Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute erneut über die Leitzinsen im Euroraum entschieden. Der EZB-Rat ließ die drei Leitzinssätze unverändert. Der für Sparer wichtige Einlagenzins bleibt damit bei 2,25 Prozent. Was das für Tagesgeld, Festgeld und Bauzinsen bedeutet und wo sich für Sparer und Immobilienkäufer Chancen ergeben können, erklären wir hier.
Alle Informationen zu den kommenden Terminen finden Sie in unserem Ratgeber „EZB-Zinsentscheid: Wann? Termine und Livestream im Überblick“.
EZB-Zinsentscheid heute: Leitzinsen bleiben unverändert
Nach Einschätzung der EZB bleiben die Aussichten für die Energiepreise zwar volatil. Gleichzeitig bewegen sie sich derzeit weitgehend im Rahmen der Projektionen vom Juni. Die Unsicherheit sei dennoch hoch. „Die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus ist trotz der erneuten Anspannung der Konfliktlage im Nahen Osten angemessen“, sagt Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust. Für die kommenden Monate komme es jedoch vor allem auf die Entwicklung der Energiepreise an. „Bleibt eine Entspannung bei den Preisen für Energie und andere Vorleistungen bis zur Septembersitzung der EZB aus, dürfte eine weitere Zinserhöhung notwendig werden“, so der Profi.
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Auch Oliver Kohnen vom Kreditvermittler Baufi24 hält die Zinspause nicht für das Ende der Debatte. „Von einer Entwarnung kann keine Rede sein.“ Zwar habe der unmittelbare Inflationsdruck etwas nachgelassen. Energiepreise, geopolitische Risiken und die hohe Staatsverschuldung blieben jedoch wichtige Unsicherheitsfaktoren. Deshalb könnte bereits im September erneut über eine Zinserhöhung diskutiert werden.
Das hält auch Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie beim Vermögensverwalter Blackrock, für möglich. An langfristig hohe Zinsen glaubt die Expertin aber nicht: „Die Märkte preisen für mehrere Jahre restriktive Leitzinsen ein – aus unserer Sicht ist das überzogen.“ Weitere Ausblicke lesen Sie in unserer Prognose für den EZB-Leitzins 2026.
Tagesgeld und Festgeld: Wie es jetzt mit den Sparzinsen weitergeht

Für Sparer sind stabile oder steigende Leitzinsen grundsätzlich positiv. Banken können höhere Zinsen auf Einlagen an ihre Kunden weitergeben. Das geschieht allerdings nicht automatisch und längst nicht bei allen Instituten gleichermaßen, wie eine aktuelle Auswertung von Verivox zeigt. Welche Tagesgeldangebote derzeit bis zu vier Prozent Zinsen bieten, lesen Sie in einem separaten Text. Weitere Angebote finden Sie auch in unserem Tagesgeld-Vergleich.
Jasmin Ehlert von der Anlageplattform Raisin erwartet im weiteren Jahresverlauf einen leichten Aufwärtstrend bei den Sparzinsen. Neben den Erwartungen an die EZB spiele vor allem der Wettbewerb zwischen den Banken eine wichtige Rolle. Besonders beim Tagesgeld und bei Festgeldern mit kurzen Laufzeiten könnten die Zinsen noch leicht steigen.
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Wer sich auf den aktuellen Zinssatz nicht für mehrere Jahre festlegen möchte, könne auf eine sogenannte Zinstreppe setzen. Dabei wird das Geld beispielsweise auf Festgelder mit Laufzeiten von einem, zwei und drei Jahren verteilt. So wird regelmäßig ein Teil des Kapitals frei und kann bei steigenden Zinsen neu angelegt werden. „Sollten die Zinsen in der Zwischenzeit weiter steigen, kann dieses Kapital zu den dann höheren Konditionen reinvestiert werden“, erklärt Ehlert.
So profitieren Sparer von den aktuellen Konditionen, ohne ihr gesamtes Vermögen langfristig zu binden. Aktuelle Angebote finden Sie in unserem Spar-Ticker sowie in unserem Festgeld-Vergleich.
Bauzinsen: Was die EZB-Entscheidung für Immobilienkäufer bedeutet
Für Immobilienkäufer dürfte sich kurzfristig wenig ändern. Bauzinsen orientieren sich nicht direkt am EZB-Einlagenzins. Entscheidend sind vielmehr die Renditen langfristiger Anleihen, Inflationserwartungen und die Erwartungen der Finanzmärkte an die Geldpolitik.
Die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen liegen nach Angaben von Baufi24 weiterhin bei rund vier Prozent. Verantwortlich dafür seien vor allem die anhaltend hohen Renditen langfristiger Bundesanleihen, die auch nach der heutigen EZB-Entscheidung kaum nachgegeben hätten.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Dass dieses Zinsniveau den Markt weiter belastet, zeigen aktuelle Zahlen vom Beratungsunternehmen Barkow Consulting. Das Neugeschäft bei Wohnungsbaukrediten sank im Mai auf 17,2 Milliarden Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende 2024. Neben saisonalen Effekten bremsen vor allem hohe Bauzinsen, steigende Immobilienpreise und die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit die Nachfrage.
„Für Kaufinteressenten ist das zunächst keine einfache Ausgangslage – langfristig dürfte Wohneigentum jedoch kaum günstiger werden“, sagt Kohnen. Gleichzeitig sieht er Chancen für gut vorbereitete Käufer. Nicht jeder Verkäufer könne auf bessere Marktbedingungen warten. Einige Eigentümer und Projektentwickler stünden weiterhin unter Verkaufsdruck und zeigten sich entsprechend verhandlungsbereiter. Wer finanziell solide aufgestellt sei und antizyklisch handle, könne deshalb derzeit attraktive Kaufgelegenheiten finden. In unserem Baufinanzierungsvergleich finden Sie die besten Zinsen im Juli, unser Kredit-Ticker verfolgt die neuesten Änderungen der Banken.
Quellen:
Marktkommentar von Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, im Juli 2026
Marktkommentar von Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, im Juli 2026
Marktkommentar von Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie bei Blackrock, im Juli 2026
Im Gespräch mit Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin, im Juli 2026
Geldpolitische Beschlüsse, in: Europäische Zentralbank (EZB). Zuletzt abgerufen am 23.07.2026.




