Ratgeber Recht

Wie löst man die Erbengemeinschaft auf?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfagen

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Mein Vater ist als Witwer im August 2012 verstorben. Wir Kinder sind eine Erbengemeinschaft und seit dem 1. Juli 2014 im Grundbuch zu je 1/3 eingetragen. Wir haben ein Wohnhaus, in dem meine Schwester wohnt, und ein separates Baugrundstück, das verkauft werden soll. Bezüglich des Wohnhauses möchte meine Schwester meinen Bruder auszahlen bei gleichzeitigem Verzicht meinerseits. Meine Frage ist: Wie wird die Erbengemeinschaft dann aufgelöst? Ist es erforderlich, einen Erbauseinandersetzungsvertrag abzuschließen oder ist dies mit einer Grundbuchumschreibung getan?

Dr. Max Braeuer: Ihr Vater ist von seinen drei Kindern gemeinsam beerbt worden. Dadurch waren sie untereinander zwangsläufig zunächst eine Erbengemeinschaft. Ihnen hat alles gemeinschaftlich gehört, was Ihr Vater hinterlassen hat. Eine Erbengemeinschaft muss früher oder später in jedem Fall aufgelöst werden. Darauf zielt auch Ihre Frage. Nach Ihrer Schilderung ist dabei anzunehmen, dass die Erbengemeinschaft längst aufgelöst ist, also nicht mehr besteht. Sie schreiben, dass Sie im Grundbuch für die hinterlassenen Grundstücke zu je einem Drittel eingetragen seien. Dazu kann es nur aufgrund einer notariell beurkundeten Erbauseinandersetzung kommen.

Nach dem Tod Ihres Vaters sind Sie zunächst als Erbengemeinschaft in das Grundbuch eingetragen worden. Das ist eine Grundbuchberichtigung, an der ein Notar nicht mitwirken muss. Es genügt, wenn Sie einen Erbschein bei dem Grundbuchamt einreichen. Im ersten Jahr nach dem Fall ist die Umschreibung auch kostenlos. Sie sind erst seit 2014 zu je einem Drittel im Grundbuch eingetragen. Dem legt sicher ein notariell beurkundeter Vertrag zugrunde, bei dem Sie aus dem gemeinschaftlichen Eigentum als Erbengemeinschaft drei Bruchteile gemacht haben, die dann ins Grundbuch eingetragen wurden. Zwischen Ihnen und Ihren Geschwistern bestehen keine erbrechtlichen Bindungen mehr. Sie sind Miteigentümer der Grundstücke wie jeder anderer Miteigentümergemeinschaft auch. Damit ist dann die Erbengemeinschaft schon auseinandergesetzt, es gibt keinen weiteren Handlungsbedarf.

Ihre Schwester wohnt allein in dem Elternhaus. Sie möchte Ihren Bruder auszahlen, und Sie selbst möchten auf Ihren Anteil verzichten. Dafür sind, wenn im Grundbuch tatsächlich schon Drittelanteile eingetragen sind, zwei getrennte Verträge abzuschließen. Ihr Bruder verkauft seiner Schwester seinen Drittelanteil. Das wäre ein ganz gewöhnlicher notarieller Grundstückskaufvertrag. Der Kaufpreis kann frei ausgehandelt werden und steht allein dem Verkäufer, also Ihrem Bruder, zu.

Ihr eigener Plan, auf Ihren Anteil zu verzichten, ist ungenau ausgedrückt. Ein Verzicht ist nicht möglich, weil Sie als Eigentümerin ja bereits im Grundbuch stehen. Sie müssten Ihren Anteil auf Ihre Schwester übertragen. Auch dafür bedarf es eines notariellen Vertrages. Sie schenken damit Ihrer Schwester das Grundstücksdrittel, und dieses Geschenk wird Schenkungsteuer auslösen, weil es zwischen Geschwistern nur einen sehr geringen Freibetrag bei der Schenkung gibt. Das Baugrundstück können Sie dann gemeinsam verkaufen und hinterher den Erlös teilen. Das hat alles mit dem Nachlass Ihres Vaters nichts mehr zu tun.

Möglicherweise haben Sie sich bei Ihrer Frage aber auch nur ungenau ausgedrückt und die Erbengemeinschaft besteht noch. Es kommt darauf an, ob Sie im Grundbuch noch als Erbengemeinschaft bezeichnet werden oder ob jeder einzelne von Ihnen bereits als Miteigentümer zu einem Bruchteil eingetragen ist. Wenn die Erbengemeinschaft noch besteht, muss sie jetzt auseinander gesetzt werden. Das bedeutet, die Nachlassgegenstände werden verteilt, den einzelnen Mitgliedern der Erbengemeinschaft als Alleineigentum zugewiesen. Oder Nachlassgegenstände, die nicht einer übernehmen soll, werden verkauft, und der Erlös wird verteilt. Bei dieser Auseinandersetzung könnte das Wohnhaus Ihrer Schwester allein zugewiesen werden, während die beiden anderen Geschwister sich das Baugrundstück teilen. Das Baugrundstück kann auch noch von der Erbengemeinschaft verkauft werden und der Erlös dann bei der Auseinandersetzung berücksichtigt werden. Für all das müssen Sie zu einem Notar gehen, der Sie beraten und dann die Eigentumsveränderungen herbeiführen wird.

Normalerweise sollte die Erbteilung so vollzogen werden, dass jeder der drei Erben nach der Teilung etwa gleich viel an Wert bekommt. Sie sind dazu aber nicht gezwungen. Sie können sich auch anders einigen. Sie können Ihrer Schwester das Wohnhaus ohne Gegenleistung überlassen. Ihre Schwester würde im Endergebnis dann wohl mehr als ein Drittel des Nachlasses haben. Wenn Sie als Geschwister sich darüber einig sind, ist das kein Problem.

Beachten sollten Sie allerdings, dass durch die Erbauseinandersetzung eine Steuerbelastung entstehen kann. Wer von den Erben mehr Grundstücksanteile übernimmt, als ihm rechnerisch eigentlich zustehen, wird Grunderwerbsteuer zahlen müssen oder Schenkungsteuer, weil er von seinen Geschwistern freigiebig etwas bekommen hat. Ohne Beratung sollten Sie eine solche Auseinandersetzung deshalb nicht in die Tat umsetzen.

Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de. Ein Rechtsanspruch auf eine Antwort besteht nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

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