Dieser Artikel gehörte 2025 zu den meistgelesenen Beiträgen im Finanzressort. Er wurde erstmals im Dezember 2025 veröffentlicht. Wir haben ihn erneut geprüft und aktualisiert.
Im Dezember 2025 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins ein weiteres Mal unverändert gelassen. Der für Sparer relevante Einlagenzins verharrt damit seit der letzten Senkung im Juni bei 2,00 Prozent. Welche Folgen hat die Zinspause für Tagesgeld, Festgeld und Bauzinsen? Finanzexperten sehen klare Signale.
EZB belässt Leitzins auch Ende 2025 auf stabilem Niveau
Auch wenn es einige Diskussionen über den Ausgang des letzten Zinsentscheids 2025 gab, waren sich Finanz-Profis im Vorfeld sicher: „Wir erwarten, dass die EZB den Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert bei zwei Prozent belässt“, erklärte Konstantin Veit vom Vermögensverwalter Pimco.
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Michael Heise von der Investmentgesellschaft HQ Trust hat eine einfache Erklärung für die Entscheidung: „Es gibt momentan einfach keinen Anlass, die Zinsen zu verändern.“ Die Konjunktur sei leicht aufwärtsgerichtet und die Inflation stabil in der Nähe des mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziels der Notenbank. „Das dürfte auch 2026 so bleiben“, vermutet der Ökonom.

EZB-Leitzins 2026: Experten erwarten längere Phase stabiler Zinsen
Dabei geht Heise sogar noch weiter: „Angesichts der stabilen Wirtschafts- und Inflationsentwicklung im Euroraum dürfte der Zinssenkungszyklus der EZB beendet sein“, erklärt er. „Zinssenkungserwartungen sind inzwischen völlig verflogen.“ Der Finanzexperte geht davon aus, dass Stabilität zum neuen Credo der Zinspolitik 2026 wird. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Einlagensatz von zwei Prozent auch am Jahresende 2026 noch gültig ist“, so Heise.
Dem stimmt auch Oliver Kohnen vom Finanzierungsvermittler Baufi24 zu: „Im EZB-Rat mehrten sich zuletzt Stimmen, die eine längere Phase stabiler Zinsen bevorzugen.“ Dabei waren jüngst auch Diskussionen um Zinserhöhungen in den Vordergrund gerückt. Kohnen erklärt: „EZB-Direktorin Isabel Schnabel sagte sogar, dass der nächste Zinsschritt eine Anhebung sein dürfte, ‚wenn auch nicht in naher Zukunft‘.“
Heise hält einen Zinsschritt nach oben aber für unwahrscheinlich: „Zinserhöhungen würden eine deutlich negative Überraschung bei der Inflation voraussetzen“, sagt er. Er selbst erwartet eine solche Bewegung vorerst nicht. Für Kreditnehmer, die eine Baufinanzierung planen, könnten weitere Zinsschritte aber Veränderungen bringen.
Baufinanzierung: Kredit-Profi erkennt klare Signale für Bauzinsen & Co.
„Die Folgen der Geldpolitik sind längst am Immobilienmarkt zu spüren“, sagt Kohnen. Der EZB-Leitzins beeinflusst die Konditionen für Immobilienfinanzierungen zwar nur indirekt – da Immobilienkredite langfristig angelegt sind und sich die Zinsen vor allem an Bundesanleihen und Pfandbriefen orientieren. Dennoch passen Banken ihre Konditionen oft schon im Voraus an die Erwartungen des Kapitalmarkts an künftige EZB-Schritte an.
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Die Bauzinsen sind laut Kohnen in den vergangenen Wochen deutlich angezogen und liegen inzwischen bei 3,7 bis 3,8 Prozent für zehnjährige Finanzierungen. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen seien 2025 ebenfalls gestiegen und gäben die Richtung vor. „Solange sie hoch bleiben, gibt es für Bauzinsen kaum Entlastung“, erklärt der Experte. Damit verdichten sich die Signale für das kommende Jahr.

