Der Bitcoin (BTC) zeigt einen Abwärtstrend und hat im Monatsverlauf deutlich an Wert verloren. Derzeit steht der aktuelle BTC-Preis bei etwa 74.815 Euro (Stand 26. November). Was steckt hinter der Schwächephase? Die Entwicklung kommt nicht überraschend – die führende Kryptowährung steht bereits seit längerem unter Verkaufsdruck. Analysen verschiedener Marktexperten zeigen mehrere Ursachen für den Preisrückgang.

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Bitcoin im Sinkflug: Was steckt hinter dem BTC-Kursrutsch? Experten klären auf

Der jüngste Kursrückgang überrascht vor allem jene Anleger, die in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten auf ein politisches „Selbstläufer“-Narrativ gesetzt haben, sagt Joshua Krüger von der Krypto-Organisation dEURO Association. Die Erwartung sei klar gewesen: Ein krypto-freundlicher US-Präsident, regulatorischer Rückenwind, neue ETF-Zulassungen und institutionelles Kapital würden den Markt dauerhaft nach oben treiben.

Doch diese Erzählung habe sich als brüchiger erwiesen, als viele Anleger gehofft hatten. „Ein politisches Versprechen ersetzt kein Risikomanagement“, warnt Krüger. Wer in den letzten Monaten einfach gekauft habe, weil der politische Ton aus Washington optimistisch klang, sitze nun auf Volatilität.

Bitcoin
Der Bitcoin befindet sich derzeit im Sinkflug. © AFP | JUSTIN TALLIS

Kryptos im Minus: ETF-Abflüsse verstärken Verkaufsdruck

Besonders deutlich zeige sich die Enttäuschung an den Kapitalabflüssen aus Spot-Bitcoin-ETFs, so Krüger weiter. Allein an einem Tag flossen hunderte Millionen US-Dollar ab – und weil diese Produkte physisch gedeckt seien, lande dieser Abfluss unmittelbar als Verkaufsdruck im Markt. Korrekturen von 25 bis 30 Prozent seien im Bitcoin-Ökosystem zwar nicht ungewöhnlich, aber der Zeitpunkt sende ein Signal: „Ein Teil der Anleger verabschiedet sich aus Frust, nicht aus Strategie“, denkt der Profi.

Warum gibt es keine Bitcoin-ETFs in Deutschland?

Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist in Deutschland die Emission von börsengehandelten Fonds (ETFs), die nur einzelne Kryptowerte wie den Bitcoin abbilden, nicht zulässig.

Der Grund: Ein solcher börsengehandelter offener Publikumsfonds, der die Entwicklung eines einzigen Werts abbildet – in diesem Fall den Kryptowert Bitcoin – widerspräche sowohl nach deutschen nationalen Produktregeln als auch den Vorgaben der Europäischen Union (EU) für harmonisierte Wertpapierfonds (OGAWs) dem für diesen Fondstyp grundlegenden, dem Anlegerschutz dienenden Prinzip der Risikomischung. Mehr dazu finden Sie auch auf der Seite Bafin.de

Parallel gerät ein zweites großes Narrativ ins Wanken: künstliche Intelligenz. Nachdem KI-Aktien über Monate als unantastbar galten, werden sie nun von bekannten Anlegern angegriffen, die darauf wetten, dass ihr Kurs fällt – sogenannte Shortseller. Wenn Leitaktien fallen, schrumpfen Risiko-Budgets – und mit ihnen das Interesse an allen Anlageklassen, die als hochvolatil und schwer bewertbar gelten.

„Viele Fonds stecken KI und Krypto in dieselbe Schublade: Zukunftsthema, aber mit hohem Beta“, erklärt Krüger. Werden KI-Positionen abgebaut, treffe das Krypto oft automatisch mit.

Dazu komme: Sowohl KI- als auch Krypto-Assets seien stark narrativ getrieben. „Sie leben von Wachstumserwartungen, Momentum und Liquidität. Wenn sich die Geschichte vom unbegrenzten Potenzial in eine Erzählung über Überbewertung, Regulierungsrisiken oder Übertreibung verwandelt, drehen diese Märkte schneller als klassische Anlageklassen“, sagt der Profi.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Kryptowährungen zeigen Abwärtstrend: Unsichere Wirtschaftslage drückt auf riskante Anlagen

Auch im globalen Umfeld mehren sich die Belastungsfaktoren. Japan taste sich nach Jahrzehnten ultralockerer Geldpolitik erstmals an Zinserhöhungen heran – was Carry Trades und globale Liquiditätsströme ins Wanken bringe, erläutert der Experte.

