Reagiert die Europäische Zentralbank (EZB) im März nach einer langen Zinspause auf den neuen Preisdruck durch den Krieg im Nahen Osten? Diese Frage steht vor dem EZB-Zinsentscheid am Donnerstag im Mittelpunkt. Experten und Expertinnen an den Märkten spekulieren inzwischen tatsächlich wieder über mögliche Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf. Der unklare Ausgang betrifft auch Sparer und Kreditinteressierte. Am Mittwoch hatte die amerikanische Notenbank Fed eine Zinspause bekanntgegeben.
Für die anstehende Sitzung rechnen Finanz-Profis zunächst aber nicht mit einer Zinsänderung. Beobachter gehen davon aus, dass die EZB stillhält und bei ihrem datenabhängigen Kurs bleibt. Während einige Stimmen auch in den kommenden Monaten keinen akuten Handlungsbedarf sehen, warnen andere davor, dass steigende Energiepreise die Inflationsrisiken wieder verschärfen könnten. Was das für Bauzinsen, Tagesgeld und Festgeld bedeutet und welche Frage nach dem Entscheid wirklich zählt.
EZB-Zinsentscheid: Experten haben klare Erwartung für Donnerstag
Wenn die Experten mit ihrer Einschätzung recht behalten, wird am 18. März kein Zinsschritt zu erwarten sein. Im Zentrum steht vielmehr die Bewertung der EZB für die kommenden Monate. Der Krieg im Nahen Osten hat die Energiepreise zuletzt steigen lassen und für Nervosität an den Märkten gesorgt. Entscheidend wird sein, ob die Notenbank diesen Effekt eher als vorübergehenden Schock einordnet oder als Entwicklung mit neuem geldpolitischen Handlungsdruck sieht.
Laut Geoff Yu, Marktstratege beim Vermögensverwalter BNY, hat sich die Tonlage im EZB-Rat zuletzt deutlich verändert. Einige Ratsmitglieder warnten inzwischen vor einer Zinserhöhung, die „früher als erwartet“ kommen könnte. Eine Anhebung im März erscheine ihm aber voreilig, erklärt Yu. Interessant dürfte aus seiner Sicht vor allem werden, wie stark die neuen EZB-Prognosen die jüngsten Preisentwicklungen im Energiesektor berücksichtigen.

EZB-Entscheid: Experte warnt vor „geldpolitischem Fehler“
Noch deutlicher formuliert es David Kohl, Ökonom beim Vermögensverwalter Julius Bär. Eine Zinserhöhung als Reaktion auf die zuletzt gestiegenen Ölpreise wäre aus seiner Sicht ein „geldpolitischer Fehler“. Zwar habe die EZB zuletzt ihre restriktive Haltung bekräftigt, derzeit gebe es aber keine Anzeichen dafür, dass die Inflation über das Zwei-Prozent-Ziel hinausschieße.
Auch Konrad Kleinfeld, Anleihenexperte beim Vermögensverwalter State Street Investment Management, hält eine geldpolitische Straffung für wenig zielführend, solange unklar bleibe, ob Energiepreisschocks tatsächlich nachhaltig auf die Inflation durchschlagen. Zudem könne eine geldpolitische Straffung angebotsseitige Effekte „nur begrenzt adressieren“, sagt er.
Kleinfelds Prognose: Wenn die Inflation vor allem durch teurere Energie oder andere externe Schocks entstehe, könne die EZB mit höheren Zinsen nur teilweise gegensteuern. Die Zentralbank könne die Ursache des Preisanstiegs nicht beseitigen, sondern nur die Nachfrage in der Wirtschaft dämpfen, so der Experte.
EZB-Zinsentscheid: In dem Fall könnten die Zinsen steigen
Ganz vom Tisch ist eine straffere Geldpolitik damit aber nicht. Yu zufolge rechnet der Markt inzwischen wieder mit einer Zinserhöhung bis zur Sitzung im Juni 2026. Michele Morganti, Analyst beim Vermögensverwalter Generali Investments, geht zwar davon aus, dass die EZB einen vorübergehenden Inflationsanstieg zunächst ausblendet und stillhält. Bei einer anhaltenden Eskalation wäre es aus seiner Sicht aber erwartbar, dass die EZB die Zinsen bis Ende 2026 um bis zu 50 Basispunkte anhebt.