„Zwar dürfte es kurzfristige Schwankungen geben, doch der übergeordnete Trend zeigt nach oben“, sagt der Kredit-Profi. Für 2026 spreche derzeit mehr für ein Bauzinsniveau näher an 4 Prozent als für eine Rückkehr Richtung 3,5 Prozent. Hoffnung auf spürbar niedrigere Zinsen gebe es nur, wenn die Renditen langfristiger Staatsanleihen deutlich fallen würden.
Das wiederum setzt entweder eine massive Umschichtung internationaler Investoren – etwa weg von US-Staatsanleihen – oder erneute großvolumige Anleihekäufe der EZB voraus, etwa zur Stabilisierung hochverschuldeter Länder wie Frankreich. „Beides ist aktuell weder ein wünschenswertes noch ein realistisches Basisszenario“, so Kohnen. Florian Pfaffinger vom Kreditvermittler Dr. Klein stimmt dem zu, sieht aber auch eine Chance für Immobilienkäufer.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Für den Start ins kommende Jahr erwartet der Zinsexperte von Dr. Klein möglicherweise eine kleine Zinsdelle: „Viele Banken preisen im Januar bei gleichem Zinsniveau ein wenig aggressiver“, sagt er. „Sie reduzieren ihre Margen etwas, um neues Volumen in die Bücher zu bekommen. Das könnte Topzinsen mit sich bringen, die für eine 10-jährige Festschreibung leicht über drei Prozent liegen.“ Wer über eine Immobilienfinanzierung nachdenkt, findet in den ersten Wochen des neuen Jahres womöglich ein günstiges Zeitfenster. Unser Baufinanzierungs-Vergleich zeigt aktuelle Konditionen im Überblick.
Tagesgeld und Festgeld: Sparer dürfen auf stabile Zinsen hoffen
Während Bauzinsen lediglich mittelbar auf Entscheidungen der EZB reagieren, bekommen Sparer Veränderungen bei Tages- und Festgeld unmittelbar zu spüren: Fallende Leitzinsen belasten die Renditen von Sparprodukten. Experten rechnen jedoch damit, dass der deutliche Rückgang der Sparerzinsen nun weitgehend zum Stillstand gekommen ist.
„Aus der Perspektive der Sparer lässt sich das zurückliegende Jahr in zwei Phasen einteilen: Unter dem Einfluss der kontinuierlichen Leitzinssenkungen durch die EZB sind in der ersten Jahreshälfte auch die Sparzinsen deutlich gesunken. Als der Zinssenkungszyklus der Notenbank auslief, folgte auf diese Talfahrt dann eine Stabilisierungsphase“, erklärt Oliver Maier vom Vergleichsportal Verivox.
Für 2026 rechnet Maier aktuell mit konstanten Leitzinsen mindestens bis zur Jahresmitte. Entsprechend dürften sich auch die Zinsen für Tagesgeld sowie für kurz- bis mittelfristiges Festgeld im Marktdurchschnitt stabil entwickeln. Beim Tagesgeld kann es insbesondere unter den Banken an der Marktspitze aufgrund des intensiven Wettbewerbs ebenfalls Ausschläge geben.
Tatsächlich haben mehrere Banken ihre Konditionen zuletzt wieder angehoben. Welche Institute mittlerweile wieder mit drei Prozent Zinsen auf Tagesgeld werben, lesen Sie hier. Die besten aktuellen Konditionen für Tages- und Festgeld präsentiert unsere Spar-Übersicht. Ergänzend bieten unser großer Tagesgeld-Vergleich und Festgeld-Vergleich eine Anbieterauswahl.
Quellen:
Marktkommentar von Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich, vom 27. Dezember 2025
Geldpolitische Beschlüsse vom 18. Dezember 2025 – Der EZB-Rat belässt die Leitzinsen unverändert, in: ecb.europa.eu. Zuletzt abgerufen am 18. Dezember 2025
Marktkommentar von Konstantin Veit, Portfoliomanager bei PIMCO, vom 15. Dezember 2025
Marktkommentar von Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, vom 18. Dezember 2025
Marktkommentar von Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24 vom 18. Dezember 2025
Marktkommentar von Florian Pfaffinger, Mitglied im Expertenrat von Dr. Klein vom 18. Dezember 2025
Pressekonferenzen, in: ecb.europa.eu. Zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2025



