Wie lautet die aktuelle Prognose für den Leitzins? Das ist nicht nur für die Kapitalmärkte wichtig, sondern auch für Verbraucherinnen und Verbraucher. Der Leitzins beeinflusst die Kosten von Baufinanzierungen und die Renditen von Tagesgeld sowie Festgeld. Nach einem Hoch von 4 Prozent zwischen September 2023 und Juni 2024 ist der Leitzins Schritt für Schritt auf aktuell 2 Prozent gesunken. Nun könnte die Zinspause enden.

Beim nächsten Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am 10. und 11. Juni 2026 in Frankfurt am Main könnte der Leitzins erstmals wieder nach oben gehen. Diesen Schritt empfiehlt EZB-Direktorin Isabel Schnabel im Gespräch mit Reuters. Für Sparerinnen und Sparer sind das gute Nachrichten, für Immobilienkäufer eher weniger. Weitere Prognosen und Auswirkungen finden Sie im separaten Artikel: „Prognose vor EZB-Zinsentscheid: Expertin nennt klare Strategie für Sparer“

Prognose vorm nächsten EZB-Zinsentscheid

EZB-Direktorin Isabel Schnabel (Archivbild)
EZB-Direktorin Isabel Schnabel (Archivbild)© dpa | Michael Kappeler

„Aus heutiger Sicht denke ich, dass eine Zinserhöhung im Juni notwendig sein wird“, sagt Schnabel gegenüber der Nachrichtenagentur. Grund sei der infolge des Iran-Kriegs höhere Ölpreis. Die Inflation in der Eurozone hatte sich von 2 Prozent im Januar bereits auf 3 Prozent im April beschleunigt. In Deutschland liegt der Wert aktuell bei 2,9 Prozent. Haupttreiber waren die Energiepreise, was viele Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem an der Tankstelle zu spüren bekommen haben.

Der deutschen Ökonomin zufolge mehren sich die Anzeichen, dass der Ölpreis jetzt auch auf die Preise von Konsumgütern durchschlägt. Auch ein schneller Frieden könne daran nichts ändern. „Selbst wenn der Krieg heute enden würde, hat er bereits großen Schaden an der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten angerichtet“, erklärt Schnabel. Man sei längst über ein Szenario der schnellen Normalisierung hinaus.

Im März und April 2026 haben in Deutschland vor allem die Energie- und Tankkosten merklich angezogen.
Im März und April 2026 haben in Deutschland vor allem die Energie- und Tankkosten merklich angezogen.© Statistisches Bundesamt

„Hartnäckiger Schock“: EZB-Direktorin warnt vor finanziellen Folgen

Eine drohende Preisspirale gefährdet das mittelfristige Inflationsziel der EZB von 2 Prozent. Schnabel verweist darauf, dass die EZB selbst zwei Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt habe. Nach Angaben von Reuters preisen die Märkte eine mögliche dritte im kommenden Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ein. Befragte Ökonomen gingen hingegen von einer Zinssenkung Mitte 2027 aus.

Dass nicht mehr Leitzins-Steigerung eingepreist sind, hängt laut Bericht mit den eingetrübten Wachstumsaussichten in der Eurozone zusammen. Diese hat die europäische Kommission für das Jahr 2026 jüngst wegen steigender Energiepreise nach unten auf 0,9 Prozent korrigiert.

Für Schnabel möglicherweise nicht genug: „Angesichts der Hartnäckigkeit des Schocks könnten die negativen Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum noch stärker sein“, so die EZB-Direktorin gegenüber Reuters. Man sehe einen scharfen Rückgang in den Zuversichtsindikatoren – insbesondere bei Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) berät in Frankfurt am Main über die Geldpolitik im Euroraum. Vor dem Hintergrund der abgeschwächten Inflation und der US-Zollpolitik wird eine weitere Senkung der drei Leitzinsen erwartet.

Was bedeutet EZB-Prognose für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Insgesamt steht die EZB vor der Herausforderung, die Inflation mit Leitzins-Erhöhungen einzudämmen, ohne dabei die strauchelnde Wirtschaft abzuwürgen. Diese profitiert eher von sinkenden Leitzinsen. Steigende Leitzinsen wirken sich demnach unterschiedlich auf Finanzprodukte aus: Weil die Banken mehr Rendite für die Einlagen bekommen, die sie bei der EZB parken, gehen die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld dann ebenfalls nach oben.

Allerdings geschieht das nicht immer unmittelbar. Einige Banken passen ihre Angebote schon vorab in Erwartung steigender oder fallender Zinsen an, andere ziehen eher nach. Das hat geschäftliche Gründe, etwa um für kurze Zeit mehr Zinsen einzunehmen, ohne sie weiterzugeben oder um mit einem Neukunden-Angebot gegenüber der Konkurrenz herauszustechen.

Jüngst haben einige Geldhäuser die Zinssätze fürs Tagesgeld angehoben. Aktuell gibt es Aktionszinsen von bis zu 4 Prozent p. a., wie unser Tagesgeld-Vergleich zeigt. Im Festgeld-Vergleich liegen die besten Angebote je nach Laufzeit derzeit bei 3,5 Prozent Zinsen.

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EZB-Zinsentscheid: Steigen Zinsen im Juni? Das droht bei Krediten

Teurer werden bei Leitzinserhöhungen hingegen Kredite, weil Banken auch höhere Zinsen an die EZB bezahlen müssen, wenn sie sich Geld leihen. Bei den Zinsen für die Kreditkarte oder dem Dispokredit auf dem Girokonto sind die Folgen für die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher zu verkraften.

Größere Auswirkungen haben steigende Leitzinsen bei den Bauzinsen, denn schon kleine Änderungen haben hier starken Einfluss auf die monatliche Rate. Besonders bei geringem Eigenkapital können wenige Prozentpunkte über die finanzielle Tragfähigkeit bei einem Hauskauf entscheiden.

Betroffen sind bei Zinserhöhungen zudem alle, die nach einer Anschlussfinanzierung suchen. Aktuelle Angebote und Tipps zum Thema Immobilienkredit finden Sie in unserem Kredit-Ticker und in unserem Baufinanzierungs-Vergleich.

Quellen

„ECB should raise rates in June even if Iran peace deal is struck, Schnabel says“, in: Reuters.com. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.

„Verbraucherpreisindex“, in: Destatis.de. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026

„Spring 2026 economic forecast – A slowdown in growth as the energy shock drives inflation“, in: Economy-Finance.ec.europa.eu. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.

„Inflation in the euro area“, in: Ec.europa.eu. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.

„Key ECB interest rates“, in: Ecb.europa.eu. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.