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EZB-Entscheid: Profi erwartet schwankende Bauzinsen bis zur Jahresmitte
Für Immobilienkäufer ist der EZB-Entscheid wichtig. Die weitere Handlung der Notenbank beeinflusst die Erwartungen an den gesamten Zinsmarkt. Die Bauzinsen hängen zwar nicht direkt am EZB-Leitzins, reagieren aber sensibel auf Inflationserwartungen, Kapitalmarktzinsen und die Frage, wie restriktiv die Geldpolitik in den kommenden Monaten ausfallen könnte.
Oliver Kohnen, Geschäftsführer beim Kreditvermittler Baufi24, verweist darauf, dass sich die Markterwartungen durch den jüngsten Energieschock und das höhere Inflationsrisiko bereits verändert haben. Für die Bauzinsen erwartet er bis zur Jahresmitte eine volatile Seitwärtsbewegung in einer Spanne von 3,5 bis 4,0 Prozent. Sprünge um 0,3 oder 0,4 Prozentpunkte in kurzer Zeit seien möglich. Doch der Experte warnt.
Wenn Energiepreise und Inflation weiter stiegen, sei in der zweiten Jahreshälfte ein leichtes Aufwärtsrisiko bei den Konditionen für Baufinanzierungen möglich, sagt Kohnen. Gleichzeitig zögen die Immobilienpreise weiter an, weil die Neubautätigkeit nicht ausreiche, um die Nachfrage zu bedienen. Wer gerade finanziert, sollte Konditionen deshalb genau vergleichen. Unser Baufinanzierungs-Vergleich zeigt günstige aktuelle Angebote. Unser Zinsradar verfolgt Änderungen bei den Banken.

EZB-Zinsentscheid: Folgen für Sparer
Auch Sparer sollten den Ausgang des EZB-Entscheids im Auge behalten. Wenn die Notenbank die Zinsen unverändert lässt, spricht das zunächst für stabile Konditionen bei Tagesgeld und Festgeld. Genau das erwartet Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei der Zinsplattform Raisin: In den kommenden Monaten sei bei Tages- und Festgeldzinsen mit weitgehender Stabilität zu rechnen, sagt sie. In turbulenten Zeiten könne das Planungssicherheit bieten. Ganz ausgeschlossen sind spätere Veränderungen aber nicht.
Sollten sich der Konflikt verlängern oder die Inflation anziehen, könnte die EZB doch reagieren. Dann würden auch die Tagesgeldzinsen leicht steigen, so Ehlert. Wer als Sparer flexibel bleiben will, sollte daher eher auf das Tagesgeld schauen. Wer sich eher Zinsen sichern möchte, sollte Festgeldkonditionen vergleichen. Einen Überblick über aktuelle Angebote liefern unser Tagesgeld-Vergleich und Festgeld-Vergleich.
Am Donnerstag spricht also einiges für eine Zinspause. Die spannendere Frage geht aber über den Termin hinaus. Dann geht es darum, welchen Ton die EZB für die nächsten Monate setzt. Das dürfte mitentscheiden, wie sich Bauzinsen, Tagesgeld und Festgeld im weiteren Jahresverlauf entwickeln.
Quellen:
Marktkommentar von Geoff Yu, Markt-Stratege für EMEA bei BNY, im März 2026
Marktkommentar von Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei State Street Investment Management, im März 2026
Im Gespräch mit Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin, im März 2026
Marktkommentar von David Kohl, Chief Economist bei Julius Bär, im März 2026
Marktkommentar von Michele Morganti, Head of Insurance and Asset Management Research bei Generali Investments, im März 2026
Im Gespräch mit Oliver Kohnen, Geschäftsführer Baufi24, im März 2026


