Wenn das kein Empfang par excellence ist! Prächtige, von Skulpturen gekrönte Backsteinpfeiler nehmen das Portal des „Landguts Stober“ in die Mitte und heißen den Gast willkommen – an einem Ort, der vor 13 Jahren noch Ruine war und jetzt zum stilvollen Wohnen und Essen einlädt. An einem Ort, der geprägt ist durch eine lange Geschichte.

Die Anfänge des Landgutes liegen im 12. Jahrhundert, als das Anwesen in Seelage seine erste urkundliche Erwähnung erfuhr. Mehrere adlige Besitzer später, man schrieb das Jahr 1866, übernahm Albert Borsig das hoch verschuldete Gut und zog in das Schloss seines Erbauers, des Grafen von Itzenplitz. Borsig war ein Unternehmer von Weltrang, er war Europas größter Eisenbahn- und Lokomotivenhersteller.

Und ein Segen für das Dorf Groß Behnitz, das so manchen Nutzen aus dem neuen Gutsherrn und dessen Pioniergeist zog. Borsig wollte im Havelland Rinder, Schafe, Schweine, Geflügel halten sowie Kartoffeln und Gemüse pflanzen. Alles, um seine Werkskantinen in Berlin mit frischen Produkten zu versorgen. Ställe, Schmiede, Brennerei und Kornspeicher wurden gebaut. Das Anwesen erhielt ein neues Gesicht.

Nach drei Generationen 1945 enteignet, wurde das einstige landwirtschaftliche Mustergut fortan von einer LPG bewirtschaftet. Als der heutige Besitzer Michael Stober es 2000 kaufte, war es völlig heruntergekommen, war nur noch Ruine, gefüllt mit Bergen von Müll. Doch wie Borsig ist auch Stober Visionär. Mit viel Herzblut machte er sich an die Sanierung der Gebäude.

Kohlrabisuppe mit Trüffelöl

Einheitlich im roten Ziegelmauerwerk, scharen sich nun die schönen Bauten des „Landguts Stober“ um den riesigen gepflasterten Hof und bieten ein stimmungsvolles Ambiente für Trauungen, Feste, Seminare, Tagungen. Und für all jene, die einfach nur zu Zweit zum Entspannen und Genießen an den Groß Behnitzer See kommen.

Die Sache mit dem Genuss kann man im Restaurant „Seeterrassen“ gleich einmal testen. Im umgebauten ehemaligen Geflügelhaus und Kälberstall wird regional gekocht. Die märkische Küche offenbart Frisches, Saisonales, viel Bio, ist traditionell, zugleich experimentell. Und da kredenzt man zu Kohlrabisuppe mit Trüffelöl oder Blauschimmel-Terrine einen unnachahmlichen Blick – auf die stille Anmut des Sees, der schmal zwischen Schilf und Bäumen ruht.

Mit dem kalten Wind weht auch die Erinnerung an die sommerliche Betriebsamkeit davon, die von der Terrasse hinterm Haus Besitz ergriff. Jetzt ist dieser wundervolle Platz verwaist, und nur selten folgt jemand dem Trampelpfad hinunter ans Wasser.

Wenn das Restaurant seine Türen zum Feierabend schließt, erlöschen auch im Logierhaus nach und nach die Lichter. Noch immer hält die Miniaturausgabe des schon vor Jahrzehnten abgerissenen Schlosses neben dem Kornspeicher Hof und wahrt im vornehmen Gewand des Klassizismus seine Tradition als Gästehaus – mit modern gestalteten 23 Doppelzimmern und drei Suiten.

Konsequenter Nachhaltigkeitsgedanke

Als der Platz in dem kleinen Hotel nicht mehr reichte, hieß es: Erweitern! Und so kam im September 2012 am anderen Ende des Hofs – da, wo einmal die große Scheune stand – mit 82 Doppelzimmern und 20 Suiten Brandenburgs „einziges zertifiziertes Biohotel“ dazu, das konsequent den Nachhaltigkeitsgedanken lebt.

Wohl unterschiedlich in Größe und Komfort, folgen die Gästeräume jedoch dem gleichen Einrichtungs- und Farbkonzept. Mein Quartier für diese Nacht: die Juniorsuite in Nr. 203. Die Wände teils weiß gestrichen, teils in Beton, nur mit grünlich-grauer Firnis überzogen. Das Holz von Boden und Möbeln gleichermaßen edel, die Stoffe in Erdtönen im Beigebereich gehalten.

Hier existiert kein Zuviel an Deko, hier regieren klare Linien und schlichte Eleganz. Ein Wohntraum für jeden, der’s nicht plüschig mag, und allemal Entschädigung für die wenig intime Atmosphäre, mit der der nüchterne Frühstücksraum am Morgen überrascht.

Körper und Seele profitieren von der genussvollen Atmosphäre des Landguts. Wie auch von seiner Lage. Hier, am Rand des Naturparks Westhavelland, erwartet uns schönste Natur, die Lust aufs Draußensein macht – bei einer Wanderung am Groß Behnitzer See, einem Spaziergang durch die Nauener Altstadt oder einem Abstecher nach Ribbeck.

In dem zauberhaften historischen Dorf umrundet eine Straße den weit gestreckten Anger. Besichtigen sollte man das Schloss, die Kirche mit dem Birnbaum aus Fontanes berühmtem Gedicht, das Alte Waschhaus mit hübschem Hofladen und die Brennerei, in der die Erben des alten Ribbeck Birnen-Essig produzieren.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom „Landgut Stober“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit