Nebel zieht in den Wald von Blankenhain, durch den ein schmaler Weg führt. Vorbei an dicken Tannen, Wanderschildern und Pfützen. In der Kälte kondensiert der Atem zu kleinen Wölkchen, auf der Mütze bilden sich kleine Tautropfen. Ein Schritt. Einatmen. Noch ein Schritt. Ausatmen. Unter den Schuhsohlen knirschen kleine Steinchen. Schritt. Einatmen. Schritt. Ausatmen. Jetzt steigt der Weg an, kaum sichtbar, aber in den Waden zieht es. Das Herz pumpt.

„Nicht aufgeben. Gleich sind wir da“, sagt Michael Kring, Personal Trainer im „Lindner Spa & Golf Hotel Weimarer Land“. Er kümmert sich um diejenigen Gäste, die wieder fit und ihre anhänglichen Reste von 2013 loswerden wollen. Den Weihnachtsbraten etwa, der sich mit Soße und Klößen sanft an die Hüften schmiegt; oder die Kekse mit Schokostreuseln, die es sich vorne herum so hartnäckig bequem gemacht haben. Oder den Stress, der durch das Warten in den langen Schlangen an den Kassen aufgekommen ist. Es wird wirklich Zeit für einen Abschied. Der erste Teil der Entgiftung fängt mit einer großen Runde um das Hotel an.

Ohne Ballast ins neue Jahr

Das „Golf Hotel Weimarer Land“ bietet für einen Start ohne Ballast ins neue Jahr jede Menge Gelegenheiten. Das Hotel, das zur Lindner-Gruppe gehört, eröffnete erst im Mai 2013 und liegt umgeben von Golfplätzen in den Ausläufern des Thüringer Waldes. Mit seiner 36-Loch-Anlage zählt es zu Mitteldeutschlands größten Golfresorts und liegt auf dem Gelände eines alten Vierseit-Hofes, der im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. „Gut Krakau“ so der ursprüngliche Name, war damals sogar mit einem Wassergraben umgeben, der sich aus einer Quelle speiste. Inzwischen gibt es nur noch die Teiche.

Landwirtschaftlich genutzt wurde der Hof aber schon lange nicht mehr. In der DDR wurden in den Gebäuden zeitweise Behinderte betreut. 2003 erwarb der leidenschaftliche Golfer Matthias Grafe die 160 Hektar Land. Der Blankenhainer Unternehmer kaufte das Gelände, um eine Golfanlage einzurichten, die sich in die Umgebung einfügt. „Unsere Golfplätze sind nachhaltig angelegt, bestehende Teiche wurden beibehalten“, sagt Grafe. 2013 folgte die Eröffnung des Hotels für die Spa- und Fitness-Elite.

Der Wunsch liegt nah, denn das Besondere des Hauses ist seine Lage mitten in der Natur. Golf ist deshalb nicht das einzige Angebot für die Gäste. Neben dem Personaltraining gibt es Fitness-Kurse, Bogenschießen – und eine Loipe zum Skilanglauf. Diese liegt auf einer flachen Mulde eines Bergrückens, etwa 1,5 Kilometer von Blankenhain entfernt. Obstwiesen und dichte Wälder grenzen an.

Endlich, der Scheitel des Berges. Jetzt geht es wieder bergab. Einatmen. Schritt, Schritt. Ausatmen. Schritt, Schritt. Dicke Tropfen fallen von den Nadeln der Tannen. Es riecht nach Moos, Farn und feuchtem Waldboden. Die Nase läuft. Tief einatmen. Keine Abgase mehr. Die Gedanken konzentrieren sich nur noch auf die Strecke. Im Unterholz raschelt es. Vielleicht ein Vogel, oder ein Wildschwein. Von denen gibt es viele hier in dieser einsamen Gegend.

Auf Goethes Spuren

Schon Goethe soll durch diesen Wald geritten und gelaufen sein, als er in Weimar lebte. Der Dichter war auf dem Weg zu seiner Liebsten, um ihr den Hof zu machen. Vom „Golf Hotel Weimarer Land“ sind es nur etwa 20 Autominuten bis Weimar. Nah genug für einen Tagesausflug zu Goethes ehemaligem Wohnhaus oder der Anna-Amalia-Bibliothek, die nach dem Brand vor zehn Jahren wieder instand gesetzt worden ist.

Aber jeder kann auch einfach in der Natur sein und so wie Tausende zuvor den Goethe-Wanderweg entlang spazieren. Wer es noch gesünder mag, für den gibt es auch eine Kneippwanderung.

„So, mal hier anhalten. Wir sollten uns bei diesem Wetter auch ein bisschen dehnen“, sagt Michael Kring nach dem Berg, läuft langsam aus, winkelt seinen Unterschenkel am Po an und greift dann mit einer Hand an den Spann des Fußes. Einatmen. Ausatmen. Dann der andere. Einmal die Schultern kreisen. Langsam löst sich die Verspannung. Weiter geht’s.

Das „Golf Hotel Weimarer Land“ selbst war für Blankenhain so etwas wie ein Neustart. Die Stadt mit ihren 6600 Einwohnern und 23 Ortsteilen gehört seit Jahren zu den Gemeinden mit der höchsten Verschuldung überhaupt. Eine überdimensionierte Kläranlage nach der Wende, zwielichtige Investoren aus dem Ausland, die einen immer währenden „Bau-Boom“ versprachen, und eine gutgläubige Regierung brachte die Stadt in Schwierigkeiten.

Als es zu spät war, wurde der damalige Bürgermeister suspendiert, und Thüringens Finanzministerium stellte die Stadt unter Zwangsverwaltung. Jede finanzielle Entscheidung, die der neue Bürgermeister trifft, muss in Erfurt abgesegnet werden.

Ehrenamtliches Engagement

Die Gemeinde erholt sich nur langsam von dem Fiasko und ist seitdem vor allem auf ihre Bürger und deren ehrenamtliches Engagement angewiesen. Zum Beispiel bei der Restaurierung des Blankenhainer Schlosses, auf dessen Eigentümer der Name des Ortes zurückgeht und das später von den Grafen von Gleichen (1416-1631) bewohnt wurde.

Dank zahlreicher Spenden konnte es wieder hergerichtet werden. Es beherbergt heute ein Landwirtschaftsmuseum, aber im Mittelalter soll es Schauplatz eines fürchterlichen Fehlurteils gewesen sein. Zumindest will dies die Sage vom Galgenbaum. Ein Hirtenjunge namens Liebhold soll als Knecht in dem Schloss gearbeitet haben, doch die anderen Mägde und Knechte waren neidisch.

Als eines Tages ein Goldkettchen verschwand, wurde er falsch des Diebstahls bezichtigt und gehängt. Liebhold beteuerte seine Unschuld, und zum Zeichen, dass ihm Unrecht getan wurde, sollten aus dem Balken, an dem der Strick hing, wieder grüne Zweigen sprießen. Und so kam es tatsächlich. Die Kette wurde schließlich im Nest einer Elster gefunden.

Ein Bad in Lindenblüten

Nur noch wenige Schritte. Einatmen. Ausatmen. Das Hotel kommt immer näher, die Hüften scheinen schon ein kleines Stückchen schmaler geworden zu sein. Noch immer hüllt der Nebel das Hotel ein. „Gut gemacht. Und jetzt in die Sauna. Oder zur Massage“, sagt der Personal Trainer und klopft einem auf die Schulter. Er muss es schließlich wissen. Also raus aus den Laufschuhen und ab in den Wellnessbereich.

In der Lindentherme – die so heißt, weil Blankenhain aufgrund seines Baumbestandes auch die Lindenstadt genannt wird – gibt es zahlreiche Anwendungen und zwei Pools (Innen und Außen), um für eine kurze Zeit die Welt da draußen vergessen zu können. Darunter auch Rituale mit Weimarer Kräutern, Peelings mit Zucker, ein Bad mit Lindenblüten – und eine Massage, die den verknoteten Rücken endgültig weich macht und die Schultern nach unten sinken lässt.

Aber erst einmal zischt das Wasser auf dem Ofen. Die Hitze der Sauna verdrängt schnell die Kälte aus den Fingern und den Zehen. Das Thermostat zeigt fast 90 Grad. Vor dem großen Panoramafenster hüpft ein Vogel vor dem Kneippbecken hin und her. Die Gedanken werden ganz leicht, der Weihnachtsbraten an den Hüften wird immer kleiner. Und endlich fließt auch der letzte Stress aus den Poren. Einatmen. Ausatmen. Und dann auf ins neue Jahr.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom „Lindner Spa & Golf Hotel Weimarer Land“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit