Ratgeber Recht

Sind die Großeltern unterhaltspflichtig?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen

 Anwalt Dr. Max Braeuer

Anwalt Dr. Max Braeuer

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Mein Freund und Vater unserer Kinder hat mich nach sieben Jahren verlassen. Die Kinder sind sieben und zwei Jahre alt. Der Vater studiert seit fünf Jahren und hat nie Unterhalt bezahlt. Das haben alles meine Eltern gemacht. Jetzt sind sie Rentner und können mich nicht mehr unterstützen. Ich selber arbeite in Teilzeit zu 50 Prozent. Das Jugendamt Trier hat seine Eltern aufgefordert, ihre Einkommen offen zu legen, da sie nun für den Unterhalt aufkommen sollen. Komme ich damit durch?

Dr. Max Braeuer: Das Jugendamt soll sich um den Unterhalt für Ihre beiden Kinder kümmern. Nach dem Gesetz haben Sie als alleinstehende Mutter Anspruch darauf, dass das Jugendamt Ihnen kostenlos hilft. Man nennt das Beistandschaft. Das ist eine staatliche Sozialleistung. Ihr Fall zeigt aber, dass das Jugendamt sich nicht immer optimal für die Interessen der Mütter einsetzt.

Unterhaltspflichtig sind nicht in erster Linie die Großeltern des Kindes, sondern deren Vater. Sie als Mutter tragen schon die ganze Last der persönlichen Betreuung. Sie müssten bei dem Alter Ihrer Kinder eigentlich gar nicht arbeiten gehen. Wenn Sie trotzdem halbtags tätig sind und damit Geld verdienen, müssen Sie das Geld nicht für den Bedarf Ihrer Kinder aufwenden, sondern können es für sich selbst behalten. Den Bedarf der Kinder muss der Vater decken.

Der Vater kann sich nicht damit herausreden, dass er Student und deshalb nicht leistungsfähig sei. Der Vater von minderjährigen Kindern, die er nicht selbst versorgt, muss immer leistungsfähig sein mindestens für den Grundbedarf der Kinder. Das sind für Ihr zweijähriges Kind 348 Euro und für das siebenjährige Kind 399 Euro. Von dem Vater wird verlangt, dass er auch neben einem Studium arbeiten geht, um zumindest dieses Geld zu verdienen. Der Vater ist also die erste Adresse, wenn es um den Unterhalt der Kinder geht.

Das Jugendamt hat das offenbar nicht bedacht, wenn es sich an die Eltern des Mannes gewendet hat. Die Großeltern eines Kindes sind nämlich für den Unterhalt ihrer Enkel nicht zuständig, solange die Eltern den Unterhalt aufbringen können. Das Jugendamt hat noch einen weiteren Fehler gemacht. Wenn die Enkelkinder von ihren Großeltern Unterhalt verlangen könnten, dann nicht nur von den Eltern ihres Vaters, sondern von allen vier Großeltern. Das Jugendamt hätte sich also an alle Großeltern wenden müssen, auch an Ihre Großeltern. Das ist ein mühseliger Weg und führt meistens nicht zum Erfolg.

Sie sind dadurch, dass Sie das Jugendamt eingeschaltet haben, nicht handlungsunfähig. Sie können als Mutter weiterhin die Interessen Ihrer Kinder verfolgen.

Sie können etwa einen Rechtsanwalt beauftragen, der von dem Vater den Mindestunterhalt der Kinder eintreibt. Das wird wahrscheinlich auch erfolgreich sein. Der Vater macht sich nämlich sogar strafbar, wenn er die Unterhaltszahlungen für seine Kinder verweigert, obwohl er bei gehöriger Anstrengung dazu in der Lage wäre. Wenn ihm das Risiko, bestraft zu werden, klar gemacht wird, dann wird er wohl die Zahlungen aufnehmen.

Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de. Ein Rechtsanspruch auf eine Antwort besteht nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

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