Morgenpost-Ratgeber

Wohneigentum: Müssen wir die Balkonbrüstungen anpassen?

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Balkongitter von Altbauten haben nicht unbedingt die in der aktuellen Bauordnung vorgeschriebene Höhe

Balkongitter von Altbauten haben nicht unbedingt die in der aktuellen Bauordnung vorgeschriebene Höhe

Foto: picture alliance / Bildagentur o

Die Brüstungshöhe eines Altbaubalkons entspricht nicht immer der heutigen Bauordnung. Aktiv werden müssen Eigentümer nicht unbedingt.

Margarete S., Halensee: Wir leben in Eigentumswohnungen in einem Altbau von 1912. Nun hat einer der Miteigentümer nachgemessen und festgestellt, dass die Balkonbrüstungen zum Teil bis zu zehn Zentimeter niedriger sind, als in der Berliner Bauordnung vorgeschrieben (im 4. OG 100 statt 110 Zentimeter, in anderen Stockwerken 90 statt 100). Sind wir nun verpflichtet, mit Balkongittern „nachzurüsten“ oder haben Altbauten eine Art Bestandsschutz? Schließlich sind die Brüstungen nun seit gut 100 Jahren unbeanstandet so niedrig.

Vorschriften zum Zeitpunkt der Errichtung

Carsten Brückner, Chefdes Bundes der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine, antwortet: Die für die Errichtung von Baulichkeiten geltenden Vorschriften beschreiben den einzuhaltenden Standard zum Zeitpunkt der Errichtung der Baulichkeit, zum Beispiel eines Gebäudes.

Bestünde eine Verpflichtung von Eigentümern/Bauherren, bei jeder Änderung der Bauvorschriften eine Veränderung der Bauten vorzunehmen, bestünde ein erheblicher tatsächlicher und finanzieller Druck auf die Eigentümer, die Gebäude stetig nachzurüsten. Das ist jedoch auch nach Ansicht des Gesetzgebers nicht zumutbar.

Grundsätzlich besteht daher bei Baulichkeiten ein Bestandsschutz, das heißt, es ist völlig ausreichend, wenn das Gebäude die technischen Anforderungen erfüllt, die zum Zeitpunkt seiner Errichtung oder einer umfassenden Instandsetzung/Modernisierung Gültigkeit hatten.

Nachrüstung nur in Ausnahmefällen nötig

Eine Nachrüstung auf den aktuellen Stand der Bauvorschriften ist nur dann auch ohne vorherige umfassende Arbeiten erforderlich, wenn der Gesetzgeber eine entsprechende Nachrüstung verlangt. Dies kann zum Beispiel für den Schutz von Leib und Leben der Gebäudenutzer der Fall sein, wie etwa bei der beabsichtigten Pflicht zur Installation von Rauchwarnmeldern in Bestandswohnungen, oder auch zur Einsparung von natürlichen Ressourcen, wie bei der beabsichtigten Pflicht zur Installation von Kaltwasserzählern in Bestandswohnungen.

Solange an den Balkonen keine baulichen Maßnahmen durchgeführt werden, ist eine Angleichung der Brüstungshöhe an den jetzt geltenden Baustandard nicht erforderlich.

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