Ratgeber Recht

Wieviel Kindesunterhalt bekomme ich?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen

Anwalt Max Braeuer, Experte für Familien- und Erbrecht

Anwalt Max Braeuer, Experte für Familien- und Erbrecht

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Vor fünf Jahren habe ich mich vom Vater unserer beiden gemeinsamen Kinder (11 und 13) scheiden lassen. Er zahlt Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Das wurde bei der Scheidung damals auch notariell festgelegt. Ich habe erfahren, dass er in der Zwischenzeit seine Arbeitsstelle gewechselt hat, und auch die Beträge in der Düsseldorfer Tabelle haben sich ja geändert. Vielleicht ergibt sich daraus heute ein anderer Unterhaltsanspruch. Habe ich Anspruch auf Auskunft über seinen aktuellen Verdienst? Was kann ich dafür einfordern und wie?

Dr. Max Braeuer: Nach der Trennung von Ihrem Mann sind Ihre Kinder offenbar bei Ihnen geblieben. Sie betreuen Sie jetzt allein außer an den Tagen, wo sie den Vater besuchen. Weil Sie die Last der Betreuung und Versorgung der Kinder alleine zu tragen haben, muss der Vater den gesamten Geldbedarf der Kinder abdecken. Er muss Ihnen also das Geld zur Verfügung stellen, das Sie für Ihre Kinder brauchen. Wieviel das ist, muss aber nicht für jedes Kind individuell ermittelt werden. Das geschieht pauschal, und dafür gibt es die Düsseldorfer Tabelle. Aus dieser Tabelle ergibt sich für jedes Kind ein bestimmter Bedarf, und das bezahlt der Vater.

Sie haben aber recht, dass dieser Zahlbetrag möglicherweise angepasst werden muss. Das ergibt sich allein schon daraus, dass die Kinder älter geworden sind. Vor fünf Jahren, als sie die Unterhaltzahlung erstmals festgelegt haben, waren Ihre Kinder sechs und acht Jahre alt. Jedenfalls das ältere Ihrer beiden Kinder ist jetzt in der nächsthöheren Altersstufe. Deshalb ist sein Bedarf nach der Düsseldorfer Tabelle höher geworden. In der Düsseldorfer Tabelle wird das Alter der Kinder für ihren Bedarf berücksichtigt. Je älter sie werden, um so höher ist der Bedarf. In der Tabelle ist das in drei Stufen aufgeteilt. Danach steigt der Bedarf am 6. und am 12. Geburtstag. Als die Vereinbarung mit Ihrem Mann abgeschlossen wurde, waren beide Kinder in der 2. Altersstufe, also zwischen sechs und elf Jahren. Das ältere Ihrer beiden Kinder hat nun die 3. Stufe erreicht und muss deshalb mehr Unterhalt bekommen. In der Formulierung eines notariellen Unterhaltsanerkenntnisses ist diese Steigerung oft bereits enthalten. Sie können dann ohne weiteres von dem Vater den höheren Betrag verlangen.

Die Düsseldorfer Tabelle geht von dem Mindestbedarf eines Kindes aus. Hierzu gibt es Zuschläge, die vom Einkommen des Vaters abhängen. Der Mindestbedarf verändert sich natürlich mit der Zeit. Das wirkt sich auf die Düsseldorfer Tabelle automatisch aus. Der Mindestbedarf ist nicht mit dem Kinderfreibetrag im Steuerrecht fest gekoppelt. Dieser wird alle ein oder zwei Jahre angepasst, und dann steigt auch die Düsseldorfer Tabelle. Auch diese Steigerung ist in der notariellen Urkunde meistens schon berücksichtigt, so dass Sie nur in die Tabelle schauen müssen, um festzustellen, was der Vater aktuell zahlen muss.

Der Tabellenunterhalt ist schließlich auch davon abhängig, wieviel der Vater verdient. Bei einem Monatseinkommen bis zu 1900 Euro muss der Vater nur den Mindestbedarf zahlen. Danach steigt der Tabellensatz in neun Stufen. Der Vater muss also um so mehr zahlen, je mehr er verdient. Anscheinend hat Ihnen der Vater nicht freiwillig sein Einkommen offenbart. Er ist dazu aber verpflichtet. Alle zwei Jahre können Sie von ihm verlangen, dass er Ihnen genau mitteilt, wieviel er verdient. Er muss das auch nachweisen, indem er Ihnen Gehaltsabrechnungen und Steuererklärungen überlässt. Wenn der Vater seine Arbeitsstelle gewechselt hat, muss er sogar schon vor Ablauf von zwei Jahren sein neues Einkommen mitteilen. Sie können dann anhand der Düsseldorfer Tabelle die aktuellen Unterhaltsbeträge errechnen. Wenn der Vater sich darauf nicht einlässt, können Sie ihn auch verklagen.

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