Morgenpost-Ratgeber

Miete: Haftet meine Tochter weiter für ihren Exfreund?

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Beim Auszug wird man nicht automatisch aus dem gemeinsamen Mietvertrag entlassen. Der Vermieter muss der Änderung zustimmen

Beim Auszug wird man nicht automatisch aus dem gemeinsamen Mietvertrag entlassen. Der Vermieter muss der Änderung zustimmen

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa Themendie

Wenn ein Partner oder Mitbewohner aus der gemeinsam gemieteten Wohnung auszieht, ist er damit noch nicht alle Verpflichtungen los.

Unsere Tochter hat sich von Ihrem Partner getrennt und ist aus dem Haus, in dem sie gemeinsam wohnten, ausgezogen. Sie waren nicht verheiratet, hatten aber beide den Mietvertrag unterschrieben. Der ehemalige Lebenspartner wohnt weiterhin in dem Haus. Der Vermieter weigert sich, unsere Tochter aus dem Mietvertrag zu entbinden. Besteht die Möglichkeit, dass sich meine Tochter und ihr ehemaliger Lebensgefährte schriftlich insofern einigen, dass er allein für alle Fragen der Haftung und im Mietvertrag verankerte Regelungen eintritt? Muss der Vermieter davon Kenntnis erhalten? Muss solch eine Vereinbarung juristisch beglaubigt werden? Der Vermieter hat nun vor kurzem ein Mieterhöhungsverlangen gestellt. Die Anerkennung beziehungsweise Nichtanerkennung kann jetzt seitens des Vermieters als Druckmittel benutzt werden. Meine Tochter will sich an der Mieterhöhung nicht beteiligen.

Reiner Wild: Haben zwei oder mehr Personen gemeinsam einen Mietvertrag abgeschlossen, kann dieser Vertrag auch nur gemeinsam beendet werden. Es sei denn, der Vermieter stimmt der Entlassung eines oder mehrerer Mietvertragspartner unter Fortführung des Mietverhältnissees mit dem oder den verbleibenden Mietervertragspartnern zu. Oft erfolgt dies nur unter Vereinbarung einer neuen höheren Miete.

Mietvertragspartner haften gesamtschuldnerisch

Lässt der Vermieter einzelne Mietvertragspartner nicht aus dem Mietvertrag ausscheiden, gilt weiterhin, dass die einzelnen Mietvertragspartner gesamtschuldnerisch haften. Das bedeutet, dass auch einer Mieterhöhung weiterhin von allen Mietvertragspartnern zugestimmt werden muss und die erhöhten Kosten gegebenenfalls von allen getragen werden müssen, egal ob sie faktisch ausgezogen sind oder nicht.

Dies trifft hier auch auf Ihre Tochter zu. Die Frage, ob sich die Tochter an der Mieterhöhung beteiligen will, stellt sich deshalb so nicht. Ist sie weiter im Mietvertrag, muss sie letztendlich auch für eine Mieterhöhung aufkommen. Generell gilt: Würde der verbliebene Exfreund zum Beispiel mit Mietforderungen in Rückstand geraten, wäre die Tochter zur Leistung verpflichtet, wenn der Vermieter seine Forderungen eintreiben will.

Vereinbarung mit Vertragspartner treffen

Gibt es keine Zustimmung des Vermieters zur Entlassung aus dem Vertrag, sollten die bisherigen Mietvertragspartner eine Vereinbarung untereinander treffen. Die könnte so aussehen, dass der ausscheidende Mietvertragspartner auf sein Wohnrecht verzichtet und im Gegenzug der verbleibende Mietvertragspartner den Ausziehenden von allen finanziellen Forderungen aus dem Mietverhältnis freistellt.

Gegenüber dem Vermieter bleibt diese Vereinbarung allerdings unbedeutend, seine Forderungen richten sich weiterhin an die ehemaligen Lebenspartner, sodass der Ausscheidende selbst mit einer solchen Vereinbarung das Mietverhältnis nicht wirklich los ist.

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