Zur Erklärung: Bei einem Carry Trade leiht sich ein Anleger Geld zu einem niedrigen Zinssatz und investiert es in ein Land oder eine Anlage mit höherem Zinssatz, um die Zinsdifferenz als Gewinn mitzunehmen.

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Die weltweite Verschuldung sei zudem auf Rekordniveau: Staaten, Unternehmen und Haushalte reagierten sensibel auf steigende Zinsen und ökonomische Unsicherheit. Gleichzeitig brodelten geopolitische Konflikte an mehreren Fronten. Krüger fasst zusammen: „Der Bitcoin-Rückgang ist daher kein isoliertes Ereignis – er ist das Resultat vieler übereinanderliegender Effekte.“ Überzogene politische Hoffnungen, abkühlende Tech-Euphorie, Rückzug institutioneller Gelder, aggressive Shortseller, globale Schuldenrisiken und geopolitische Spannungen erzeugten eine Gemengelage, die Anleger zurück in Cash und defensive – also sichere – Anlagen treibe.

Kryptowährungen fallen stärker als andere Risikoanlagen bei Unsicherheit

Elliot Hentov vom Vermögensverwalter State Street Investment Management, ordnet den Einbruch in ein bekanntes Muster ein. „Dieser Zyklus ist nicht anders – das Muster ist klar“, stellt er fest. Krypto-Assets korrelierten weitgehend mit Risikoanlagen, sodass sich ein Rückgang der Risikobereitschaft auch auf Kryptowährungen auswirke – allerdings in verstärktem Maße. Die Sorgen um die Gesundheit der US-Wirtschaft und die Nachhaltigkeit der KI-Rally hätten die Werte von Kryptowährungen überproportional stark getroffen.

Kryptowährung
Profis sehen trotz der jüngsten Schwäche langfristig Potenzial beim Bitcoin. © Fernando Gutierrez-Juarez/dpa | Fernando Gutierrez-Juarez

Bitcoin & Co.: Krypto-Experten sehen langfristige Wachstumsaussichten

Trotz der aktuellen Turbulenzen blicken beide Experten mit Zuversicht auf die langfristige Entwicklung. Hentov erklärt: „Die Realität sieht so aus, dass bei einer Rückkehr der Risikobereitschaft mit einer entsprechenden Erholung der Kryptokurse zu rechnen ist.“ Der Fortschritt im US-Regulierungsrahmen für Krypto-Assets bedeute, dass ihre Integration in den Mainstream-Investmentbereich ein Trend sei, der sich fortsetzen werde.

Zudem rücke der Fokus verstärkt auf die Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie jenseits spekulativer Investitionen. Die traditionelle Finanzwelt und die etablierten Kapitalmärkte integrierten die Technologie zunehmend in ihre täglichen Abläufe. Hentovs Fazit: „Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Krypto-Assets noch viel Potenzial haben.“

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Bitcoin-Markt bleibt volatil: Einbruch dient als „Realitätscheck“

Auch Krüger verweist auf die strukturellen Faktoren, die bestehen bleiben: zunehmende institutionelle Infrastruktur, wachsendes regulatorisches Fundament und halving-bedingte Angebotsknappheit. Diese würden ihre Wirkung jedoch nicht in einem Umfeld entfalten, das primär von Risikoabbau geprägt sei.

Langfristige Investoren kennen dieses Auf und Ab. Kurzfristig sollten Marktteilnehmer jedoch darauf eingestellt sein, dass die Kombination aus politischer Unsicherheit, technischen Korrekturen und makroökonomischen Risiken die Volatilität hochhalte. Krügers Einschätzung: „Der aktuelle Einbruch ist daher kein Endpunkt, sondern ein Realitätscheck.“

Quellen:

Pressemitteilung: Marktkommentar von Elliot Hentov, Chief Macro Policy Strategist bei State Street Investment Management, vom 20.11.2025

Pressemitteilung: Marktkommentar von Joshua Krüger, Head of Growth bei der dEURO Association, vom 21.11.2025

Bitcoin (BTC), in: coinmarketcap.com. Zuletzt abgerufen am 21.11.2025