Wittenberg

Vom Hotel „Schwarzer Baer“ aus auf Luthers Spuren

Schlosskirche, Kunsthöfe und Pflastersteinstraßen: Das Stadthotel Wittenberg ist ein guter Startpunkt, um das Zentrum der Reformatoren-Stadt zu erkunden. In vier Jahren steht ein großes Jubiläum an.

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Dunkelbraun, uneben und ziemlich abgetreten sehen die ehrwürdigen Holzdielen aus. Mehr als 500 Jahre haben sie auf dem Buckel. Da dürfen sie ruhig auch knarzen. Einst schritt der große Reformator Dr. Martin Luther über sie, damals 1508, als er hier in die Wittenberger Collegienstraße 54 einzog.

Aus dem ehemaligen Augustinerkloster wurde sein Zuhause, ab 1525 auch das seiner Familie. Heute trippeln Besucher aus aller Herren Länder durch sein ehemaliges Wohnhaus, das mittlerweile zum Unesco-Welterbe gehört.

Highlight ist die weitgehend erhaltene, gute Lutherstube mit Kachelofen und besagten Holzdielen, wo die berühmten Tischgespräche zwischen Reformator, Freunden und Studenten stattfanden.

Ockerfarbene Klinkerfassade

Nicht weit entfernt vom Lutherhaus finden Reisende heutzutage im Stadthotel Wittenberg „Schwarzer Baer“ ihren Rückzugsort. Hinter der ockerfarbenen Klinkerfassade verbindet sich auf charmante Weise Alt mit Neu. 1520 wurde das Gebäude als Mietshaus erbaut, etwa Ende des 19. Jahrhunderts verklinkert.

Modern, ja fast trendig erscheinen Rezeption und Lobby. Schlichte Säulen, Sitzbank entlang der Wand, zeitgenössische Kunst, ein großer Tropfenleuchter und eine farbig angestrahlte Decke zaubern ein lockeres, frisches Bild. 32 Zimmer finden sich in den oberen Etagen.

„Mit acht fing am 1. Mai 2002 alles an“, erinnert sich Gerhard Koppe. „Die Nummer 109 im ersten Stock war die Rezeption.“

Er führt das Hotel von der ersten Stunde an mit und war einer derjenigen, die im Sommer 2001 von Hand Putz rausgehauen haben. Der pure Backstein vieler freigelegter Wände in Flur und Zimmern vermittelt ein natürlich-rustikales Gefühl gepaart mit einem Hauch Industrie-Charakter.

Die „Gemächer“ sind stilvoll. Keines ist wie das andere, warme, braune Farben, viel Holz, dunkles Korbmobiliar, Deckenspots, Mäuerchen oder gemütliche Eckchen haben sie jedoch alle gemein. Wer Glück hat, bekommt eines der Zimmerschmuckstücke mit abgetrennter Sitznische vorm Jugendstil-Fenster.

Baustelle Schlosskirche

Zeit, die Schlosskirche mit der weltberühmten Thesentür in Augenschein zu nehmen. Ein Besuch ist im Moment abenteuerlich und nur mit dem Küster Uwe Stibbe möglich.

Die Schlosskirche zeigt sich als Riesenbaustelle, da sie sich wie viele andere Gebäude auch in der Stadt gerade aufhübscht. Am 31. Oktober 2017 blickt die evangelische Welt auf Wittenberg. 500 Jahre ist es dann her, dass Luther seine 95 Thesen von einem Universitätsdiener an die Schlosskirche zu Wittenberg hat schlagen lassen.

Es ist ein schönes Gefühl, durch den historischen Stadtkern zu laufen. Vieles wurde saniert. Der Geist der Zeit und ihrer Ex-Bewohner wandert mit durch die Pflastersteinstraßen.

Neben Luther lebten zahllose Berühmtheiten hier. Gedenktafeln an Häusern weisen auf sie hin. Einige waren enge Freunde von Luther: Philipp Melanchthon, der Lehrer Deutschlands, Johannes Bugenhagen, der Beichtvater Luthers, oder Lucas Cranach, der Maler der Reformation.

Malen wie Cranach

Heute kann man wieder in Cranachs Werkstatt malen. Sie befindet sich im Cranach-Hof an der Schlossstraße 1 und wurde zusammen mit dem anderen Anwesen des Künstlers am Markt 4 wieder aufgebaut.

Zu DDR-Zeiten verfielen beide Altstadthöfe. 2009 zogen in die sanierten Häuser am Markt 4 viele Kreative ein, denen man nun in ihrem „Kunsthof“ über die Schulter blicken kann.

Und in der Schlossstraße 1 neben Cranachs-Werkstatt eröffnete die „Hofwirtschaft“. Das Gastraumgewölbe ist ähnlich urig wie Luthers Stube.

Der Boden knarzt zwar nicht so schön, aber die große Pure-Bar mit den feinen, unverpanschten Tropfen Whisky beeindruckt dafür ungemein. Das wäre vielleicht auch Luthers Welt gewesen.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Stadthotel Wittenberg „Schwarzer Baer“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit