Aktuell können Käuferinnen und Käufer von leicht gesunkenen Bauzinsen profitieren. In den kommenden Monaten könnte sich dieser Trend jedoch wieder umkehren. „Zum Jahresende rechnen wir mit einer leichten Aufwärtstendenz“, erklärt Dr. Klein-Experte Florian Pfaffinger im Zins-Check der Woche. Für das zweite Halbjahr 2026 geht er von Topzinsen zwischen 3,3 und 4,9 Prozent für Baufinanzierungen aus. Angesichts dieser unsicheren Aussichten stellt sich die Frage, ob sich der Immobilienkauf derzeit überhaupt noch lohnt.
„Das hängt stark von der persönlichen Situation ab“, sagt Pfaffinger gegenüber unserer Redaktion. Angesichts steigender Mieten, besonders in den Metropolregionen, könne sich der Erwerb von Wohneigentum allein deshalb lohnen, weil sich Käufer mit einer selbst genutzten Immobilie unabhängiger vom Mietmarkt machen. Wer sich beim Vergleich nur auf Zinsen stützt, riskiert langfristig aber ein finanzielles Problem.
Bauzinsen aktuell: EZB-Zinsentscheid spielt nur geringe Rolle
Die Grundlage von Pfaffingers Bauzinsen-Prognose sind eine zehnjährige Zinsbindung und ein Beleihungsauslauf von 80 Prozent. Der Ende Juli anstehende Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. „Der EZB-Leitzins beeinflusst vor allem kurzfristige Kredite“, sagt Pfaffinger. Maßgeblich für die Bauzinsen seien vielmehr die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen und Pfandbriefe.

Der Experte macht allerdings deutlich: „Auch wenn bei den Bauzinsen zuletzt viel Bewegung herrschte, bleibt das Zinsniveau historisch betrachtet attraktiv.“ Auf weiter sinkende Zinsen zu spekulieren, hält er deshalb nicht für sinnvoll. Bereits ein Anstieg um 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte könne die Finanzierung für viele Menschen deutlich verteuern, warnt Pfaffinger: „Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung vor dem Kauf.“
Wie klappt es mit der Baufinanzierung? „Bei der Immobiliensuche realistisch bleiben“
Pfaffinger rät Kaufinteressenten dazu, ihr Budget frühzeitig realistisch zu planen und sich finanziell nicht an die persönliche Belastungsgrenze zu bringen. Wer bei der Wahl der Immobilie flexibel bleibe, schaffe zusätzliche Spielräume: Muss es das freistehende Einfamilienhaus sein oder käme auch eine große Erdgeschosswohnung mit Garten infrage?
Über Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein
Florian Pfaffinger ist Mitglied im Expertenrat der Dr. Klein Privatkunden AG. Er ist Bank- und Diplom-Kaufmann und verfügt über eine mehr als 20-jährige Expertise im deutschen Baufinanzierungsmarkt.
„Es hilft, bei der Immobiliensuche realistisch zu bleiben“, sagt der Experte. Zudem lohne sich auch bei der Immobilienfinanzierung ein Vergleich. Nicht immer sei der niedrigste Zinssatz automatisch die beste Wahl. Entscheidend sei das Gesamtpaket der Finanzierung. Pfaffinger empfiehlt, „mehrere Angebote zu prüfen“.
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Preise vergleichen: Bei diesen Immobilien rät der Profi zur Fachbewertung
Neben der Finanzierung spielt der Immobilienpreis eine entscheidende Rolle. Dafür sollten Käufer einschätzen können, ob eine Immobilie angemessen bewertet ist. „Im ersten Schritt helfen ein guter Überblick über den Markt und der Vergleich mit ähnlichen oder identischen Immobilien in derselben Lage“, sagt Pfaffinger. So lasse sich einschätzen, ob sich der Angebotspreis im üblichen Marktumfeld bewegt oder deutlich darüber, beziehungsweise darunter liegt.

Bei Bestandsimmobilien – vor allem bei Häusern oder Wohnungen, die älter als 20 Jahre sind, – empfiehlt der Experte, Fachleute zur Besichtigung und Prüfung der Unterlagen hinzuzuziehen. Das können Bausachverständige oder Architektinnen und Architekten sein. Möglicherweise finde sich entsprechende Unterstützung sogar im eigenen Familien- oder Bekanntenkreis.
„Mit ihrer Hilfe erhalten Kaufinteressenten erste Informationen zum Zustand der Immobilie und Hinweise auf mögliche Mängel“, sagt Pfaffinger. Das liefere zugleich wichtige Argumente für Preisverhandlungen, weil notwendige Sanierungs- oder Modernisierungskosten frühzeitig berücksichtigt werden können.
Welche Zinsbindung ist bei einer Baufinanzierung aktuell sinnvoll?
Ein Immobiliendarlehen läuft häufig über mehrere Jahrzehnte. Umso wichtiger ist die Frage nach der passenden Zinsbindung. Die optimale Laufzeit hänge von der persönlichen finanziellen Situation und dem individuellen Sicherheitsbedürfnis ab. „Eine pauschale Empfehlung lässt sich nicht aussprechen“, sagt Pfaffinger.
Bitte beachten:
Dieser Artikel stellt keine Kreditberatung dar. Alle Informationen wurden sorgfältig recherchiert und dienen der redaktionellen Übersicht. Bei Interesse an einem Kredit sollten Sie individuelle Konditionen direkt bei der jeweiligen Bank prüfen und bei Bedarf eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen.
Da deutlich sinkende Bauzinsen in den kommenden Jahren eher unwahrscheinlich seien, könne eine längere Zinsbindung das Risiko steigender Finanzierungskosten jedoch reduzieren. „Nach zehn Jahren haben Darlehensnehmende zudem ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht“, erklärt Pfaffinger. Eine längere Zinsbindung bedeute mehr Planungssicherheit – aber nicht unbedingt weniger Flexibilität.
Dafür verlangen Banken allerdings meist einen Aufschlag: Dieser liege bei einer 15-jährigen Zinsbindung derzeit bei etwa 0,2 Prozentpunkten und bei einer 20-jährigen Zinsbindung bei rund 0,3 Prozentpunkten, so der Experte. Wie hoch der Aufschlag ausfällt, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Mit dem Rechner können Sie erste Angebote vergleichen:



