Grand Hotels Kurhaus Ahrenshoop“ einmietet, der möchte das Zimmer am liebsten gar nicht mehr verlassen. Der Ausblick ist einfach phänomenal. Sogar den Meerwind kann man sich hier oben um die Ohren wehen lassen, man muss nur die Balkontür öffnen und einen Schritt hinaus treten auf die große hölzerne Terrasse, die das Zimmer zur Hälfte umgibt.
Am Schönsten aber ist es im Bett. Wie auf der Kommandobrücke eines Schiffes fühlt man sich hier, in Fahrtrichtung Meer. Eingekuschelt in weiße Decken und Kissen kann man stundenlang den Himmel und das Meer beobachten, bis es draußen dunkel wird. Und am frühen Morgen weckt einen das Licht. Wer sich schon öfter vorgenommen hat, den Sonnenaufgang zu beobachten und es dann doch nicht rechtzeitig aus dem Bett geschafft hat, dem wird es hier endlich gelingen. Er muss nicht einmal aufstehen dafür – vom Bett aus kann er die Sonne über dem Bodden aufgehen sehen.
Künstler lieben das Licht
Doch es ist nicht nur der Ausblick, der einen hier oben fesselt. Es ist auch das besondere Licht. Dieses eigentümlich helle Leuchten, das zum Darß gehört und bis heute viele Künstler anzieht. Maler vor allem. Die ersten kamen Ende des 19 Jahrhunderts und gründeten in Ahrenshoop eine Künstlerkolonie. Sie liebten die raue Natur, die Fischer mit ihren Segelbooten und das bodenständige Essen, das die Einheimischen ihnen kochten. Sie liebten die Ungezwungenheit des Lebens zwischen Meer und Bodden.
Als Gründervater der Künstlerkolonie gilt der Maler Paul Müller-Kaempff (1861-9141). Viele seiner Arbeiten sind in Ahrenshoop entstanden. Außerdem hat er Malkurse für Frauen angeboten, die damals noch nicht zur Kunstakademie zugelassen waren. Müller-Kaempff folgten schon bald Freunde und Bekannte und viele andere Künstler nach Ahrenshoop. Von deren Leben und Schaffen erfährt man im örtlichen Kunstmuseum. Dort hängen auch wichtige Arbeiten des Koloniegründers. „Abendstimmung am Darß“ etwa oder „Alter Schifferfriedhof“. Dieses große Bild nimmt einen besonders gefangen. Es entstand 1893 und zeigt eine junge Frau inmitten einer Wiese voller gelber Blumen, einen kleinen Blütenkranz in der Hand. Ein einfacher Holzzaun trennt die Wiese vom Friedhof, der ebenfalls von gelben Blumen überwuchert ist. Hinter der Frau ist das Meer zu sehen. Über ihr das helle flirrende Licht eines sonderbaren Himmels.
Die Ahrenshooper sind stolz auf das Kunstmuseum, das im Sommer 2013 eröffnet worden ist. Sie haben einen Verein gegründet und eine Stiftung und drei der insgesamt sieben Millionen Euro für den Museumsbau gesammelt. Der besteht aus drei einzelnen Gebäuden, die jeweils der Architektur eines niederdeutschen Hallenhauses nachempfunden und mit Bronze und Holz verkleidet sind. Tradition und Moderne finden in diesem Ensemble auf gute Weise zueinander.
Am besten kann das alles aber Hans Götze erzählen. Er ist selbst Maler und seit vielen Jahren Bürgermeister von Ahrenshoop. Götze kam 1975 zum Studium auf die Halbinsel und blieb, von dieser besonderen Landschaft gehalten. Gern führt er Gäste durch den Ort und wie einst Müller-Kaempff bietet auch er Malkurse an. Allerdings auch für Männer.
„Badeurlaub kann man überall an der Ostsee machen“, sagt Götze. „Kunst, speziell Malerei, gibt es aber nur hier.“ Richtig genießen könne man diese Angebote vor allem im Winter. „Dann geht es gemächlicher zu bei uns, man hat viel mehr Ruhe, sich alles anzusehen“, sagt Götze. Neben dem bereits erwähnten Kunstmuseum gilt es etliche Galerien und Werkstätten zu entdecken. Etwa das Haus der Keramikerfamilie Löber oder das Haus Lucas, in dem seit eh und jeh Maler gelebt und gearbeitet haben.
