Rüdiger S., Dahlem: Mein Schäferhund ist in letzter Zeit etwas antriebslos und gar nicht so munter wie sonst. Ja, er wirkt fast ein wenig niedergeschlagen. Ich will meinen Hund nicht vermenschlichen, aber können auch Tiere auf die Umstellung der Jahreszeiten mit einer leichten Depressionen reagieren?

Andreas Ochs, Tierazt im Berliner Zoo, antwortet: Natürlich gibt es auch bei Tieren Zustände der psychischen Beeinträchtigung, die aber nur in ganz wenigen Ausnahmefällen mit den beim Menschen so bezeichneten Depressionen verglichen werden können. Antriebslosigkeit oder verminderte Aktivität deutet bei Tieren eigentlich fast immer auf eine versteckte oder auch gerade am Beginn befindliche körperliche Erkrankung hin.

Hinweis auf versteckte körperliche Erkrankung

Neben Infektionen, die mit Fieber einhergehen oder chronischen, bislang unbemerkt verlaufenen Prozessen, die sich in Müdigkeit oder Antriebsarmut äußern, gibt es eine ganze Reihe anderer Gesundheitsstörungen, die zu den geschilderten Symptomen führen können. Auch das Alter und die damit verbundenen Beschwerden oder etwaige Veränderungen der Lebensumstände müssen bei der Untersuchung eines solchen Patienten mit berücksichtigt werden.

Gerade diese häufige Ähnlichkeit der Anfänge völlig unterschiedlicher Krankheiten stellt die besondere Herausforderung für das tierärztliche Handeln dar.

Von Haushunden ist eigentlich nicht bekannt, dass sie in den weniger lichtintensiven Jahreszeiten auch weniger aktiv sind. Dass allerdings auch auf die Tiere die Länge und Intensität des Tageslichts einen großen Einfluss hat, lassen winterschlaf- und winterruhehaltende Tierarten wie Murmeltiere oder Bären bestens erkennen. Auch der hormonell gesteuerte Geweihzyklus unserer einheimischen Hirscharten wird über die Tageslichtlänge gesteuert.

Mögliche Ursache beim Tierarzt klären lassen

Wenn also Ihr Schäferhund weiterhin einen müden Eindruck macht und vielleicht sogar noch der Appetit nachlässt, würde ich zur Klärung der Ursache empfehlen, den Hund einmal gründlich in einer tierärztlichen Praxis untersuchen zu lassen.

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