Hätte Kai Wegner die Regeln der Liebe am Arbeitsplatz befolgt, wäre er womöglich nicht so stark unter Druck geraten. Wieso? Ein ungeschriebenes Gesetz im Büro sagt: Drei Monate nach Beginn einer Liaison geht man damit an die Öffentlichkeit – auch um Gerüchte zu vermeiden. Wegner ließ aber erst an diesem Freitag über einen Anwalt ausrichten, Katharina Günther-Wünsch und er hätten sich im Herbst 2023 entschieden, eine Beziehung einzugehen. Den kalendarischen Herbstanfang markiert der 23. September 2023. Wegner ist knapp zwei Wochen zu spät.
Obwohl des – wenn man so will – kleinen Fauxpas hat das neue Berliner Liebespaar aber gute Chancen auf eine langfristige Perspektive. Das sieht zumindest der Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger (75) so. „Die Liebe am Arbeitsplatz ist sehr bodenständig“, sagt er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Krüger mit der Liebe. Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte er ein Buch unter dem Titel: „Das Glück der Liebe finden: Partnersuche mit Herz und Verstand“. Für Krüger hat die Liebe im Büro „unendlich“ viele Vorteile. Aber es würden auch zahlreiche Fallstricke auf die Liebenden warten.
Dem Experten zufolge gehört der Arbeitsplatz unter die Top drei der besten Singlebörsen – hinter dem Freundeskreis und noch vor dem Internet. Eine Studie der Datingplattform Elitepartner aus dem Jahr 2019 untermauert das. Bei der Online-Umfrage, an der 3798 Menschen teilnahmen, gab fast jeder dritte der Befragten an, bereits in einen Kollegen oder in eine Kollegin verliebt gewesen zu sein. Rund 24 Prozent, also fast jeder vierte Befragte, hatte auch schon einen Partner oder eine Partnerin im Job kennengelernt. Neun Prozent der Befragten ist es sogar schon passiert, sich in den Chef oder die Chefin verliebt zu haben.



