Morgenpost-Ratgeber

Erbrecht: Wie genau ist die Erbfolge geregelt?

Wenn eine Person stirbt und weder Testament noch Nachkommen hinterlässt, greift die gesetzliche Erbfolge. Wie sie im BGB geregelt ist:

Entfernte Verwandte erben in einer genauen Reihenfolge des Verwandtschaftsgrades

Entfernte Verwandte erben in einer genauen Reihenfolge des Verwandtschaftsgrades

Foto: Andrea Warnecke / picture alliance / dpa Themendie

ERBRECHT – Die Cousine von Gerhard K. aus Frohnau ist verstorben. Da sie keine direkten Nachkommen hinterlässt, wird er sie beerben. Es gibt jedoch noch einen weiteren entfernten Verwandten. Im Zuge der Erbenermittlung hat sich der Sohn seines verstorbenen Cousins für die Erbschaft gemeldet. Der verstorbene Cousin hatte das gleiche Verwandtschaftsverhältnis zu der Cousine wie Gerhard K. Der möchte nun wissen, ob er die Erbschaft mit dem Sohn zu je 50 Prozent teilen muss, oder ob dieser nur Anspruch auf einen geringeren Anteil hat, da er ja noch eine Generation tiefer steht als Gerhard K.

Max Braeuer, Experte für Familien- und Erbrecht, erklärt die gesetzliche Erbfolge: „Gerhard K.s Cousine ist verstorben und hat offensichtlich kein Testament hinterlassen. Es gilt deshalb die gesetzliche Erbfolge. Das bedeutet, dass ausschließlich durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) bestimmt wird, wer Erbe der Cousine geworden ist. Im Gesetz ist die Erbfolge sehr genau geregelt. Es kann mathematisch ermittelt werden, wer welchen Anteil geerbt hat.

Erbfolge immer in gerader Verwandtschaftslinie

Die Erbfolge findet immer nur in der geraden Verwandtschaftslinie statt. Erben werden deshalb immer diejenigen Personen, die von dem Verstorbenen abstammen oder von denen er abstammt. An erster Stelle kommen also ihre Kinder, Enkel oder Urenkel. Wer auf diese Weise zum Erben berufen ist, schließt alle anderen in Betracht kommenden Personen als Erben aus. Gibt es keine Kinder und hat es auch nie Kinder gegeben, dann werden die Vorfahren erben, also Eltern oder Großeltern.

Wer als alter Mensch stirbt, hat meistens keine lebenden Eltern mehr. Dann sind Erben statt der Eltern wiederum die Verwandten in gerader Linie. Das sind also die Geschwister des Verstorbenen. Lebt eines der Geschwister nicht mehr, so geht es in der Erbfolge weiter nach unten. Stattdessen erben die Kinder der Geschwister, das sind Vettern und Cousinen.

So liegen die Verhältnisse anscheinend bei Gerhard K. Hätte seine Cousine Geschwister gehabt, so wären diese alleine die Erben. Sie hatte aber wohl keine Geschwister, sodass nun die Kinder ihrer Großeltern oder deren Abkömmlinge erben. Es ist anzunehmen, dass Herrn K.s Cousin genauso erbberechtigt ist wie er selbst. Er stammt von denselben Großeltern der Cousine ab, die auch Gerhard K.s Großeltern sind.

Erbteil hängt nicht von der Generation ab

Wie groß der Erbteil des Cousins ist, hat nichts damit zu tun, welcher Generation er angehört. Sein Erb­recht ergibt sich daraus, dass Gerhard K., sein Cousin und die Verstorbene gemeinsame Großeltern hatten. Das Erbe verteilt sich deshalb gleichmäßig auf alle Kinder dieser Großeltern. Das sind jedenfalls K.s Eltern und die Eltern seines Cousins.

Gerhard K. und sein Vetter leiten jeweils von Ihrem Elternteil das Erbrecht ab. Wenn der Vetter das einzige Kind seiner Eltern war, erbt er deren Anteil alleine. Hat er noch Geschwister, dann muss er mit diesen teilen. Ist er verstorben, geht sein Erbanspruch automatisch auf seinen Sohn über. An Gerhard K.s Anteil verändert sich dadurch nichts.

Herr K. wird beim Nachlassgericht sicher einen Erbschein beantragen, um das Erbe seiner Cousine antreten zu können. Das Nachlassgericht wird dann ganz genau die Verwandtschaftsverhältnisse der verstorbenen Cousine ermitteln und ausrechnen, wem welcher Erbteil zusteht. Möglicherweise werden dabei noch weitere Kinder der Großeltern oder deren Kinder auftauchen, die dann auch alle bei der Verteilung des Erbes zu berücksichtigen sind.“

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