Morgenpost-Ratgeber

Erbrecht: Welche Rechte habe ich als Lebensgefährtin?

| Lesedauer: 4 Minuten
Testament mit Geld und kleinen Häuschen Erbe Erbschaft

Testament mit Geld und kleinen Häuschen Erbe Erbschaft

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Ohde / CHROMORANGE / picture-alliance

Unverheiratete haben nach dem Ableben ihres Partners gegenüber der Verwandtschaft das Nachsehen. Nur ein Testament kann das ändern.

Heike M ., Zossen: Nach fast 30 Jahren Lebensgemeinschaft ist mein Partner gestorben, ohne mich abgesichert zu haben. Es besteht ein Vermächtnis an mich für die zweite Haushälfte, die andere Haushälfte gehört mir. Gesetzliche Erben sind Halbschwestern, zu denen er kaum Kontakt hatte. Wir waren nicht verheiratet.Bezüglich des Vermächtnisses habe ich erfahren, dass die Erben mir die Haushälfte aus dem Erbe herausgelöst zukommen lassen müssen und, dass sie auch für Hypothek und Erbschaftsteuer zuständig sind. Ich habe auch gelesen, dass man keine Erbschaftsteuer zahlen muss, wenn man noch mindestens zehn Jahre in der Immobilie wohnen bleibt. Trifft das auch auf mich zu?

Max Braeuer, Anwalt und Notar für Familien- und Erbrecht, beantwortet die Frage: Der rechtliche Unterschied zwischen Eheleuten und Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft wird besonders deutlich, wenn einer von beiden stirbt. Der Überlebende hat praktisch keine Rechte.

Die Lebensgefährtin erbt nichts, sofern es kein Testament gibt. Sie bekommt auch keine Witwenrente, und die Erben müssen nicht für ihren Unterhalt sorgen. Sie sind in der recht komfortablen Situation, dass Ihr verstorbener Partner Sie in seinem Testament bedacht hat. Die zweite Haushälfte steht Ihnen als Vermächtnis zu, das kann Ihnen nicht verwehrt werden.

Belastungen müssen übernommen werden

Dass Ihr Partner nur Halbschwestern hinterlassen hat, zu denen er kaum ein Verhältnis hatte, verbessert Ihre Situation leider nicht. Soweit Sie nicht durch das Testament begünstigt sind, stehen Sie hinter allen Verwandten zurück, mag das Verwandtschaftsverhältnis auch noch so weit entfernt sein.

Es ist richtig, dass die Erben die Haushälfte aus dem übrigen Nachlass herauslösen und Ihnen überlassen müssen. Dafür müssen Sie und die beiden Erbinnen gemeinsam zu einem Notar gehen. Dort muss die Umschreibung des Eigentums auf Sie, die Auflassung, beurkundet werden.

Was Sie im übrigen über Ihre Rechte gehört haben, trifft leider nicht zu. Ist das Haus noch mit einem Kredit belastet, für den Grundschulden im Grundbuch eingetragen sind, schreibt das Gesetz vor, dass Sie diese Belastungen mit übernehmen müssen.

Sie haben also keinen Anspruch darauf, dass die Schwestern Ihres Mannes zukünftig die Schulden bedienen. Sonst hätte Ihr Partner das in seinem Testament ausdrücklich anordnen müssen. Fehlt es an einer solchen Bestimmung im Testament, dann haben Sie die Haushälfte nur mit der Belastung geerbt.

Erbschaftssteuer fällt an

Auch was Sie über die Erbschaftsteuer gehört haben, trifft leider nicht zu. Wer von Todes wegen etwas erhält, muss dafür Erbschaftsteuer zahlen. Das gilt für ein Vermächtnis genauso wie für ein Erbe. Sie müssen also nach dem Wert der Haushälfte Erbschaftsteuer bezahlen.

Bei der Berechnung des Wertes können Sie die restlichen Schulden abziehen. Sie haben dann bei der Erbschaftsteuer aber nur einen ganz geringen Freibetrag, weil Sie nicht verheiratet waren. Als Witwe hätten Sie für das Haus, in dem Sie wohnen, überhaupt keine Erbschaftsteuer zahlen müssen. Diese Vergünstigung steht Ihnen aber nicht zu, da Sie und Ihr Partner aus der Sicht der Erbschaftsteuer eine Fremde waren. Je nachdem, wie hoch der Wert der geerbten Haushälfte ist, ist der Steuersatz doppelt oder sogar dreimal so hoch wie der Steuersatz, der auf eine Witwe anzuwenden wäre.

Rechtshinweis: Wir bemühen uns, möglichst viele Fragen zu beantworten. Dennoch behalten die Experten sich vor, bestimmte Bereiche auszuklammern. Bei sensiblen Fragen werden die Nachnamen auf Wunsch anonymisiert. Einen Rechtsanspruch auf eine Antwort haben Sie nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

Wenn Sie Fragen an unsere Experten haben, können Sie diese per E-Mail schicken an ratgeber@morgenpost.de oder per Post an Berliner Morgenpost, Stichwort Ratgeber, Kurfürstendamm 21-22, 10874 Berlin