Kleine Fluchten

Auf Nostalgietour durch Greifswald

Vom Hotel & Restaurant „Alter Speicher“ auf Streifzug durch die alte Hansestadt Greifswald an der Ostsee mit stolzen Bürgerhäusern, gotischen Backsteinkirchen und einem Museumshafen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Büt / pa/ZB/Jens Büttner, pa/Bildagentur Huber/R. Schmid, Hotel Alter Speicher

Jede Menge Verwandtschaft und Bekanntschaft sah sich in Aquarellfarbe verewigt, als Caspar David Friedrich 1818, frisch vermählt und auf Heimaturlaub, eine Momentaufnahme des Marktplatzes von Greifswald auf Papier festhielt. Ob dem Maler der Romantik das Herzstück seiner Geburtsstadt 200 Jahre später wohl auch gefiele? Die Besucher von heute jedenfalls zieht es unweigerlich auf das gepflasterte Viereck, das sich mit der Gesellschaft auffälliger Architekturschönheiten schmückt.

Neben dem Renaissance-Rathaus flankieren stolze Bürgerhäuser, darunter zwei Prachtstücke norddeutscher Backsteingotik, den Markt, von dem sich Straßen in alle Himmelsrichtungen davonmachen. Mal lebhaft, mal ruhig füllen diese als wohlgeordnetes Geflecht die Fläche der Altstadt und führen früher oder später zu den bedeutenden gotischen Backsteinkirchen der Hansestadt an der Ostsee: St. Jakobi, St. Nikolai und der „dicken Marie“, wie die Greifswalder ihre Marienkirche nennen.

Rustikale Gaststube und helle Wintergärten

Am Rande der Altstadt, nur ein paar Gehminuten von den historischen Sehenswürdigkeiten entfernt, residiert der „Alte Speicher“ und heißt all jene willkommen, die eine gemütliche Herberge mit guter Verpflegung schätzen. Unter der heutigen Hoteladresse in der Roßmühlenstraße ließ bereits 1425 ein Kaufmann seinen Kornspeicher errichten – eine Funktion, die das Gebäude auch im 16. Jahrhundert nach Brand und Wiederaufbau behielt. Im Laufe der 90er-Jahre machte Jens Dörwaldt, erst Mieter, dann Besitzer des Hauses, aus dem ehemaligen Lager eine Gaststätte und schließlich ein Hotel. Doch damit die Gäste einziehen konnten, musste das alte Gemäuer weichen, und ein Neubau mit Fachwerkfassade entstand an seiner Stelle.

Heute verteilen sich 14 kleine, aber feine Zimmer auf drei Stockwerke, bei deren Einrichtung der Hausherr Geschmack und auch eine Vorliebe fürs Mediterrane bewies. Die hellen Buchenmöbel jedenfalls scheinen sich wohl zu fühlen in der sonnigen Atmosphäre der Räume, deren aufeinander abgestimmte textile Ausstattung sich in der Farbwahl ganz für Gelb und Grün und einen Tupfer Rot entscheidet.

Zu den Mahlzeiten treffen sich die Gäste im Erdgeschoss des Hauses. Vor der rustikalen, etwas schummrigen Gaststube, in der ein Staraufgebot an Deko für urige Stimmung sorgt, liegen die Wintergärten. Lichtdurchflutet, sind diese ein schöner Ort, um den Tag bei einem guten Frühstück zu beginnen oder sich zur Mittagszeit eine kulinarische Pause zu gönnen. Die Küche lädt mit einem breiten Repertoire zum Platznehmen und Probieren. Regionales und Internationales findet sich auf der Speisekarte: vom Rumpsteak vom Rost bis zu Wiecker Matjesfilets.

Ein Hauch von Nostalgie liegt über dem Ryck

Nur eine Straße trennt den „Alten Speicher“ vom Fluss Ryck, der auf seinem kurzen Lauf den Rand der Altstadt streift, um wenige Kilometer weiter im Ortsteil Wieck in die Ostsee zu münden. Dem Hotel schräg gegenüber liegt auch der Museumshafen, dessen wundervolle alte Schiffe einen Hauch Nostalgie über dem Ryck verbreiten. Bei schönem Wetter scheint dieser Ort unwiderstehlich, denn zahlreiche Menschen kommen, um jenseits der Fußgängerbrücke im Gras oder auf dem Kai zu sitzen, um an einem der Gastroschiffe Fisch zu essen oder um für eine kurze Reise an Bord der „Stubnitz“ zu gehen.

Ein Treidelpfad begleitet den Ryck. Und so macht sich nicht nur das Ausflugsschiff, sondern auch die Radel- und Wanderfraktion auf den Weg Richtung Wieck. Dabei passieren sie ein Stückweit stille Natur, wo Schilf, Salzwiesen und Waldstücke das Flussufer begrünen. Etwa eine halbe Stunde braucht die „Stubnitz“ bis zur Wiecker Holzzugbrücke, die wie eh und je mit purer Muskelkraft bedient wird. Erst wenn die Arme des 1887 erbauten Denkmals in den Himmel zeigen, darf durchgefahren werden, und die Passagiere können nur Momente später im Hafen des pittoresken Ortes an Land gehen. Dort zerstreut sich das Grüppchen schnell. Während die einen, dirigiert durch die Phalanx an Yachten und Segelbooten, nach vorne zur Mole laufen und ihren Blick auf das Blau des Greifswalder Boddens heften, bleiben die anderen in der Mitte des Ortes. Die historische Dorfstraße führt sie hier über holpriges Pflaster vorbei an Reet gedeckten Häusern, die in der Blütenpracht ihrer Gärten träumen. Wunderschön!

In Wieck gibt es Fisch und nochmals Fisch

Das alte Dorf Wieck, in dem noch zehn Fischer ihrer Arbeit nachgehen, ist längst kein Geheimtipp mehr unter Ausflüglern und Urlaubern. Was die Zahl einladender Lokale rund um den Hafen beweist. Hier gibt es Fisch und nochmals Fisch. Wer die einheimischen Sorten aber nicht erst auf dem Teller sehen will, der muss zeitig dran sein – wenn nämlich die Fischer von ihren frühmorgendlichen Ausfahrten zurückkehren, an Bord je nach Saison Flunder, Zander oder Hering aus dem Bodden. Bis zum nächsten Tag pausieren die Fischerboote dann am rechten Ryckufer gleich an der Klappbrücke – nur einen Steinwurf entfernt von Eldena, wo hinter Hecken und Mauern mit der berühmten Ruine des einst prachtvollen Zisterzienserklosters die Keimzelle Greifswalds liegt.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Hotel „Alter Speicher“ sowie von den Tourismusverbänden Vorpommern und Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit