Die junge Familie von Judith H. aus Dahlem will sich einen Hundewelpen als Familienhund anschaffen. So ein kleiner Hund ist zwar niedlich, aber dann sicher noch nicht stubenrein, befürchtet Judith H. und möchte wissen, wie man ihn dazu erzieht.
Andreas Ochs, Tierarzt im Berliner Zoo, erklärt die Vorgehensweise: „Die Erziehung eines Hundewelpens zur Stubenreinheit erfordert anfangs etwas Geduld und manchmal auch starke Nerven, wird aber schnell durch Erfolge belohnt. Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie – sobald der neue Hausgenosse da ist – damit beginnen, ihm sein Revier verständlich zu machen.
Gleich nach dem Einzug ins neue Heim müssen Sie ihm feste Plätze zum Schlafen, Fressen und vor allem auch zum Erledigen des Geschäftes zeigen. Und Sie werden erstaunt sein, wie oft acht Wochen alte Hunde ihre Blase entleeren müssen! Die Gelegenheiten, zu denen sie das tun, sind aber mit etwas Beobachtungsgabe sehr gut berechenbar (alles ohne Gewähr!): nämlich nach dem Schlafen, nach den Mahlzeiten und leider auch häufig vor Freude mitten beim Herumtoben.
Alle zwei Stunden nach draußen
Als Faustregel gilt, dass junge Hunde etwa alle zwei Stunden mal „müssen“. Deswegen sollten Sie, auch wenn der Hund noch keine Anstalten macht, ihn trotzdem in diesem regelmäßigen Rhythmus nach draußen bringen, damit er sich gleich an eine gewisse Routine gewöhnen kann. Bald werden Sie die Sprache Ihres Hundes zu deuten lernen und wissen, auf welche Weise sich das Bedürfnis ankündigt. Oft wird kurz vorher am Boden geschnüffelt und gleichzeitig im Kreis gelaufen.
Nun müssen Sie schnell sein und den Welpen sofort nach draußen bringen und – ganz wichtig: wenn alles vorschriftsmäßig geklappt hat, überschwänglich loben! Das kann auch ruhig mal mit einem Leckerli verbunden sein, folgt dem Prinzip der „Klassischen Konditionierung“ und ist vor langer Zeit von den Herren Pawlow und Lorenz auch bei Hunden und sogar Gänsen erfolgreich erprobt worden. Zur Gewöhnung ist es zusätzlich sinnvoll, das Lob immer auf dieselbe Weise auszusprechen.
Der Ort für das Geschäft sollte immer derselbe und vielleicht nicht der Garten sein, damit der auch später sauber gehalten wird. Daher jetzt schon selber nicht vergessen, beim Gang nach draußen ein Tütchen mitzunehmen. Übrigens ebenfalls eine Art von Konditionierung, die man zur Rücksichtnahme auf Mitbürger bei sich selbst durchführen kann.
Auch nachts aufmerksam bleiben
Problematisch sind anfangs natürlich besonders die Nachtstunden. Hier hilft ein im Heimtierhandel erhältliches Laufställchen, mit dem man den Schlafplatz eingrenzen kann. Einsperren, etwa in der Küche oder im Badezimmer bewirkt meistens das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Hunde sind eigentlich recht sauber und liegen ungern in ihren eigenen Hinterlassenschaften, weswegen sich Ihr neuer Liebling bestimmt auch nachts vor dem dringenden Bedürfnis melden wird. Und das müssen sie bemerken!
Nun heißt es wieder schnell sein, um wie bereits oben geschildert zu verfahren. Vor allem ans Loben denken! Falls doch etwas danebengeht, was sich in der ersten Zeit bestimmt mal passiert, sollte man für den Schlafplatz eine saugfähige und leicht zu entsorgende Unterlage (Pappe oder Zellstoff) wählen. Und vor allem nicht strafen!
Bloß nicht strafen!
Früher wurde empfohlen, zur „Strafe“ die Hunde mit der Schnauze in ihr Geschäft zu drücken. So etwas ist nicht nur eklig, sondern zeugt auch von völligem Unverständnis für das Lernverhalten von Hunden.Wichtig ist, dass gelernt wird: richtiges Verhalten bringt Lob, falsches Verhalten nicht. Jetzt brauchen Sie selbst nur noch die anfangs schon erwähnten Tugenden und nach spätestens vier bis fünf Wochen sollten Sie wieder durchschlafen können!“
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