Für ausgedehnte Spaziergänge empfiehlt Götze den Weststrand. Bei gutem Wetter kann man von hier aus bis zur Insel Hiddensee oder nach Dänemark sehen. Sein Tipp: Zwei Stunden gegen den Wind angehen, dann Sauna, Rotwein und gutes Essen: Steckrübeneintopf mit Schweinefleisch, auch Wrucken genannt oder Grünkohl mit Kaßler. Und natürlich Sanddornsaft.
Gutes Essen bekommt man auch im Grandhotel Kurhaus Ahrenshoop. Gekocht wird dort vor allem mit regionalen Produkten. Die Küche ist leicht, abwechslungsreich und frisch. Auch Kunst gibt es im Hotel zu sehen. Im Foyer hängen wechselnde Ausstellungen, eine Galerie ist rund um die Uhr geöffnet. Erwähnenswert ist schließlich der große Spa-Bereich des Hauses. Mit Pool, einem Dampfbad, mehreren Saunen und einem Fitnessstudio. Neuerdings gehört ein Golfsimulator zum Freizeitangebot.
Dramatischer Himmel
Obwohl es im Hotel überaus bequem ist, sollte man – einmal auf dem Darß – unbedingt ausgiebige Spaziergänge unternehmen. Empfehlenswert ist ein Ausflug zum alten Leuchtturm auf dem Darßer Ort. Das ist mitten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, dem größte an Deutschlands Ostseeküste. Von Ahrenshoop aus geht es zunächst nach Prerow und von dort mit dem Pferdefuhrwerk quer durch den Wald zum Leuchtturm.
Wer nicht nur gucken, sondern auch so viel wie möglich über die Entstehung der Halbinsel, über Flora und Fauna wissen will, der sollte eine Führung mit Lutz Storm buchen. Storm, ein großer kantiger Mann mit vielen Lachfältchen im Gesicht, ist seit 20 Jahren Ranger im Nationalpark. Er weiß einfach alles über die Halbinsel und kann bildreich erzählen. Er kennt Märchen und Sagen, in denen dieser Landstrich eine Rolle spielt und versteht es, selbst Laien für erdgeschichtliche Vorgänge zu begeistern.
Am Leuchtturm angelangt, führt Strom seine Gäste auf Holzstegen durch Schilfgebiete und Dünen bis hin zum Weststrand. Bei etwas Glück zeigen sich auf diesem Weg Seeadler, Robben oder Dammwild. Gänse, Schwäne und Möwen sowieso. Gräser und Schilfe schimmern grünlich grau, der Himmel ist fast immer dramatisch.
Den Sonnenuntergang eines solchen Tages sollte man im „Weitblick“ genießen. Die Bar im fünften Stock des „Grandhotels Kurhaus Ahrenshoop“ bietet einen Rundumblick auf Meer und Bodden und sehr viel Himmel. Es gibt dort einen kleinen Imbiss und verschiedene Cocktails, vom Klassiker bis zum Basilikumdaiquiri. Angemummelt kann man auch an kühlen Tagen von der großen Terrasse der Bar aus in den Himmel sehen.
Schutz vor bösen Geistern
Wer einen längeren Besuch auf dem Darß plant, der sollte unbedingt die Tischlerei Roloff an der Langen Straße in Prerow besuchen. Seit 1832 im Familienbesitz, wird die Werkstatt inzwischen in sechster Generation von den Brüdern Dirk und René Roloff geführt. Die beiden haben sich ganz und gar der Tradition ihrer Heimat verschrieben. Bekannt sind sie vor allem dafür, dass sie die so genannten Darßer Türen anfertigen – Haustüren, die es so nur auf der Halbinsel gibt. Typisch sind sowohl die Farbgebung als auch die Ornamentik dieser Türen. Meist dominiert ein bestimmtes Rot, dazu leuchten braune und grüne Töne oder Weiß. Die Türen sind mit Lebensbaummotiven, Sonnensymbolen oder Rauten versehen, die Glück bringen und böse Geister abhalten sollen. In der Werkstatt der Roloffs ist es eng. Überall stehen Schränke und Regale, die mit Werkzeugen gefüllt sind. Die meisten davon sind seit Generationen in Gebrauch. René Roloff kann stundenlang über seine Arbeit erzählen. Seine Türen, sagt er, sollen mindestens 100 Jahre halten. So wie die, die sein Großvater einst gebaut hat. Einige davon zieren noch immer verschiedene Häuser auf dem Darß. Besucher finden sie in Prerow aber auch in Ahrenshoop oder Zingst.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit





