In der Berliner CDU und besonders in der Abgeordnetenhausfraktion ist es schon lange ein offenes Geheimnis. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und seine Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch sollen mehr sein als nur Parteifreunde.

Der 51 Jahre alte Spandauer, der zwischen den Jahren die Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin bekannt gegeben hatte, und die 40-jährige Marzahnerin sollen ein Liebespaar sein. Die Geschichte laufe schon seit mehreren Monaten, berichteten übereinstimmend mehrere gut vernetzte Christdemokraten.

Man habe schnell gemerkt, dass es zwischen Wegner und Günther-Wünsch eine besondere Nähe und Sympathie gäbe, sagt einer, der bei Klausurtagungen und anderen Treffen dabei war. Auch sollen vor dem Wohnhaus der Senatorin im Ortsteil Mahlsdorf des Öfteren auch über Nacht die Bürgermeister-Limousinen gesichtet worden sein.

Dieses Foto von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch und Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner entstand im Mai 2023.
Dieses Foto von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch und Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner entstand im Mai 2023.© picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Offiziell bestätigt werden die Hinweise nicht, über die die „BZ“ als erste berichtet hatte. Aber die mutmaßliche Beziehung wird auch nicht dementiert. Senatssprecherin Christine Richter verweist auf Wegners Rechtsanwalt Christian Schertz. Dieser schrieb auf Nachfrage der Morgenpost, er bitte „um Verständnis, dass wir keinen Anlass sehen, zu Gerüchten über seine Privatsphäre Stellung zu nehmen. Auch Politiker müssen eine Berichterstattung über derartige Spekulationen nicht hinnehmen, zumal hier auch die Familie meines Mandanten geschützt werden muss.“

Viele gemeinsame Fotos: Kai Wegner und Katharina Günther-Wünsch beim Schlager-Hammer 2023 im Schlosspark Oranienburg.
Viele gemeinsame Fotos: Kai Wegner und Katharina Günther-Wünsch beim Schlager-Hammer 2023 im Schlosspark Oranienburg.© IMAGO/Future Image | IMAGO stock

Kai Wegner: Einer von beiden muss gehen, heißt es in der CDU

Dass allerdings eine intime Beziehung zwischen einem Regierungschef und einer Senatorin eine rein private Angelegenheit ist, diese Meinung teilen längst nicht alle in der Berliner CDU. Mehrere Gesprächspartner verwiesen am Mittwoch auf die Schwierigkeiten, private und dienstliche Belange etwa in Debatten um die Bildungspolitik auseinander zu halten.

Wenn Wegner sich etwa für eine geringere Spar-Auflage für Günther-Wünschs Ressort einsetze, dann könne das immer als nicht objektiv motiviert angesehen werden. Immer, wenn der Senatschef sich für das Bildungsthema stark mache, würden Zweifel bleiben, was wirklich dahinter stecke.

Beide gaben sich zuletzt auch in der Öffentlichkeit keine größere Mühe, ihre Nähe zueinander zu verbergen. So waren sie Anfang Dezember bei der Gala des Berliner Sports. Auf dem Gruppenfoto stehen sie eng nebeneinander. Sie hätten viel miteinander getanzt und seien lange geblieben, so ein Augenzeuge.

In jedem Wirtschaftsunternehmen sei klar, dass so eine Beziehung zwischen einem Vorstandsvorsitzenden und einem Vorstandsmitglied gegen die Compliance-Regeln verstoße, hieß es in der Berliner CDU. Einer von beiden müsse gehen. Die mögliche Verquickung von Interessen und Loyalitäten beeinträchtige die politische Funktion des Regierenden Bürgermeisters, sagte ein wichtiger Christdemokrat. Wo die Funktionsfähigkeit bedroht sei, müsse das Folgen haben. „Es gibt ein Problem, das ist allen klar“, so ein anderer Parteifreund.

Kai Wegner hat Günther-Wünsch seit 2021 gefördert

Wegner hatte die studierte Lehrerin Günther-Wünsch stets gefördert, seit sie 2021 mit einem Direktmandat ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen war. Mit der Hilfe des damaligen Fraktionsvorsitzenden brachte sie es zur bildungspolitischen Sprecherin und erarbeitete sich schnell einen guten Ruf. Wegner machte sie zum Mitglied seines Schattenkabinetts und übertrug ihr nach dem Wahlsieg im vergangenen Jahr die Verantwortung für das bis dahin jahrzehntelang von der SPD geführte Bildungsressort. Dort macht Günther-Wünsch nach allgemeiner Einschätzung einen ordentlichen Job.

Die Senatorin, Mutter von vier Kindern, ist zwar noch verheiratet, hat sich aber vor mehreren Monaten von ihrem Mann getrennt. Wegner hatte sich im September vergangenen Jahres von seiner Lebensgefährtin getrennt, mit der er lange in Kladow zusammenlebte und zwei kleine Kinder (sechs und zwei Jahre alt) hat. Man bleibe sich freundschaftlich verbunden und werde sich um die Kinder kümmern, hieß es kurz vor dem Jahreswechsel, als die Trennung offiziell verkündet worden war.

In der CDU wird gemutmaßt, dass auch das enge Verhältnis zur Senatskollegin ein Grund für das Liebes-Aus gewesen sein könnte. Wegner hatte seine nun Ex-Partnerin 2014 als Referentin eingestellt, ehe sich eine Liebesbeziehung entwickelte. Der Regierende Bürgermeister hat ein weiteres Kind aus einer früheren Ehe.

NameKai Wegner
Geburtsdatum15. September 1972
AmtRegierender Bürgermeister von Berlin
ParteiCDU
Parteimitglied seit1989
FamilienstandGeschieden, drei Kinder
WohnortBerlin

„Liaison wirft Fragen auf“

Die Berliner Oppositionsfraktionen von Grünen und Linken gaben sich am Mittwoch zögerlich, das Thema zu kommentieren. Es handele sich bisher nur um Gerüchte, offiziell bestätigt sei noch nichts, hieß es von Grünen und Linken. Auch der Koalitionspartner SPD äußerte sich nicht offiziell. Nur die AfD bezog Stellung: „Diese Liaison, die von beiden Beteiligten nicht dementiert wird, wirft viele Fragen auf“, sagte Landes- und Fraktionschefin Kristin Brinker: „Vor allem stellt sich die Frage, ob das Verhältnis bereits vor der Wiederholungswahl bestand – dann hätte Wegner, plakativ formuliert, seine Geliebte zur Senatorin gemacht. Ob er und Günther-Wünsch angesichts einer solchen Günstlingswirtschaft im Amt bleiben könnten, ist zumindest fraglich.“

Der Landeschef der Berliner FDP, Christoph Meyer, forderte von Wegner eine Erklärung zu seiner möglichen Liebesbeziehung mit Günther-Wünsch (CDU). „Transparenz ist das Minimum, was hier von einem Regierungschef erwarten werden kann«, sagte Meyer gegenüber der Berliner Morgenpost. „Ich kann mir kein anderes Bundesland vorstellen, wo dies nicht selbstverständlich wäre.“ Das gelte umso mehr für die aktuelle Landesregierung, die alles besser machen wollte als die Vorgänger.